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Sitzenbleiben gibt es nicht

Dem schwedischen Modell liegt der Grundsatz des lebenslangen Lernens zugrunde. Da alle Kinder schon früh gleich hochwertige Bildung erfahren sollen, haben bereits 41 Prozent der unter Einjährigen Zugang zu einer staatlichen Bildungseinrichtung. Bei den Zwei- bis Dreijährigen sind es 82 Prozent. Eine Vorschulpflicht besteht zwar nicht, doch hat jedes Kind vom sechsten Lebensjahr an rechtlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Der hohe Grad der Versorgung ist ein Spiegel der schwedischen Familienpolitik, die beiden Elternteilen eine Erwerbstätigkeit ermöglichen soll.

Obwohl die Einrichtungen große Gestaltungsfreiheiten haben, folgen sie einem zentral vorgegebenen Curriculum, dessen wichtigstes Element "spielerisches Lernen" ist. Die tatsächliche Schulpflicht beginnt ab dem siebten Lebensjahr und besteht bis zum Abschluss der Grundschule oder der Vollendung des 16. Lebensjahrs. Seit der Schulreform in Schweden während der 70er-Jahren werden alle Schüler an Gesamtschulen unterrichtet. Jugendliche, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, jedoch nicht in die Gymnasialschule übergehen und keinen Arbeitsplatz gefunden haben, müssen an einer Bildungsmaßnahme zur Berufsorientierung teilnehmen. Die großen Abschnitte der Bildungsstruktur gliedern sich somit in Vorschul- erziehung (Klasse fünf und sechs), neunjährige Grundschule, Gymnasialschule und Einrichtungen der Erwachsenenbildung.

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In keinem anderen europäischen Land gelingt es so gut, Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen zu hohen Schulabschlüssen zu verhelfen. Es gibt kein "Sitzenbleiben" und Noten werden häufig erst in der Oberstufe erteilt. Nach einem Beschluss des "Riksdags" von 1978 wurde in den meisten Kommunen der "integrierte Schultag" eingeführt: Durch Einbeziehen des Nachmittags in den Stundenplan wird ein Wechsel von Unterrichtsarbeit und Freizeitaktivitäten ermöglicht, wodurch eine erhöhte Motivation der Schüler und eine bessere Lernatmosphäre in der Schule geschaffen werden sollen. An die neunjährige Grundschule schließt sich die dreijährige Gymnasialschule an. Etwa 90 Prozent der "Grundskola"-Schüler wechseln auf diese Schule.

gsg