Lokales

Sich wohl fühlen im Mineralthermalsäuerling

Ein paar Drehungen an der Absperrvorrichtung, und schon schießt eine hohe Fontäne aus dem Rohr. Kein normales Wasser allerdings, sondern feinstes Thermal- und Mineralwasser, mit 28 Grad Celsius wohl temperiert. Vom nächsten Mai an werden sich die Gäste des Merkel'schen Bades in diesem wertvollen Nass tummeln.

CHRISTIAN DÖRMANN

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ESSLINGEN Die Umbau- und Modernisierungsarbeiten in dem 1907 erbauten Jugendstil-Bad und in den Nebengebäuden sind in vollem Gange. Schon am 12. September soll die neue Sauna- und Wellnesslandschaft fertig sein und den Badegästen zur Verfügung stehen. Noch bis Mai nächsten Jahres wird es dauern, bis die Freunde von Warmbad und Jugendstil auf ihre Kosten kommen. Die Zwischendecke aus den 60er-Jahren ist bereits aus der Jugendstil-Schwimmhalle entfernt worden. Und am Ende soll die Halle wieder im alten Glanz erstrahlen ganz so, wie es Bauherr Oscar Merkel gern gewollt hätte.

Eine besondere Attraktion ist allerdings die Tatsache, dass in der restaurierten Jugenstil-Halle Thermal- und Mineralwasser zum Bade einladen wird. Am 13. August waren die Mitarbeiter einer Ulmer Spezialfirma in einer Bohrtiefe von 165 Metern auf das ersehnte Nass gestoßen. Deutlich früher als prognostiziert, denn Experten hatten erst nach 280 bis 320 Metern Tiefe mit einem Erfolg gerechnet.Eine Sole, die schon seit den Zeiten der Römer die Thermen in Bad Cannstatt speist, verläuft unterhalb des Geländes des Merkel'schen Bades. Nach den Worten von Wolfgang Lotz, dem technischen Geschäftsführer der Stadtwerke Esslingen (SWE), kam aus dem Geologischen Landesamt erstmals 1999 der Hinweis, wonach das in Stuttgart genutzte Mineralwasser von Esslingen aus zuläuft. Der Beweis ist nunmehr angetreten. Doch während in Bad Cannstatt natürliche Austrittspunkte das Wasser ans Tageslicht beförderten, musste in Esslingen erst gebohrt werden. Die mögliche Sorge von Stuttgarter Badegästen, ihnen werde das kostbare Nass von Esslingen her entzogen, ist laut Oberbürgermeister Jürgen Zieger unbegründet. "Das wurde alles sorgfältig geprüft", sagte er während eines Ortstermins.

"Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Mineralthermalsäuerling" lautet der Fachbegriff für das, was künftig am Merkel'schen Bad mit einer Schüttung von bis zu 200 Litern pro Sekunde aus dem Boden sprudeln wird. Was den Grad der Mineralisierung und die Wärme des Wassers anbelangt, so geht Lotz davon aus, dass die Werte über denen des Cannstatter Mineral- und Thermalwassers liegen werden. Die SWE als Bauherren des Sanierungsprojektes Merkel'sches Bad und OB Jürgen Zieger, zugleich stellvertretender Vorsitzender des SWE-Aufsichtsrats, freuen sich aber noch über einen weiteren Effekt: Pro Jahr werden durch das Gratis-Mineralwasser 50 000 Euro Wasser- und 20 000 Euro Energiekosten gespart. Damit refinanzieren sich die Bohrkosten in Höhe von 400 000 Euro in etwa fünfeinhalb Jahren.

Mitte 2006 sollen alle Arbeiten in dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex fertig sein. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 6,2 Millionen Euro inklusive der Tiefbohrung und Wolfgang Lotz ist zuversichtlich, dass der vorgegebene Rahmen eingehalten wird. "Ein dahinschlummerndes und staubiges Juwel wird poliert", sagte der OB. Esslingen und die Region dürften sich über dieses besondere Juwel in der Bäderlandschaft freuen.