Lokales

Sie war eine Dettinger Institution

DETTINGEN Sie galt als Institution und Dettinger Original schlechthin und das, obwohl sie gar keine "Hiesige" war, wie man das im Ort so nennt. Die Rede ist von Elisabeth Kächele, Wirtin des "Rössle", respektable und geschäftstüchtige Gastronomin. "D' Lisl", wie sie allgemein genannt wurde, ist am Montag im Alter von 75 Jahren gestorben.

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Das Licht der Welt hatte das "schwäbische Urgestein" im Januar 1929 in Unterlenningen erblickt, als älteste Tochter der Wirtsleute vom Gasthof "Rad". Somit war ihr quasi der spätere berufliche Werdegang bereits in die Wiege gelegt. Und schon als Kind hieß es denn auch, im elterlichen Betrieb mit anzupacken. Nach der Ausbildung zur Metzgereiverkäuferin heiratete sie 1955 den Schopflocher Metzgermeister Willi Kächele, was gleichzeitig den Beginn der beruflichen Selbstständigkeit bedeuten sollte.

In Dettingen wurde der "Weiße Ochsen" gepachtet Gastronomie mit angegliederter Metzgerei. 1959 ging dann die Traditionswirtschaft "Rössle" in den Besitz der Kächeles über. Im Lauf der Jahre wurden ein Gästehaus sowie ein Hotel angebaut. Bis 1978 gehörte zum Lokal auch eine Metzgerei. Doch Willi Kächeles überraschender Tod im Jahr 1977 bedeutete schließlich das Aus für den Fleisch- und Wurstverkauf.

"D' Lisl isch mit ihrem Gschäft verheiratet", hieß es in Dettingen allenthalben. Dass dieser Ausspruch stimmte, war jederzeit zu merken: Bis zuletzt hatte sie in der Küche das Sagen und schwang den Kochlöffel. Auf den Tisch kamen gutbürgerliche, schwäbische Gerichte und zwar so, wie es Schwaben erwarten: gut und eben auch reichlich. "I lauf et jedem Trend henterher", pflegte die "Rössles"-Wirtin zu sagen. Ihr Erfolgsrezept hieß Bodenständigkeit.

Obwohl Elisabeth Kächele gesundheitlich angeschlagen war und ihr die Hüftgelenke Schwierigkeiten bereitet hatten, stand sie nach wie vor ihre Frau und zeigte manchmal unüberhörbar, wer die Chefin im Hause war. Auch wenn es abends spät wurde, bis sie den Schankraum verließ, am nächsten Morgen stand sie als eine der ersten wieder auf dem Parkett. Schließlich sollten die Gäste pünktlich ihr Frühstück bekommen. Ihre Umtriebigkeit werden die vielen zufriedenen Stammgäste ebenso vermissen wie ihre deftige Hausmannskost.

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