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"So viele Wünsche und so wenig Geld"

Jugendlichen, die beim Übergang von der Schule ins Berufsleben "liegen bleiben", bietet die Kirchheimer Jugendagentur "Starthilfe" für den Einstieg in die Arbeitswelt. Inzwischen ist auch die Diakonische Bezirksstelle bei der zentralen Anlaufstelle mit im Boot und schult junge Menschen im Umgang mit Geld und neuen Medien.

FRANK HOFFMANN

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KIRCHHEIM Der steinige Weg von der Schule in den Beruf mündet für etliche Jugendliche statt in der erhofften Lehrstelle im großen Frust. Die anhaltende Wirtschaftsflaute und die entsprechend geringe Personalnachfrage der Unternehmen machen es für junge Menschen mit schlechten Schulnoten oder gar ohne Abschluss immer schwieriger, einen Job zu finden. Ohne Begleitung sind etliche von ihnen kaum in der Lage, diese ganz entscheidende Lebensphase erfolgreich zu meistern. In Kirchheim unterstützen eine ganze Reihe von Einrichtungen die jungen Frauen und Männer beim Start ins Berufsleben. Damit im Labyrinth der Hilfsangebote nicht die Orientierung verloren geht, arbeiten das Brückenhaus, inbus, Intakt, KiZ und die Paulinenpflege seit vier Jahren mit großem Erfolg in dem Kooperationsprojekt "Jugendagentur Kirchheim" zusammen.

Junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren ohne Arbeits- oder Ausbildungsstelle, mit Problemen in der Schule oder bei der Ausbildung sind bei der Jugendagentur an der richtigen Adresse. Aber auch bei Stress im Elternhaus, mit Behörden oder sozialen und persönlichen Schwierigkeiten haben die Mitarbeiter ein offenes Ohr, geben Tipps und vermitteln Hilfsangebote. Rund 60 Jugendliche werden derzeit pro Jahr betreut. Die Sozialpädagogen in der Anlaufstelle informieren über weiterbildende Schulen, Kurse und Ausbildungen, stellen die verschiedenen Berufsfelder vor, zeigen, worauf's bei einer Bewerbung ankommt, trainieren Vorstellungsgespräche, bereiten die Berufsberatungsgespräche vor oder vermitteln Praktikums-Plätze. Durch die Kooperation der verschiedenen etablierten Jugendhilfeträger kann das Team auf ein vielfältiges Hilfsangebot zurückgreifen von Vorbereitungsseminaren für den Hauptschulabschluss über Qualifizierungskurse bis hin zu ausbildungsbegleitenden Hilfen. Und mit dem Einstieg der Diakonischen Bezirksstelle als kooperatives Mitglied wurde das Spektrum nochmals erweitert. Die Diakonie bringt ihr Projekt "Career Computer Cash" (CCC) in die Partnerschaft ein und übt mit den Jugendlichen vor allem den Umgang mit Geld und Medien.

CCC ist ein gemeinsames Angebot der Diakonischen Bezirksstellen in Kirchheim, Öhringen und Ulm und wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des baden-württembergischen Sozialministeriums und des Diakoniespendenfonds. "Zielgruppe sind Abgänger von Haupt- und Förderschulen und Jugendliche im Berufsvorbereitungsjahr", erzählt Cornelia Glietsch, die gemeinsam mit Ursula Krömer das Projekt in Kirchheim betreut. In der Jugendagentur bringt sich die Diakonie vor allem mit den Bausteinen "Computer und Cash" ein. Einmal pro Woche mittwochs von 15 bis 18 Uhr steht in den neuen Räumen der Anlaufstelle in der Alleenstraße 18 Computer-Training auf dem Programm. Die Kids sind zwar in der Regel ungemein fix am PC, wenn's um Spiele geht, haben aber Schwierigkeiten, mit einem Textverarbeitungsprogramm eine Bewerbung zu erstellen. In dem Kurs, zu dem keine Anmeldung erforderlich ist, werden Grundkenntnisse der Computerbedienung vermittelt. Außerdem stehen Text- und Bildbearbeitung sowie Internetnutzung auf dem Programm.

Ums liebe Geld geht es ab dieser Woche alle zwei Wochen donnerstags von 15 bis 18 Uhr. Unter dem Motto "So viele Wünsche und so wenig Geld" lernen die Jugendlichen, ihre Finanzen in den Griff zu bekommen. Die vielfältigen Verlockungen der bunten Warenwelt und die unkontrollierte Handy-Nutzung lassen immer häufiger bereits Schüler in die Schuldenfalle tappen. Wird aber schon der Start ins Berufsleben von einem Schuldenberg begleitet, ist das Scheitern programmiert. Dem will die Diakonische Bezirksstelle mit dem CCC-Projekt und den Veranstaltungen in der Kirchheimer Jugendagentur entgegenwirken. Beim ersten Termin am morgigen Donnerstag stehen "Tipps und Tricks fürs clevere Haushalten" im Mittelpunkt. Weitere "Cash"-Seminare sind am 28. April und am 12. Mai. Auch für diese Kurse ist keine Anmeldung notwendig.

INFODie Kirchheimer Jugendagentur in der Alleenstraße 18, Telefon 0 70 21 / 73 53 90, hat mittlerweile an fünf Tagen pro Woche geöffnet: montags, mittwochs und freitags von 13 bis 15 Uhr und dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Weitere Infos zur Anlaufstelle und dem CCC-Projekt finden Interessenten im Internet unter www.jugendagentur-kirchheim.de und unter www.ccc-projekt.de.