Lokales

Selbstanzeigen auch in der Region

Zuständiges Finanzamt Reutlingen registriert zunehmende Zahl an Steuersündern

Auch in der Teckregion steigt die Zahl der Selbstanzeigen wegen Steuerhinterziehung: 1 203 Steuersünder wurden im Bezirk Reutlingen, zu dem das Nürtinger Finanzamt gehört, seit Februar 2010 registriert.

Kapitalerträge von Konten in der Schweiz oder in Liechtenstein finden sich nicht immer in den Steuererklärungen wieder. Auch in
Kapitalerträge von Konten in der Schweiz oder in Liechtenstein finden sich nicht immer in den Steuererklärungen wieder. Auch in der Region gilt Steuerhinterziehung offensichtlich bei etlichen Menschen als Kavaliersdelikt. Foto: Jean-Luc Jacques

Region. FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß, Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und der zurückgetretene Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz: Immer mehr Prominente bekennen, Steuern hinterzogen und den deutschen Fiskus betrogen zu haben. Doch Steuersünder sind nicht nur unter Promis zu finden: Auch etliche „Otto Normalverbraucher“ betrachten Steuerhinterziehung offensichtlich als Kavaliersdelikt.

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Doch ob bekannte Persönlichkeit oder nicht – sie alle geraten mehr und mehr unter Druck, was Selbstanzeigen nach sich zieht. Auch im Bezirk Reutlingen, zu dem im Straf- und Bußgeldbereich neben den Finanzämtern in Balingen, Bad Urach, Böblingen, Reutlingen und Tübingen auch das Nürtinger Amt mit Außenstelle in Kirchheim gehört, haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen selbst angezeigt. So registrierte das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg im Finanzamtsbezirk Reutlingen zwischen Februar 2010 und Ende Januar 2014 insgesamt 1 203 Selbstanzeigen. Auf das vergangene Jahr entfielen 252, im Jahr 2012 waren es 113, und 2011 wagten sich 91 Steuerbetrüger aus der Deckung. Die meisten Selbstanzeigen, nämlich 713, gab es im Jahr 2010. Wie viele davon aus der Nürtinger und Kirchheimer Region stammen, ist nicht zu erfahren – weder bei der Nürtinger Behörde noch beim Reutlinger Finanzamt mit der zuständigen Straf- und Bußgeldsachenstelle. „Wir führen keine Aufzeichnungen über die einzelnen Finanzämter“, sagt Sigrid Brucker-Maschke, Vorsteherin des Reutlinger Amtes, auf Nachfrage.

Laut Pressesprecherin Melanie Zachmann erfasst das Finanzministerium in Stuttgart die Selbstanzeigen landesweit seit Februar 2010 – also seit in Baden-Württemberg die erste sogenannte Steuer-CD mit den Daten mutmaßlicher Betrüger zum Kauf angeboten wurde. „Zu diesem Zeitpunkt ging die Welle der Selbstanzeigen richtig los“, sagt die Pressesprecherin. Die Banken in der Schweiz würden auf ihre Kunden aber auch einen verstärkten Druck ausüben, was ein weiterer Grund für die steigende Zahl der Selbstanzeigen sei. Sigrid Brucker-Maschke verweist in diesem Zusammenhang auf die „Weißgeld-Strategie“ der Schweiz, die einen Nachweis korrekter Versteuerung erfordert. Prominente Fälle wie Hoeneß und Co. und die verstärkte Berichterstattung in den Medien täten außerdem ihr Übriges, ergänzt Melanie Zachmann.

Seit das Finanzministerium die Statistik führt, haben die 1 203 Steuerbetrüger des Reutlinger Bezirks Kapitalerträge in Höhe von 141 Millionen Euro nacherklärt. Das entspricht einer Steuernachzahlung von etwa 39  Millionen Euro.

Die Steuersünder hätten ihr Geld vor allem in den „klassischen Anlageländern“, also in Liechtenstein und der Schweiz, gebunkert, erläutert die Vorsteherin des Reutlinger Finanzamtes. Steueroasen wie die Kaimaninseln spielen für Steuerbetrüger aus der Region Nürtingen und Kirchheim keine Rolle. Im Übrigen handle es sich nicht in allen Fällen um Schwarzgeld. „Die Menschen haben versteuertes Geld legal ins Ausland transferiert“, informiert Sigrid Brucker-Maschke weiter. Doch dann hätten sich die Zinserträge hierzulande nicht in den Steuererklärungen wiedergefunden.