Lokales

Sensible Insellage vor störenden Einflüssen bewahren

Es ist das einzige Hochmoor der Schwäbischen Alb. Um das Kleinod noch besser gegen widrige Einflüsse schützen zu können, will die Torfmoor-Schopfloch-Stiftung das Schutzgebiet erweitern. Ein entsprechender Antrag soll beim Regierungspräsidium gestellt werden.

RICHARD UMSTADT

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LENNINGEN "Wenn man das Moor schützen will, muss man darüber hinausschauen", meinte Michael Schlecht, der als Lenninger Bürgermeister im Vorstand der Torfmoor-Schopfloch-Stiftung vertreten ist. So rannte der Vorsitzende des Vorstandes, Heinz Dangel, bei der jüngsten Vorstandssitzung mit seinem Schutzgebietserweiterungvorschlag denn auch offene Türen ein. Dangel, der sich schon seit Jahrzehnten für die Erhaltung des wertvollen Naturschutzgebietes in der Nähe seines Heimatortes Ochsenwang einsetzt, begründete seinen Vorschlag mit der Anfälligkeit dieses einzigartigen Hochmoors. "Die feuchtigkeitsliebende Vegetation und Fauna ist angesichts der Insellage so sensibel, dass alle möglichen Beeinträchtigungen ferngehalten werden müssen. (. . .) Die unmittelbare Abhängigkeit des Wasserhaushaltes im Moor von der näheren Umgebung bedingt die Ausweitung eines konsequenten Schutzes auf diesen Flächen." Deutlich seien die "Randeinflüsse aus der landwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Düngereintragung, festzustellen", wodurch dieser empfindliche Bereich immer wieder nachhaltig gestört wird. Deshalb will die Stiftung die Grenzen des Naturschutzgebietes im Westen und Norden auf die Feldwege legen. Insgesamt würde das schützenswerte Gebiet um rund zehn Hektar erweitert. Ein entsprechender Antrag der Torfmoor-Stiftung wird über das Landratsamt dem Regierungspräsidium zugehen.

Der größte Teil der Flächen, die neu ins Naturschutzgebiet hereingenommen werden sollen, wird ausschließlich landwirtschaftlich genutzt, wie Wolfgang Lissak sagte, der im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb zuständige Mann für die Schutzgebiete. Auch ihm ist es wichtig, durch eine Gebietserweiterung in Absprache mit den ansässigen Landwirten Einfluss auf die Bewirtschaftung der Flächen nehmen zu können. Lissak koordiniert die Pflege in den Naturschutzgebieten. Dabei bespricht er auch den Einsatz des Pflegetrupps in einem rund fünf bis sieben Hektar großen Gebiet im Schopflocher Torfmoor.

Das einzige Hochmoor auf der Schwäbischen Alb wurde bereits 1942 zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Entstehungsgeschichte des Moors selbst freilich liegt rund 17 Millionen Jahre zurück. Damals blubberte im Raum Kirchheim/Bad Urach die Erde, der schwäbische Vulkanismus feierte fröhliche Urständ. Lava drang aus unzähligen Schloten. Im Laufe der Zeit erkaltete das Magma und bildete, wie auf der Schopflocher Alb, eine natürliche Wanne, in der sich das Regenwasser sammelte. Dadurch konnte sich eine etwa fünf Meter hohe Torfschicht mit einer moortypischen Flora und Fauna bilden.

Um das Moor wirtschaftlich nutzen zu können, wurden jedoch im 19. Jahrhundert Entwässerungsgräben gezogen. Der trockene Torf konnte so leichter gestochen und verkauft werden. Dies aber schien der Anfang vom sicheren Ende des Torfmoors zu sein. Bäume wuchsen, ein Wald entstand und drohte, das ganze Moor mit seiner Artenvielfalt zu verschlucken. Es war dem Untergang geweiht. Doch soweit wollten es Naturschutzverwaltung und Albverein nicht kommen lassen. Eine Stiftung wurde ins Leben gerufen und ein "Stückle ums andere" im Moorgebiet unter der Rubrik "Zukunftssicherung" aufgekauft und dabei steht Heinz Dangel nach wie vor an vorderster Front.