Lokales

Sinkende Kosten trotz steigender Preise

Energiebericht der Stadt lässt auf weitere Einsparungen hoffen und bestätigt Schlüsselrolle der Hausmeister

Die Schaffung der Stelle eines Energiemanagers hat sich für Kirchheim gelohnt: Trotz steigender Energiepreise konnten die Verbrauchskosten 2007 gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent gesenkt werden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Hausmeistern städtischer Gebäude zu. Sie können das Verhalten der Nutzer beeinflussen und die Anlagen optimal bedienen. Viel Zeit verbringt der Energieberater daher im Gespräch mit den Hausmeistern.

irene strifler

Kirchheim. Eingestellt wurde der Energiemanager im Zuge der Gründung des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft. Derzeit obliegt die Energieberatung Simon Schlienz, studierter Versorgungs- und Umwelttechniker. Er skizzierte im Ausschuss für Technik und Umwelt des Kirchheimer Gemeinderates kurz sein Aufgabengebiet. Ein wichtiger Bereich umfasst die detaillierte Bestandsaufnahme der städtischen Liegenschaften, die die Basis für effizientes Energiemanagement in Zukunft erbringen soll. So war Simon Schlienz mit dem Zusammentragen und Aufarbeiten zahlreicher Daten beschäftigt. Viel Zeit investierte er außerdem in die Vor-Ort-Optimierung vieler Heizungsanlagen in Kooperation mit den Hausmeistern. Informationsweitergabe und Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch die lokale Agenda machte ebenfalls einen wichtigen Bestandteil aus.

Jetzt legte der Energiebeauftragte einen Bericht vor, der die aktuelle Kosten- und Verbrauchsentwicklung dem Basisjahr 1990 gegenüberstellt. Bürgermeister Günter Riemer wies auf die positive Tendenz hin: Die Verbrauchskosten konnten trotz steigender Energiepreise gesenkt werden. Erreicht wurde dies überwiegend durch nichtinvestive Maßnahmen.

Fachmann Schlienz gab einen Überblick über den gesamtstädtischen Energieverbrauch und hob einige markante Entwicklungen hervor. So ging der Heizölverbrauch gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent zurück, gegenüber 1990 sogar um fast 80 Prozent. Dafür stieg der Gasverbrauch, weil vielerorts im Laufe der 90er-Jahre von Öl auf Gas umgestellt wurde.

Den größten Anteil am städtischen Heizwärmeverbrauch haben die Schulen, wobei dieser 2007 im Vergleich zum Vorjahr um fast elf Prozent gesenkt werden konnte. Schulen und Sportstätten haben auch einen Anteil von etwa 60 Prozent am Gesamtstromverbrauch. Auch der Stromverbrauch konnte insgesamt um 2,2 Prozent gegenüber 2006 gesenkt werden. Dies führte der Ingenieur unter anderem auf Einsparungen im Freibad zurück. Das neue Edelstahlbecken hat einen höheren Absorptionsgrad und erwärmt sich schneller als konventionelle Becken mit Fliesen.

Auch auf die CO2-Emissionen wurde ein Blick geworfen. Insgesamt betrug die Summe der CO2-Emissionen durch Strom (ohne Straßenbeleuchtung) und Wärme 7 209 Tonnen im Jahr 2007, wobei der Energieträger Gas mit 41 Prozent den höchsten Anteil der CO2-äquivalenten Emissionen darstellt. Der CO2-Ausstoß lag im Jahr 1990 noch bei 8 327 Tonnen, seither konnten also über 13 Prozent eingespart werden. Weiter vermerkt der Energiebericht, dass speziell die Energieträger mit den höchsten CO2-Emissionswerten, nämlich Heizstrom und Heizöl, gegenüber 1990 deutlich verringert wurden.

Im Hinblick auf die Untersuchung der Verbrauchswerte von Schulen mit Turnhallen wurde offenbar, dass generell ältere Gebäude höhere Heizenergieverbrauchskennwerte aufwiesen. Besonders beim Thema Stromverbrauch stellte Schlienz klar: „Die Verbrauchswerte sind zu hoch.“ Am Ludwig-Uhland-Gymnasium fällt die elektrische Beheizung des Containerbaus ins Gewicht. Aber auch Dauerbeleuchtung ist vielfach ein Thema.

Effektives Energiesparen ist unter anderem durch den Einsatz von Energiesparcomputern möglich, wie sich am Kindergarten Aichelberg oder am Bürgerhaus Lindorf gezeigt hat. Die Geräte verringern laut Aussagen des Fachmanns die Zahl der Brennerstarts, was zu Energieeinsparungen von etwa zehn Prozent führt.

Für das Jahr 2009 sind diverse Investitionen in Höhe von 250 000 Euro vorgesehen. Sie betreffen den Lichtensteinkindergarten, den Aichelbergkindergarten, die KW-Schule und das Technische Zentrum. Die gleiche Summe stand auch für Investitionen im laufenden Jahr zur Verfügung. Sie flossen vor allem in die Beleuchtungsanlage in der Walter-Jacob-Halle, in Türelemente an der KW-Schule und ins Dach der Grundschule Jesingen. Auch hier wird jeweils mit deutlichen Reduzierungen des Energieverbrauchs gerechnet. Überzeugende Ergebnisse in Sachen Einsparung erhofft man sich vor allem durch die neue Beleuchtung in der Walter-Jacob-Halle. Die Investitionskosten von 50 000 Euro sollen sich in etwa sechs Jahren amortisieren. Nach entsprechender Rückmeldung sollen auch in anderen Sporthallen die Beleuchtungssysteme nach und nach erneuert werden.

Im Ratsrund wurde der Energiebericht mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen und Wert auf die Verfolgung der unterschiedlichen Ansätze gelegt. „Die kostengünstigste Energiesparmaßnahme ist die ständige Beeinflussung des Nutzerverhaltens“, nannte SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Aeugle einen wesentlichen Aspekt. Karl-Heinz Schöllkopf von den Grünen Alternativen betonte, dass kleine Maßnahmen wie der Energiesparcomputer große Wirkung haben könnten. Reinhold Ambacher von den Freien Wählern ergänzte, dass die Weiterbildung der Hausmeister auch künftig ein wichtiger Punkt sei. Bürgermeister Riemer vermittelte einen Einblick in die tägliche Praxis dieser Schlüsselpersonen. Die Hausmeister hätten vielerorts einen schweren Stand, müssten sie sich doch stets mit der Nachlässigkeit der Nutzer herumschlagen.

Auf über 22,4 Millionen Kilowattstunden belief sich der gesamtstädtische Energieverbrauch, also der Verbrauch für die städtischen Liegenschaften, im Jahr 2007. Das sind 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr und 13,4 Prozent weniger als 1990. Die Kosten dafür betrugen über zwei Millionen Euro und damit 1,5 Prozent weniger als 2006, aber 64 Prozent mehr als 1990. Der gesamte CO2-Ausstoß inklusive Straßenbeleuchtung betrug im Jahr 2007 8 858 Tonnen.

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