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Soldat für und gegen Napoleon

Neuer Platz für den Grabstein des Majors Friedrich Wilhelm von Völter in Kirchheim

Da der Grabstein des Majors von Völter auf dem Alten Friedhof in Kirchheim umzustürzen drohte, beauftragte das Grünflächenamt einen Steinmetz mit der Bergung des Grabdenkmals und seiner Neuaufstellung.

Kirchheim. Der alte Platz des Grabsteins, unauffällig und verdeckt von Bäumen und Büschen, wurde für die Wiederaufstellung als ungeeignet angesehen, da er der hervorragenden kulturhistorischen Bedeutung des Verstorbenen nicht gerecht wird. Jürgen Völker vom Grünflächenamt und Fritz Heinzelmann vom Verschönerungsverein wählten deshalb gemeinsam einen neuen, leichter einsehbaren Platz bei den „Adelsgräbern“ aus, etwa 20 Meter nordwestlich des alten – mutmaßlichen – Grabes.

Der „Völter-Stein“ ist jetzt leicht zu finden: Vom Haupteingang bei der Schöllkopfkapelle geht man an der Westmauer des Alten Friedhofs entlang nach Norden, bis man links am Weg den neu aufgestellten Grabstein des Majors sieht. Damit interessierte Besucher auch die Rückseite lesen können, lehnt der Grabstein nicht an der Friedhofsmauer, sondern steht frei innerhalb der Grünfläche.

Die heute noch lesbaren Jahreszahlen auf dem Grabstein weisen auf einen interessanten Lebenslauf, der mitten in die Ära Napoleon führt: Am 5. September 1786 wurde Friedrich Wilhelm Völter geboren. Er machte beim württembergischen Militär Karriere. Da das Königreich Württemberg über den „Rheinbund“ mit Napoleon verbündet war, musste sich Völter an Napoleons Feldzügen 1809 gegen Österreich und 1812 gegen Russland beteiligen. Als Überlebender des Russlandfeldzugs erhielt er von König Friedrich Orden und Adelstitel.

Völter war dann aber in der „Völkerschlacht bei Leipzig“ 1813 einer der württembergischen Offiziere, die mit weißen Wimpeln an der Degenspitze mit ihrem Schwadron zum Feind überliefen und damit maßgeblich zur Niederlage Napoleons beigetragen haben. Der erboste württembergische König arretierte sie anschließend in Ludwigsburg, trat dann aber doch der antifranzösischen Koalition bei, rehabilitierte seine Offiziere und setzte sie bei den Kämpfen 1813/14 – nun gegen Napoleon – wieder ein.

Als Napoleon 1814/15 nach Elba verbannt war und endlich Friede in Europa herrschte, befehligte Friedrich Wilhelm von Völter als Rittmeister ein Kavallerieschwadron in der Garnisonsstadt Kirchheim. Hier lernte der 29-jährige adrette Offizier die vermögende Johanna Rosine Klett kennen und lieben. Doch noch vor ihrer Hochzeit kehrte Napoleon aus Elba zurück, und Völter musste wieder in den Krieg gegen Napoleon, aus dem er schwer verwundet heimkehrte. Er wurde zwar noch wegen seiner Tapferkeit zum Major befördert, schied aber 1817 wegen eines schlecht ausgeheilten Beckenbruchs aus dem aktiven Militärdienst aus.

1816 heiratete er seine Johanna Rosine, bezog mit ihr das Haus Max-Eyth-Straße 21 (neben dem Kornhaus) und widmete sich bis zu seinem Tod am 8. Dezember 1861 in Kirchheim nur noch seiner Familie und seinen umfangreichen Liegenschaften. fh