Lokales

Sich mit Schlägen durchgesetzt

Wegen schwerem sexuellen Missbrauch eines Kindes und sexuellem Missbrauch einer Schutzbefohlenen sowie wegen sexueller Nötigung in insgesamt 150 Fällen muss sich seit dem gestrigen Montag ein 37-jähriger Mann aus Großbettlingen vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten.

BERND S. WINCKLER

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STUTTGART Der Mann soll die Tochter seiner Lebensgefährtin ab deren 11. Lebensjahr fast vier Jahre lang sexuell missbraucht haben.

Als der 37-Jährige türkischer Abstammung am 15. September letzten Jahres in seiner Wohnung festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht wurde, ahnten die Ermittlungsbehörden noch nicht das Ausmaß der vorgeworfenen Sexualstraftaten gegenüber der heute 16-jährigen Schülerin. Erst am Ende der Ermittlungen stellte sich heraus, dass er das Kind mindestens 150 Mal missbraucht haben muss. Laut Anklage erstmals im Sommer des Jahres 2001.

Die damals gerade elf Jahre alte Tochter seiner Lebensgefährtin, mit der er in Großbettlingen zusammen wohnte und für die er nach dem Gesetz auch einen Erziehungsauftrag hatte, soll dann mehrmals wöchentlich von ihm missbraucht worden sein. Und zwar immer dann, wenn die Mutter des Kindes bei der Arbeit oder beim Einkaufen war.

Anlässlich eines Türkei-Urlaubs im Sommer des folgenden Jahres habe er sich dann rund 80 Mal an dem Kind direkt vergangen. Und in der Zeit von August 2001 bis zum November 2004 geht die Anklage von weiteren 101 Fällen von sexuellem Missbrauch aus, wobei der Angeklagte in einigen Fällen auch nach dem Gesetz sehr schwere Straftaten an dem Kind versucht haben soll. Die damals 13-Jährige habe sich aber noch gegen solche Praktiken erfolgreich wehren können, weshalb die Staatsanwaltschaft hier nur vom Versuch ausgeht.

Bis zur Festnahme schließlich habe sich der 37-Jährige dann nochmals mehrfach an der Tochter seiner Freundin sexuell vergangen. Einige Fälle wertet die Staatsanwältin auch als sexuelle Nötigung und als sexuellen Missbrauch an einer Schutzbefohlenen, der er auch in mindestens einem Fall auch Schläge verabreicht habe, um ihre Gegenwehr gegen die Übergriffe zu brechen. In einem weiteren Fall soll er der 13-Jährigen gedroht haben, sie umzubringen.

Vor der 3. Großen Jugendschutzkammer des Stuttgarter Landgerichts wollen die Richter zunächst drei Zeugen und einen Sachverständigen dazu hören, ob die bisherigen Aussagen des Opfers glaubwürdig sind. Die Verhandlung wird am morgigen Mittwoch fortgesetzt.