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Sieben "fette" Jahre und ein nahtloser Übergang

Gestern verabschiedete Landrat Heinz Eininger die Leiterin des Amtes für Schule und Bildung, Helga Willers, 61, in den Ruhestand und überreichte ihrem Nachfolger Dr. Günter Klein, 45, im Rahmen einer Feier in der Nürtinger Mörikehalle die Einstellungsurkunde.

RICHARD UMSTADT

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NÜRTINGEN Helga Willers ist eine ehrliche, kompetente und herzliche Frau, der als Mutter dreier Kinder und ehemaliger Leiterin des Amtes für Schule und Bildung menschliche Eitelkeiten nicht fremd sind. Langatmige Verabschiedungen liebt sie ebenso wenig wie Lobhudelei. "Zu viel Weihrauch schwärzt den Heiligen", meinte sie augenzwinkernd am Ende ihrer gestrigen Verabschiedung. Dennoch gestand sie ihrem Vorgesetzten im Landratsamt, Landrat Heinz Eininger, dem Vertreter des Regierungspräsidiums Bernd Eisele, und den Grußwortrednern Christel Binder für die Schulleitungen, Harald Valachovic für den Personalrat und Heiner Digel für die Kirchen, gerührt zu sein über so viele gute Worte. Aus allen Beiträgen war die große Wertschätzung der Person Helga Willers und ihrer außergewöhnlichen Leistung für die Schulen herauszuhören.

Bereits der Blick in ihre Vita lässt die ungewöhnliche Karriere von der 22-jährigen Volksschullehrerin in Entringen bei Tübingen bis zur Leiterin des Staatlichen Schulamts Nürtingen ab 1. Dezember 1998 erkennen. Als erster Frau überhaupt in einer solchen Funktion wurde ihr damit eines der größten Schulämter des Landes anvertraut. Über sieben Jahre trug sie die Verantwortung für rund 150 Grund-, Haupt, Real- und Sonderschulen im Kreis Esslingen und damit für mehr als 3 500 Lehrkräfte. Skeptiker belehrte sie bereits kurze Zeit nach ihrem Dienstantritt eines Besseren. "Heute wird niemand ernsthaft meinem Votum widersprechen: Es waren sieben wirklich gute Jahre," sagte der Landrat.

Das Credo des Altmeisters der Pädagogik, Hartmut von Hentig "Die Sachen klären, die Menschen stärken" habe Helga Willers in vorbildlicher Weise umgesetzt. Personalmaßnahmen und Stellenbesetzungen habe sie mit großer Sorgfalt entschieden und vorbereitet und potenzielles Führungspersonal kontinuierlich gefördert. "Die Programme, die dafür in ihrem Amt entwickelt wurden, gelten landesweit als beispielhaft," wusste Heinz Eininger. Dabei habe sie ihr Amt mit ihrer natürlichen Autorität und unstrittigen Kompetenz ausgeübt und sich in den Dienst der Sache gestellt. "Für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Schulamt, für Schulleitungen, Lehrkräfte und nicht zuletzt für Rat suchende Eltern waren Sie stets ansprechbar, hatten für alle ein offenes Ohr, nahmen sich viel Zeit für dialogorientierte Gespräche."

Dankbar erinnerte der Landrat an die außerordentlich konstruktive Art und Weise, mit der Helga Willers an der Eingliederung ihres Amtes ins Landratsamt Esslingen im Zuge der Verwaltungsreform mitarbeitete. Landrat Heinz Eininger wünschte Helga Willers für den neuen Lebensabschnitt "von Herzen alles Gute, Gesundheit und viele beglückende Erlebnisse und Erfahrungen im Kreise Ihrer Familie."

Dass Führungsstellen im Schulbereich so ganz ohne Vakanz besetzt werden, war in den letzten Jahren eher die Ausnahme denn die Regel. Deshalb freute sich der Landrat besonders mit Dr. Günter Klein, nahtlos an die Verabschiedung Helga Willers einen Nachfolger begrüßen zu dürfen. "Mit Dr. Klein haben wir einen der profiliertesten Experten im Land auf dem Gebiet der schulischen Qualitätssicherung gewonnen," betonte Eininger bei der Amtseinsetzung gestern.

Der gebürtige Stuttgarter ist von Haus aus Grund- und Hauptschullehrer. Der diplomierte Schulpädagoge schloss 1996 seine Promotion an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaft ab und setzte sich in seiner Dissertation mit den Grundlagen und Perspektiven einer kollegiumsorientierten Beratung als Beitrag der Schulentwicklung auseinander. Anschließend erweiterte er als Krankheitsstellvertreter an fünf Grund- und Hauptschulen im Landkreis seinen Erfahrungshorizont, bevor er 1997 zum Konrektor an der Mörikeschule Köngen bestellt wurde. In den vergangenen sechs Jahren arbeitete Dr. Klein im Kultusministerium im Referat "Schulentwicklung und Qualitätssicherung" und beschäftigte sich gründlich mit den Konsequenzen aus den internationalen Schulleistungsvergleichen der letzten Jahre. "Damit bringen Sie wirklich die besten Voraussetzungen für die Leitung unseres Schulamts mit." Dem neuen Mann an der Spitze des Schulamts wünschte der Landrat viel Glück und Erfolg und gab sich zuversichtlich, dass nach den "sieben guten, fetten Jahren jetzt nicht sieben biblisch magere Jahre" ins Haus stehen.

Dr. Günter Klein bedankte sich für den herzlichen Empfang. Er war sich klar darüber, dass Bildung und Erziehung heute im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. "Schule ist zu einem der zentralen Standortfaktoren geworden." Dr. Klein versicherte den Schulleitungen, dass das Amt für Schule und Bildung sich weiterhin als Partner der Schulen verstehe. Gemeinsames Ziel müsse es sein, die schulische Qualitätsentwicklung zum Wohle der Schüler zu stärken. Dies werde umso besser gelingen, je enger die Netzwerke zwischen den Schulen sowie zwischen Schulen und außerschulischen Partnern in der Region geknüpft werden, meinte der neue Schulamtsleiter.

"Wer führen will, darf denen, die er führen will, nicht im Wege stehen," erläuterte Helga Willers ihren Führungsgrundsatz ganz im Sinne des Zitats von Laotse. Es sei ihr stets um Führen im Sinne von Verantwortung tragen und nicht im Sinne von Macht ausüben gegangen. "Es ging mir um Persönlichkeitsförderung," Transparenz und Aufrichtigkeit sei ihr am Herzen gelegen. "Ich wollte der Verwaltung ein menschliches Gesicht geben". Ihr Ziel sei eine optimale Förderung der Schüler durch einen ganzheitlichen Unterricht gewesen.

Die Feierstunde in der Nürtinger Mörikehalle wurde vom großen Chor der Lehrkräfte musikalisch umrahmt. Besonders viel Applaus erhielten die 47 quirligen Buben und Mädchen der Grundschule Aich für ihre bunte und lebendige Szenenfolge "Willkommen im Ruhestand".

Eigens für die Verabschiedung hatten Schülerinnen aus fünf Realschulen für die zahlreichen Gäste einen Imbiss vorbereitet.