Lokales

Sieben folgenschwere Minuten

Kirchheim. „Das ist der S-Bahn-Boogie, yeah, yeah, yeah“, trällerte Ötlingens Nachwuchs nicht nur bei

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Irene Strifler

der Begrüßung der S-Bahn vor hundert Tagen, erst kürzlich wiederholten die Erzieherinnen den Song. Die S-Bahn-Begeisterung im einzigen an der Strecke gelegenen Kirchheimer Teilort ist so groß, dass das Eröffnungsspektakel vor wenigen Tagen in einem Dia- und Filmabend noch mal hautnah zu erleben war. Exakt sieben Minuten hielt die allererste S-Bahn am 12. Dezember bei klirrender Kälte in Ötlingen, sieben Minuten, die Ötlingen und Lindorf in Euphorie versetzten. Das Fähnchenmeer, das sich im blank geputzten Zug widerspiegelte, hat sich in den Köpfen festgesetzt. Die Begeisterung hat den Nachbarteilort ebenfalls längst erfasst. „Uns ist, als ob die S-Bahn schon immer gefahren wäre“, brachte es Ortsvorsteher Stefan Würtele anlässlich des Rückblicks unter dem Titel „S-Bahn – Bilder, Menschen, Emotionen“ auf den Punkt. Per Drahtesel oder Auto führen die Lindorfer nach Ötlingen, um dort in das modernste aller derzeit hier verfügbaren Verkehrsmittel einzusteigen. Bei all der rundum spürbaren Begeisterung kann Hermann Kik, Ötlingens Oberhaupt, sogar darüber hinwegsehen, dass nicht wie gewünscht Ötlingen allein auf dem Schild am Bahnhof steht: „Kirchheim steht klein daneben – ist nicht so schlimm“, witzelt der Ortsvorsteher.

Längst kursiert nicht nur eine S-Bahn-DVD in Ötlingen, zudem wurde auch eigens eine Ausstecherform in Lokomotivenform entwickelt und nach einer Testbackrunde im kompetenten Kreis so weiterentwickelt, dass selbst der Kamin nun nicht mehr bruchgefährdet ist. Vom Ergebnis konnten sich die Gäste beim Einweihungs-Rückblick persönlich überzeugen: Heidemarie Kik und ihre wackeren Helferinnen hatten nochmals eine ganze Batterie liebevoll verzierter Loks gebacken, sodass die Erzieherinnen mit Fug und Recht frisch gestärkt schmettern konnten: „Von Ötlingen bis Kirchheim und wieder zurück, die S-Bahn ist da, oh so ein Glück!“