Lokales

"Signal für den Erhalt der Teckbahn"

Die Teckbahn zwischen Kirchheim und Oberlenningen fährt schon längst nicht mehr mit Dampf. Dennoch will die Bahn jetzt im übertragenen Sinn "mehr Dampf machen": Ab 2007 soll der Zug schneller rollen. Dazu ist unter anderem die Schließung mehrerer Bahnübergänge nötig.

ANDREAS VOLZ

Anzeige

DETTINGEN / OWEN

Auf Dettinger Gemarkung fällt das Andreaskreuz an allen drei unbeschrankten Bahnübergängen, die sich zwischen der Schlossberggemeinde und der Nachbarstadt Owen befinden. So hat es der Gemeinderat in jüngster Sitzung einstimmig beschlossen. Die Feldwege, die über die Bahnlinie führen, sollen als Kreuzung "entwidmet" werden. Weder Fußgänger noch Radfahrer dürfen die Schienen dann noch offiziell überqueren.

"Die Feldwege bleiben bestehen, aber nicht die Übergänge", schilderte Bürgermeister Rainer Haußmann die Vorgehensweise, wenn der Beschluss in die Tat umgesetzt wird. Um den Feldwegen künftig einen "Stich"-Charakter zu verleihen, sind Wendemöglichkeiten zu schaffen. Für die Landwirtschaft bedeutet das, dass jedes Grundstück nach wie vor zu bewirtschaften ist. Wer allerdings auf beiden Seiten der Bahnlinie Felder zu bestellen hat, wird seine Logistik umstellen und größere Umwege in Kauf nehmen müssen.

Der Zeitplan der Deutschen Bahn sieht vor, im Jahr 2007 die Strecke grundlegend zu sanieren. Allein durch die baulichen Verbesserungen könnte der Zug anschließend mehr Fahrt aufnehmen und schneller an sein jeweiliges Ziel gelangen. Die Schließung der Übergänge an Feldwegen tut ein Übriges die Geschwindigkeit muss dort nicht mehr verringert werden. Für die Bevölkerung in unmittelbarer Nähe ergibt sich daraus noch ein weiterer Vorteil: Ohne offiziellen Übergang bestünde keine Notwendigkeit mehr, ein akustisches Warnsignal abzugeben. Das lautstarke Hupen dürfte also in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören.

Wenn das bürokratische Verfahren zur Entwidmung der Bahnübergänge in Gang kommt, daure es noch ungefähr ein Jahr, bis die Kreuzungspunkte tatsächlich geschlossen werden, führte Rainer Haußmann weiter aus. Somit bleibt nach dem jüngsten Gemeinderatsbeschluss noch genügend Zeit, die Betroffenen zu informieren, anzuhören und zu beteiligen.

Dass noch genug Zeit zur Verfügung steht, wird wohl auch bei der Bahn so gesehen, die die Gemeinden entlang der Strecke erst zu einem späteren Zeitpunkt informiert hätte wenn die Detailplanung bereits abgeschlossen gewesen wäre. "Wir haben bei einem Termin in Stuttgart auf Nachfrage davon erfahren", sagte der Dettinger Bürgermeister nun in öffentlicher Sitzung. Die reine Tatsache, dass die Strecke grundlegend saniert werden soll, wertet Rainer Haußmann als "positives Signal für den Erhalt der Teckbahn: Die Vertreter der DB bekennen sich zur Teckbahn."

Wegen der Dettinger Nachfrage haben sich auch die Owener schon frühzeitig mit möglicherweise geplanten Änderungen befasst: Auf Mitteilung seines Dettinger Kollegen hin hatte Owens Bürgermeister Siegfried Roser den Punkt "Schließung von Bahnübergängen" auf die Tagesordnung einer öffentlichen Gemeinderatssitzung gesetzt. Weil die Bahn aber noch keine Verbindung mit dem Owener Rathauschef aufgenommen hatte, konnte der Gemeinderat Mitte Februar auch keinen Beschluss zur Schließung der Bahnübergänge fassen. In der Sitzung ging es somit lediglich um die Weitergabe der Information aus Dettingen. Siegfried Rosers Hausaufgabe an seine Ratsmitglieder lautete: "Wir müssen uns Gedanken machen, was wir wollen."

Die Belange der Landwirtschaft waren auch in Owen Gegenstand der Diskussion. Bürgermeister Roser nahm dabei die zu erwartende Argumentation der Bahn vorweg: "Es besteht die Möglichkeit, durch kleinere Umwege die Grundstücke zu erreichen." Owen profitiert von der geplanten "Frischzellenkur" für die Teckbahn unter anderem dadurch, dass 2006 die Sanierung der Eisenbahnbrücke Schießhüttestraße ansteht. Was die ungesicherten Übergänge betrifft, so hatte die Verwaltung drei davon auf Owener Gemarkung ausgemacht: an einem Feldweg an der Alten Dettinger Straße, in der Brühlstraße sowie bei Leuze electronic an der Verbindung zur Schleifmühlestraße.

Inzwischen hat die Deutsche Bahn dem Owener Bürgermeister signalisiert, ihn rechtzeitig zu informieren, sobald die Planung spruchreif wird. Der Übergang Brühlstraße in direkter Nähe zum Bahnhof soll auf jeden Fall bestehen bleiben, auch wenn die entsprechende Sicherung Kosten von mehreren hunderttausend Euro mit sich bringen dürfte. Die Bahn und die Stadt Owen finanzieren den Ausbau dieses Bahnübergangs gemeinsam. Allerdings ist der jeweilige Kostenanteil ebenfalls noch eine Frage der Detailplanung.