Lokales

Sich bei sphärischen Klängen treiben lassen

Einfach mal alle Viere von sich strecken, entspannen, sich einfach treiben lassen: Wer sehnt sich nicht danach? In der Beurener Panorama Therme kann man sich diese Sehnsucht seit kurzem voller (Bade-)Vergnügen erfüllen: In das neue Aktivbecken, in dem man freilich auch nach Herzenslust passiv sein kann, wurden inclusive begleitender Maßnahmen in Technik und Gastronomiebereich 1,9 Millionen Euro investiert.

JÜRGEN GERRMANN

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BEUREN Um eine höchst ungewöhnliche Baumaßnahme handelt es sich dabei (nicht nur) aus Sicht von Architekt Norbert Morgenthaler. Ein Großteil der Arbeiten (60 Prozent schätzt Bürgermeister und Kurdirektor Erich Hartmann) musste nachts erfolgen, weil man unter anderem jedes planbare größere Geräusch den Badegästen ersparen wollte. Auch das Verlegen von Estrich und Fliesen, das im Grunde absolute Trockenheit erfordert, ist in einem Bad, in dem täglich rund 4 000 Bewegungen in Beckennähe erfolgen, alles andere als einfach.

Aber die Handwerker haben toll mitgezogen, lobt der Planer, der auch stolz darauf ist, dass die Beurener Tradition, jede Investition zugleich auch mit Innovation zu verbinden und Pilotprojekte, die es sonst nirgendwo gibt, zu erproben, auch hier beibehalten werden konnte. Konkret handelt es sich hier um Sprudelsitze am Beckenrand und auch Unterwasserscheinwerfer, die mit Bodensprudlern kombiniert werden und dadurch auch an der nunmehr weißen Decke optische Wirkung erzielen.

Die Decke zählt auch zu den schon auf den ersten Blick auffallendsten Veränderungen im größten Innenbecken, das nach einem Vierteljahrhundert dringend saniert werden musste: das drückende Dunkel des Holzes oben wurde durch ein strahlendes Weiß abgelöst, durch das so mancher Badegast den Eindruck hatte, die Schwimmhalle sei viel größer geworden.

Aber zugleich macht das rundum erneuerte Becken auch die Veränderung der Beurener Therme selbst augenfällig. In den Gründerjahren handelte es sich um ein Rentnerbad, wie Hartmann selbst schmunzelnd zugesteht. Dann peilte man die Zielrichtung "über 40" an: "Aber im Lauf der Zeit hat sich gezeigt, dass wir auch für junge Leute attraktiv sind. Auch die wollen sich entspannen." Selbst Abiturienten gönnten sich im Trubel der Vorprüfungszeit ein paar Stunden im Thermalwasser.

Auch die jüngste Veränderung kann als Beleg für die große Stärke des Beurener Bades gelten: Auch wenn man alles tut, damit die Gäste sich bequem zurücklehnen können, so tut das Team der Therme das niemals, sondern bemüht sich vielmehr, frühzeitig neue Wünsche zu erspüren und sie früher als viele andere auch zu erfüllen.

Als Feinsensorium dienen dabei Gästebefragungen, die man Jahr um Jahr gemeinsam mit Bad Wurzach, Gaggenau und Freiburg startet. Die Bäder sind alle vergleichbar groß, aber auch weit genug voneinander weg, um sich keine unmittelbare Konkurrenz zu machen. Da kann man sich schon mal gegenseitig in die Trickkiste gucken lassen und sich gegenseitig coachen, ohne dass man sich selbst schadet.

Nicht nur, aber auch durch diesen Gedankenaustausch reifte bei den Beurenern die Erkenntnis, dass das riesige Becken im Grunde verschenkte Fläche ist, wenn man es nicht quasi erlebbar macht. Der pfiffige Ansatz dabei: Wir wollen und können dort zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Angebote machen.

Eine wesentliche Rolle spielt da die Wassergymnastik, da ja nun auch durch einen Freiburger Professor, der sinnigerweise auch Hartmann heißt, auch wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Gehen im Wasser die beste Bewegung ist, die man sich zur Gesundheitsförderung vorstellen kann, wie der Schultes unterstreicht.

Bricht dann die Nacht herein, dann erreicht die Therme nunmehr sogar eine fast mystische Dimension: LED-Strahler tauchen das Wasser in wechselndes farbiges Licht, das sich dann auch an der Decke widerspiegelt, es erklingen sphärische Klänge, auf denen die Seele so zu schweben vermag wie der Körper im warmen Wasser, man kann sich ein Schaumstoffteil schnappen, dass so aussieht wie eine riesige Spaghetti-Nudel, sich vom Strahl der Stromanlage erfassen lassen und sich dann einfach im Kreis herum treiben lassen. Auch dieses neue Angebot der Therme ist durchaus symbolträchtig: In Beuren gehen die Lichter noch lange nicht aus. Sondern vielleicht erst so richtig an.