Lokales

"Seltene Erbarmungslosigkeit"

Im Weilheimer Mordprozess hat vor dem Stuttgarter Landgericht der Staatsanwalt hohe Strafen für das angeklagte Trio gefordert. Der hauptbeschuldigte 28-Jährige, der die tödlichen Messerstiche gegen das 62-jährige Opfer zugab, soll mit "besonders schwerer Schuld" lebenslang hinter Gitter.

BERND WINCKLER

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WEILHEIM/STUTTGART Zwölf Jahre forderte der Ankläger für den mitangeklagten 35-Jährigen und drei Jahre gegen die 19-jährige Ex-Freundin des Polen. Die letzten Beweisanträge der Verteidiger wurden hingegen zurückgewiesen.

In ungewöhnlich scharfer Weise beantragte der Ankläger am gestrigen elften Verhandlungstag die Sanktion gegen den hauptangeklagten Darius S. Er ist davon überzeugt, dass S. der alleinige heimtückische Habgier-Mörder des 62-jährigen Strickmeisters aus Weilheim ist. Der Angeklagte habe in einer seltenen Erbarmungslosigkeit und Brutalität die insgesamt zehn Messerstiche dem Schrebergartenbesitzer verabreicht, nur mit dem einen Ziel, an dessen Auto zu kommen, um damit zu flüchten. Allein schon sieben der Stiche waren tödlich. Er habe äußerst große und grobe Gewalt bei der Tat ausgeübt, wetterte der Staatsanwalt, habe ohne jeglichen Anlass einen Menschen getötet, den er nicht kannte und dafür reiche ein normales "Lebenslang" nicht aus.

Zusätzlich zu diesem Lebenslang beantragte der Ankläger für Darius S. noch die Feststellung einer "besonders schweren Schuld". Dies bedeutet, dass eine Entlassung nach 15 Jahren Haft ausgeschlossen ist. Immerhin, so der Staatsanwalt, habe der Mann sein Opfer regelrecht "abgeschlachtet". Die Gesellschaft in der BRD und in Polen wie auch in Dänemark, in der der Pole ebenfalls einen Menschen getötet haben soll, müsse vor solch einem Täter in Zukunft verschont bleiben.

Für seinen neben ihm sitzenden 35-jährigen Landsmann Marius K., bei dem der Ankläger den Tatbestand des Raubes mit Todesfolge und Beihilfe zum Mord als erwiesen sah, forderte er eine zeitliche Haftstrafe von zwölf Jahren. Ihm hält er zugute, dass er der Erste war, der zu dem Vorwurf Stellung nahm und den Tatablauf in einem Geständnis glaubwürdig schilderte. Damit habe er dazu beigetragen, das ganze Geschehen mit aufzuklären.

Für die inzwischen 19 Jahre alt gewordene Ex-Freundin des Darius S. hingegen beantragte der Staatsanwalt eine Jugendstrafe von drei Jahren wegen schweren Raubes. Sie habe nicht bei der Tötung des 62-jährigen Opfers mitgewirkt, meint der Ankläger und widerspricht damit der Auffassung der Nebenklägerin, die gestern auch die 19-Jährige und den 35-Jährigen wegen gemeinschaftlichen Mordes gerne verurteilt sehen würde. Einen entsprechenden Antrag stellte die Anwältin der hinterbliebenen Familie.

Abgelehnt haben übrigens die Richter der vierten Strafkammer noch weitere Beweisanträge der Verteidiger, darunter auch einen Antrag, Zeugen zu einem früheren Dreifach-Mord auf einem Reiterhof in Bad-Kreuznach zu vernehmen. Es habe sich dabei um einen Auftragsmord gehandelt, bei dem drei polnische Täter mitgewirkt hätten, darunter auch Darius S. Die Sache habe mit dem Weilheim-Mord keine Verbindung, meinten die Richter und es bestünde kein Anlass, hier nochmals zu ermitteln, zumal die Täter damals gefasst und verurteilt wurden.

Die Plädoyers der Verteidiger sollen am morgigen Freitag beendet werden. Das Urteil soll gegen 11 Uhr verkündet werden. Am 20. Dezember wird Darius S. an die Justiz in Kopenhagen überstellt, wo gegen ihn am 2. Januar wegen der Ermordung eines 17-Jährigen verhandelt wird. Auch hier droht dem 28-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe.