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Selbstverständlichkeit

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Zum Artikel "Krieg der Worte um Einbürgerung", vom 24. Januar:

Es ist gut, dass wir in unserem Land über Selbstverständlichkeiten, wie den Fragebogen zu Einbürgerung, diskutieren dürfen. Und das ohne Gefahr zu laufen, dafür bedroht zu werden oder ins Gefängnis zu müssen. In anderen Ländern dieser Erde, auch in der Türkei, ist es leider nicht so. Zum Beispiel freie Meinungsäußerung und Religionsausübung? Fehlanzeige. Es ist die Pflicht unseres Staates, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, damit sich an unserer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung nichts ändert. Dazu gehört auch der Fragebogen für einbürgerungswillige Ausländer.

Selbstverständlich muss es deshalb interessieren, wie sich ein möglicher Neubürger zu Gewalt, Toleranz, Ehe und Familie sowie den demokratischen Grundwerten einer christlich-abendländisch geprägten Kultur stellt. Woher nehmen all diejenigen, die behaupten, dass der Fragebogen nichts bringt, diese Gewissheit her? Kann es nicht sein, dass durch die Fragen den Einbürgerungswilligen deutlich ins Bewusstsein rückt, wie sich unser Werteverständnis darstellt? Was ist also an dem Fragebogen falsch?

Ich bin davon überzeugt, dass damit wichtige "Ausrufezeichen" in Bezug auf unser Wertesystem gesetzt werden. Die Einbürgerung ist nämlich keine Formalie. Deshalb ist die Beantwortung des Fragebogens eine unverzichtbare Selbstverständlichkeit als Voraussetzung für die Einbürgerung. Betrachten wir die Einbürgerungshürden bei vielen europäischen Staaten, dann stellt sich die aktuelle Debatte um den Fragebogen geradezu als "Hurrikan im Schnapsglas" dar.

Die Fragen müssten nicht gestellt werden, wenn es hierzu keine reale Begründung gebe. Sind Hassprediger, Zwangsheirat, "Ehrenmorde" sowie die Ansicht von über 20 Prozent der hier lebenden Muslime, dass unsere Verfassung konträr zum Koran steht und damit in deren Augen "reformbedürftig" ist, Hirngespinste? Darüber sollten Kritiker, insbesondere die "Offiziellen" der Muslim-Gemeinde, einmal gründlich nachdenken. Minister Rech, bleiben Sie standhaft.

Günter Zizelmann

Kirchheim, Bulkesweg

Deutschpflicht ?

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, stößt eine wichtige Diskussion an: Wie nutzen wir inner- und außerhalb der Schule alle Möglichkeiten, damit Kinder aus Migrantenfamilien ihre häufig unzureichenden Deutschkenntnisse verbessern? Wie verhindern wir die sprachliche Abkapselung der häufig mehr als 20 unterschiedlichen Nationen vor allem an den Grund- und Hauptschulen und wie fördern wir deren sprachlich-soziale Integration? Welche sprachlich-sozialen Lernchancen bleiben ungenutzt, wenn sich in den 15 oder 20 Minuten der täglichen großen Pause die türkischen Schüler regelmäßig und vorwiegend türkisch untereinander unterhalten die russischen Schüler russisch, die italienischen Schüler italienisch ? Schüler knüpfen und pflegen in der Schule wichtige soziale Kontakte, die in den Freizeitbereich hineinreichen.

Wenn dies dadurch verhindert oder beeinträchtigt wird, dass sich in den unterrichtsfreien Räumen (und das sind vorwiegend die Pausen) sprachliche Ghetto-Situationen bilden: Wie sollen dann Freundschaften über die nationalen Sprachgrenzen hinweg entstehen? In dieser sicherlich nicht einfachen Diskussion gibt es keinen Königsweg. Verbote werfen natürlich sofort die Frage nach der Kontrolle und der Sanktionierung auf. Gebote und Appelle in der Vergangenheit schon vielfach praktiziert müssen damit rechnen, völlig unverbindlich und damit wirkungslos zu bleiben. Wie immer sich die einzelne Schule entscheidet: Wichtig ist, dass zum Beispiel in der Schulkonferenz oder bei anderen Gelegenheiten eine sachlich-ernsthafte Auseinandersetzung zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern zu dieser Frage stattfindet (siehe PISA!) und jede Polemik unterbleibt.

Es geht weder um Überregulierung noch um die Einschränkung von Persönlichkeitsrechten Es geht darum, die sprachlich-soziale Distanz zwischen Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Nationalität und Sprache zu verringern.

Hans Dörr, Kreisvorsitzender der

Gewerkschaft Erziehung und

Wissenschaft (GEW)

Notzingen, Müllerweg

Weder bürger- nochumweltfreundlich

Zum Artikel "Kirchheimer Gemeinderat stimmt den Leitlinien des Gewerbeflächenkonzepts zu Vorhaltestrategie für die nächsten 15 Jahre", im Teckboten vom 10. Februar:

Es ist schon erschreckend, wie faktisch "mit einer Handbewegung" aus dem letzten weitläufigen Gelände Ötlingens ein Gewerbegebiet werden soll. Schaut man sich den versifften Kruichling an, kann einem jetzt schon schlecht werden.

Wenn der Planungsamtleiter im Hägele "keine landschaftlich wertvolle Situation" sieht, dann kann er einem schon leid tun. Warum wohl sieht man dort am Wochenende so viele Spaziergänger? Was ist mit den Obstbäumen, Hecken und den Kleinlebewesen? Wo gibt es noch solche zusammenhängenden Landwirtschaftsflächen? Will man die etwa per Enteignung in die Hände bekommen? Platzprobleme für interessierte Investoren hat die Stadt nach bisherigen Erfahrungen ganz bestimmt noch lange nicht, bringt sie es doch nicht einmal fertig, für vorhandene Flächen Interessenten zu finden.

Würde man sich nicht jedesmal auswärtige Gutachter als "Entscheidungshilfe" oder besser Alibi kaufen, sondern solche, die hier ihre Wurzeln haben, dann wäre bestimmt manche Entscheidung bürger- und umweltfreundlicher.

Peter Schulz

Ötlingen, Waldstraße