Lokales

Senioren rücken zusammen

Das Soziale Netz Raum Weilheim wird immer dichter geknüpft. Nach der Gründung des Vereins im Mai hat Anfang Oktober die Fachkraft Rosemarie Bühler ihre Arbeit aufgenommen. Derzeit laufen die Vorträge, in denen Ehrenamtliche auf den Besuchsdienst vorbereitet werden.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Zwei Jahre hatte der Verein Soziales Netz Raum Weilheim Vorlauf, bevor er Anfang Mai dieses Jahres offiziell aus der Taufe gehoben wurde.

O:STERN.TI_ 14 Trägermitglieder wie Kommunen, Kirchen und Krankenpflegevereine unterstützen das Netzwerk, dessen zentrales Anliegen das "Betreute Wohnen zu Hause" ist. "Vorbild war für uns das Lenninger Netz", gibt der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Bürgermeister Hermann Bauer, unumwunden zu. Für ihn gab es deshalb keinen Grund, "das Rad neu zu erfinden". Die Idee der Vereine ist denkbar einfach: Um älteren Menschen die Chance zu geben, möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können, gibt es eine zentrale Anlaufstelle, die bei Bedarf notwendige Hilfen vermittelt. Ehrenamtliche fungieren als eine Art Gesellschafter und übernehmen regelmäßige Besuchsdienste.

Seit Ende Oktober werden in Weilheim Vorträge angeboten, um Mitarbeiter für den Besuchsdienst zu gewinnen. Erika Jahke, Geschäftsführerin und treibende Kraft des Sozialen Netzes, freut sich über die Resonanz: "Die drei bisherigen Abende waren mit 20 bis 30 Gästen gut besucht. "Wir haben inzwischen schon Stammgäste, aber auch Menschen, die einfach kommen, weil sie sich für ein bestimmtes Thema interessieren." Auch das ist gewünscht, soll der Verein doch möglichst breit in der Bevölkerung verankert werden. "Was wir brauchen, wenn wir älter werden", "Umgang mit Demenz", "Fit im Alter Freude am Alter", so lauten einige Themen der Reihe. Der nächste Vortrag findet am heutigen Dienstag um 19.30 Uhr im Bürgerhaus unter der Überschrift "Gesprächsführung" statt. Referentin ist Christina Kleiner vom DRK. Am 18. Dezember wird ein Abend rund ums Thema Erste Hilfe angeboten und im Januar geht es in einem Vortrag um "Depression im Alter". Daran schließt sich ein weiterer Abend für diejenigen an, die im Team des Besuchsdienstes mitarbeiten möchten.

Formen nimmt derzeit auch die Koordinationsstelle an. Am 1. Oktober hat Rosemarie Bühler ihren Dienst angetreten. "Momentan sehe ich meine Hauptaufgabe darin, Kontakte zu den verschiedenen Partnern zu knüpfen", so die Fachkraft. Der Austausch mit Kolleginnen auf Kreisebene, der Aufbau der notwendigen Infrastruktur und die Präsentation des Projekts binden derzeit einen Großteil von Rosemarie Bühlers wöchentlicher Arbeitszeit von zwölf Stunden. Vom 7. Januar an wird sie immer montags von 10 bis 12 Uhr in der Hölderlinstube des Bürgerhauses Sprechzeiten anbieten. Das Soziale Netz steckt also quasi in den Startlöchern, und die gelernte Kinderkrankenschwester freut sich auf die ersten Betreuungsverträge: "Was da auf mich zukommt, ist sicher so vielseitig wie das Leben."

Eva Haußmann, Erste Vorsitzende des Vereins, setzt darauf, dass sich durch die konzertierte Hilfe so mancher Umzug von Hochbetagten in ein Pflegeheim vermeiden lässt. "Es gibt doch immer mehr ältere Menschen, die für sich alleine wohnen und um die sich niemand kümmert." Mit der Inanspruchnahme von Kurzzeitpflege und mit Unterstützung des Vereins seien auch Krisensituationen zu meistern, so lautet ihre Überzeugung. "Zu wissen, es ist jemand da, der sich im Notfall um meine Mutter oder meinen Vater kümmert, ist doch auch für weit entfernt wohnende Kinder beruhigend", gibt Eva Haußmann zu bedenken.

Im Sozialen Netz haben sich Weilheim, Neidlingen, Holzmaden und Ohmden zusammengeschlossen. Was anfangs als Wagnis gesehen wurde, entpuppt sich mehr und mehr als gute Entscheidung. "Die Senioren rücken näher zusammen", lautet unisono die Feststellung der Verantwortlichen. Insbesondere auch in den kleineren Orten sieht Neidlingens Bürgermeister Rolf Kammerlander, Zweiter stellvertretender Vorsitzender des Vereins, viele Menschen, die von dem Netzwerk profitieren könnten. "Wir haben keine stationäre Einrichtung und bei uns leben inzwischen viele Ältere ohne eigene Kinder am Ort."

Für den Weilheimer Verwaltungschef Hermann Bauer ist das Soziale Netz eine logische Fortsetzung dessen, was in der Limburgstadt seit mehreren Jahrzehnten Zug um Zug für ältere Menschen aufgebaut wurde. Beispielhaft denkt er an den Krankenpflegeverein, die seit Anfang der 80er-Jahre betriebene Seniorenstube, den Bau des DRK-Seniorenheims, die betreuten Seniorenwohnungen, die Diakoniestation sowie das Seniorenforum mit seinen zahlreichen Angeboten. Für die Stadt Weilheim war es deshalb auch keine Frage, das Soziale Netz auf vielerlei Art zu unterstützen. So kann der Raum für das Büro im Bürgerhaus kostenlos genutzt werden, Hermann Bauer erklärte sich bereit, im Vorstand mitzuarbeiten und in den ersten beiden Jahren schießt die Stadt insgesamt 7000 Euro als Anschubfinanzierung zu.

Neben den Zuschüssen auch der übrigen Mitgliedsgemeinden hat der Verein bislang noch keine nennenswerte Einnahmequelle. Eva Haußmann freut sich deshalb darüber, dass das Soziale Netz Raum Weilheim genauso wie das Lenninger Netz und der Kirchheimer Verein "Buefet", die ebenfalls das "Betreute Wohnen zu Hause" ermöglichen wollen, dieses Jahr durch die Spendengelder der Weihnachtsaktion des Teckboten unterstützt werden.

Kreissparkasse 48 333 344 (BLZ 611 500 20) Volksbank 304 777 005 (BLZ 612 901 20) Deutsche Bank 070 050 000 (BLZ 611 700 76) BW-Bank 8 642 202 (BLZ 600 501 01) Commerzbank 910 000 900 (BLZ 611 400 71)