Lokales

So viele Katzen wie noch nie im Tierheim

Bei der Hauptversammlung des Tierschutzvereines Kirchheim freute sich der erste Vorsitzende, Joachim Blessing, neben allen Aktiven auch weitere Mitglieder begrüßen zu können.

KIRCHHEIM Joachim Blessing gab einen kleinen Überblick über seine bisherige Tätigkeit und die Einarbeitung, die einem Sprung ins kalte Wasser glich, weil der vorherige Vorsitzende krankheitsbedingt kaum zur Verfügung stand. Besondere Erwähnung fand die Arbeit der ehrenamtlich Aktiven. Beim Kassenbericht, den Monika Rehm-Röse verlas, wurde ersichtlich, dass ein Großteil der Einnahmen auf Spenden von Mitgliedern, aber auch immer zahlreicher von Nichtmitgliedern, zurückzuführen ist.

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Der größte Ausgabenposten waren die Tierarztkosten, da jede Katze, die in der Auffangstation aufgenommen wird, tierärztlich betreut wird. Impfungen und Kastration gehören hier zum Versorgungsstandard. Ernst Tscheulin als Kassenprüfer hatte keinerlei Beanstandungen und der Entlastung des Kassenwarts wurde einstimmig zugestimmt.

Edelgard Nesyhba gab ein Resümee über die Arbeit im Katzenheim im vergangenen Jahr ab: "Das Jahr 2005 war Spitzenreiter bei der Versorgung der Katzen. 131 Katzen, so viele wie noch nie zuvor, fanden den Weg ins Tierheim und fast alle konnten auch wieder in ein neues Zuhause vermittelt werden. Positiv war auch, dass fünf Samtpfoten an ihre Besitzer zurückgegeben werden konnten."

Weiterhin erarbeitete sich Joachim Blessing Wissenswertes über die Vereinsmitglieder, das Erstaunliches zu Tage brachte: Gerade mal 28 Prozent aller Mitglieder sind Männer. Tierschutz in Kirchheim ist somit größtenteils Frauensache, die vorwiegend zwischen 40 und 50 Jahre alt sind. Nur gering ist der Anteil an jungen Menschen. Beachtlich ist auch, dass das älteste Mitglied bereits 93 Jahre alt ist und die längste Mitgliedschaft seit 1980 besteht.

Besonders erfreut zeigte sich Joachim Blessing, dass die Internetpräsenz des Tierschutzvereines mit der Gestaltung der eigenen Homepage nun gewährleistet ist. Unzählige Stunden investierten Ina Hegewald und Marco Jaeckle bei der Gestaltung der Internetseite. Unter www.tierschutzverein-kirchheim.de können Tierfreunde sich nun immer über den aktuellen Katzenbestand im Tierheim informieren. Weiterhin gibt es Infos zum Verein, zu geplanten Aktivitäten, über Mithilfe im Verein und über Haltungsanforderungen anderer Haustiere.

In lockerer Atmosphäre entstand nach der offiziellen Sitzung eine lebhafte Diskussion. Angeregt vor allem durch die neuen Mitglieder, kamen hier einige Themen zur Sprache, die dem Tierschutzverein bereits bekannt sind, deren Lösung aber zurzeit für den Kirchheimer Tierschutz nicht greifbar ist. Eine Tierschützerin berichtete über den unsensiblen Umgang vieler Menschen mit Tiernachwuchs, bei denen es immer noch an der Tagesordnung sei, ungeliebten Nachwuchs zu "entsorgen". Dabei würden oft viele Nachbarn oder Bekannte einfach wegschauen, anstatt einzuschreiten. "Diesen Menschen scheint einfach nicht bewusst zu sein, dass jedes Lebewesen ein Recht auf Leben hat und es einen einfachen Weg gibt, um Nachwuchs zu vermeiden", haben die Tierschützer wenig Verständnis für dieses Vorgehen. Mit einer Kastration lässt sich hier viel Tierelend vermeiden und auch der Gesetzgeber definiert klar: Laut Tierschutzgesetz ist das Töten von Wirbeltieren verboten und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden. Der Appell an alle Tierfreunde laute deshalb, sich couragiert gegen die Tötung einzusetzen, bei Uneinsichtigkeit auch mit Unterstützung der örtlichen Polizeibehörde.

Ein weiteres, immer aktuelles Thema sind Anzeigen in Bezug auf Tierquälereien oder schlechte Tierhaltung. Diese muss bei der örtlichen Polizeidienststelle erfolgen und die Behörde wird bei Bedarf das Veterinäramt einschalten. Erst hier kommt bei entsprechendem Handlungsbedarf der Tierschutz ins Spiel, um gegebenenfalls diese Tiere aufzunehmen. Problematisch für den Tierschutzverein ist, dass das Veterinäramt gegenüber dem Tierschutzverein nicht aussagepflichtig ist und so manchmal der Eindruck entsteht, die Tierschützer würden sich um negative Tierhaltung nicht kümmern.

Ferner ging es um das vielfach überraschte Reagieren der Bevölkerung auf das Bestehen eines Tierschutzvereins in Kirchheim und dass die Räumlichkeiten des Katzenheimes nicht als solche zu erkennen sind dies auch zum Leidwesen des Tierschutzvereines, der das in die Jahre gekommene Hinweisschild auch schon längst erneuert hätte. Leider untersagte das Ordnungsamt der Stadt Kirchheim mehrfach eine jederlei Kenntlichmachung des Katzenheimes. "In einem nochmaligen Gespräch mit der Stadt hoffen wir, einen Fortschritt zu erzielen, vor allem auch, weil die Kosten für ein neues Schild vom Tierschutzverein getragen werden", so Blessing.

Von der regen Teilnahme an der Hauptversammlung positiv überrascht, hofft der Verein bei dem geplanten Sommerfest für Mitglieder weitere Tierfreunde persönlich kennen zu lernen und durch die Teilnahme am Tag der Vereine im Herbst in Kirchheim, den Bekanntheitsgrad des Tierschutzvereins zu erweitern.

ina