Lokales

„So schwierig war‘s auch nicht“

21 Teilnehmer beim ersten Einbürgerungstest an der Kirchheimer Volkshochschule

Die Kirchheimer Volkshochschule hat zum ersten Mal Einbürgerungstests angeboten. 21 „Prüflinge“ haben sich jeweils mit einem persönlichen Fragebogen befasst. Langes Brüten über den Unterlagen war eher selten. Die meisten kamen nach kurzer Zeit aus dem Prüfungsraum und wollten nur noch eines wissen: „Wann kriegen wir das Ergebnis?“

Andreas Volz

Kirchheim. Als das „letzte Mosaiksteinchen, das die Leute zu ihrer Einbürgerung brauchen“ bezeichnet Eva Vogelmann den Einbürgerungstest, der lange vor seiner Einführung schon für viel Wirbel gesorgt hatte. Der Test, in dem politische Grundkenntnisse abgefragt werden, ist indessen nicht nur bei neuen Einbürgerungsverfahren verpflichtend. Er sei vielmehr für alle Einbürgerungswilligen vorgeschrieben, deren Verfahren zum Stichtag am 1. September 2008 noch nicht abgeschlossen war, erzählt die Fachbereichsleiterin für Deutsch an der Kirchheimer Volkshochschule.

Zuständig für die Prüfung ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Als Prüfstellen hat das BAMF im gesamten Bundesgebiet örtliche Volkshochschulen benannt. Die Kirchheimer vhs ist eine davon. Als offizielle Prüfstelle im Landkreis Esslingen ist sie verpflichtet, mindestens alle drei Monate einen Prüfungstermin anzubieten. „Niemand soll länger als drei Monate auf den Test warten müssen“, sagt Eva Vogelmann. In der Praxis sieht es momentan aber ganz anders aus: Gewissermaßen jagt ein Termin den anderen. Die nächste Prüfung in Kirchheim am 12. Dezember ist mit 25 Teilnehmern bereits ausgebucht. Für den übernächsten Termin am 6. Februar gibt es noch einige wenige freie Plätze.

Die Teilnehmer des ersten Tests in Kirchheim kamen von überall, nicht nur aus dem Landkreis Esslingen, berichtet Eva Vogelmann: „Da waren auch welche aus Stuttgart dabei und sogar aus Karlsruhe. Die brauchten eben ganz schnell einen Termin.“ Doch obwohl die Prüfung ausgebucht war, gab es nur 21 Teilnehmer. Auch dafür hat Eva Vogelmann eine Erklärung: „Vorsichtshalber melden sich viele gleich bei drei oder vier Volkshochschulen an und nehmen dann den Termin, der der nächste ist.“

Die Kirchheimer Volkshochschule wiederum leitet die Anmeldungen an die BAMF-Außenstelle in Reutlingen weiter, mehrere Wochen vor der Prüfung. Danach geht nichts mehr. Wenn sich dann jemand abmeldet, sind keine Nachmeldungen mehr möglich. Von Reutlingen erhält die Volkshochschule ein Päckchen mit sämtlichen Prüfungsunterlagen. Aus den 300 allgemeinen Fragen sind für jeden „Prüfling“ nach dem Zufallsprinzip 30 Fragen ausgesucht. Dazu kommen noch drei von zehn möglichen Fragen zum jeweiligen Bundesland.

Weil es für jeden einen individuellen und namentlich bezeichneten Prüfungsbogen gibt, musste Eva Vogelmann mit großem Bedauern einen potenziellen Kandidaten wieder wegschicken, der versicherte, angemeldet gewesen zu sein. In diesem Fall gibt es generell keine Möglichkeit zu einer Ausnahme, unter anderem aus praktischen Gründen. Es wäre ja kein Testbogen mehr da gewesen.

60 Minuten haben die Einwanderungswilligen Zeit, um ihren Bogen auszufüllen. Eva Vogelmann vergleicht den Test mit der theoretischen Führerscheinprüfung, da von vier Antwortmöglichkeiten die einzig richtige anzukreuzen ist. Bei vielen geht es auch ähnlich schnell: Schon nach wenigen Minuten sind sie fertig und stellen sprachlich versiert fest: „So schwierig war‘s auch nicht“ oder „Ich bin sehr zufrieden“, bevor dann die entscheidende Frage kommt: „Wie isch des jetzt?“ beziehungsweise „Wann kriegen wir Bescheid?“ Eva Vogelmann weiß es auch noch nicht so genau. Für sie ist der erste Einbürgerungstest an der Kirchheimer Volkshochschule nämlich demnächst erledigt: Sie schickt die Prüfungsunterlagen nach Reutlingen. Dort werden die Tests ausgewertet. Die BAMF-Außenstelle informiert die Teilnehmer dann schriftlich über ihre Ergebnisse. Wie lange das dauert, kann Eva Vogelmann nicht sagen. Den erwartungsvoll Fragenden stellt sie zumindest einmal ein Ergebnis in zwei bis drei Wochen in Aussicht.

Danach müssen die Testteilnehmer auf dem Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft nur noch mit dem positiven Testergebnis und ihren übrigen Einbürgerungsunterlagen auf dem Landratsamt vorsprechen. Der Rest sollte reine Formsache sein.

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