Lokales

Sommerzeit – Reisezeit – Lesezeit

Lektüre für den Liegestuhl: Ein Krimi, etwas Amüsantes oder doch eher ein Liebesroman?

Katharina kallis

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Kirchheim. Die Frage, zu welcher Art von Buch im Sommer wohl am liebsten gegriffen wird, ist nicht leicht zu beantworten. Geschmäcker sind nun mal verschieden. Ein eindeutiger Sommertrend zeichnet sich deshalb nicht ab. So werden wohl alle Genres in den Koffern Kirchheimer Urlauber vertreten sein. Auch Lernhilfen stehen trotz Ferien hoch im Kurs. Reise- und Wanderführer gehen in großer Zahl über die Ladentische. Auffällig hier: Viele Zeitgenossen bleiben im Land. Die immer beliebter werdenden Hörbücher sorgen dafür, dass auch lange Autofahrten zu einem Erlebnis werden.

Judith Armbrust von der Buchhandlung Margot Schieferle hat eine besondere Empfehlung für „Daheimurlauber“: Reiseberichte. Sie entführen den Leser in fremde Länder und Kulturen. Neben „Die scheußlichsten Länder der Welt: Mrs. Mortimers übellauniger Reiseführer“ von ­Favell Lee Mortimer würde sie Patricia Dunckers „Miss Webster und Chérif“ in ihren Koffer packen: Miss Webster, eine alleinstehende Rentnerin erkrankt unerwartet. Ihr Arzt überredet sie zu einer Reise und so findet sich die alte englische Lady in einem marokkanischen Luxushotel wieder. Hier wird sie von der Hotelmanagerin umsorgt. Gestärkt kehrt sie nach England zurück. Wenige Monate später steht der Sohn der Hotelmanagerin vor ihrer Tür. Miss Webster gewährt Chérif Unterkunft. Das ungewohnte Zusammenleben verändert die alte Dame: Erstmals lässt sie Nähe zu einem anderen Menschen zu.

Yvonne Peter von der Weilheimer Buchhandlung „Das Buch“ legt historisch Interessierten Lesern Beate Sauers „Der Geschmack der Tollkirsche“ ans Herz: Die begnadete Köchin Arria übernimmt das Regiment über kulinarische Leckereien und deren Zubereitung für das Fest, das der Militärtribun Claudius anlässlich seiner Amtseinführung ausrichtet. Ein hochrangiger Gast wird vergiftet und Arria gerät unter Verdacht, den Mord begangen zu haben.

Roland Schöllkopf, Geschäftsführer der gleichnamigen Buchhandlung, greift ebenfalls gerne zu Reiseberichten. Sein Tipp: Ryszard Kapus­cinskis „Meine Reisen mit Herodot – Reportagen aus aller Welt“. Aber auch „Tender Bar“ von J. R. Moehringer eignet sich, seiner Meinung nach, bestens zur Strandlektüre: Eine Bar ist vielleicht nicht der beste Ort für ein Kind, aber bei Weitem nicht der schlechteste. Vor allem das „Dickens“ nicht, mit seinen skurrilen Figuren. Für den kleinen JR sind sie alle bessere Väter als seiner. Von ihnen lernt er, dass Bücher Berge versetzen können und dass man an gebrochenem Herzen nicht stirbt.

Geht es nach Tina Drexler von der Buchhandlung Zimmermann, darf Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ am Strand nicht fehlen: Wer hat nicht schon einmal Angst gehabt, dass sich in eine E-Mail ein Fehler einschleicht und plötzlich ein völlig Fremder die Nachricht bekommt? Emmi Rothner passiert genau das. Eigentlich will sie nur ein Zeitschriftenabo kündigen. Doch ihre E-Mail landet bei Leo Leike. Zwischen den beiden entflammt ein reger Briefwechsel.

Karen Ziegler von der Dettinger Buchhandlung „fishmart.one“ ist von Kim Edwards‘ „Die Tochter des Fotografen“ fasziniert: In einer stürmischen Winternacht entbindet der Arzt David Henry seine hochschwangere Frau. Zuerst bringt sie einen gesunden Sohn auf die Welt. Dann folgt seine Zwillingsschwester. Doch das Baby hat das Down-Syndrom. Während seine Frau noch in Narkose liegt, trifft David eine Entscheidung: Er bittet die Krankenschwester Caroline, den Säugling in ein Heim zu bringen. Doch sie flieht mit dem Mädchen und zieht es allein groß.

Ralf Bauer von der Kirchheimer Bücherstube würde auf die Romane des Schweden Stieg Larsson „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ nicht verzichten. Mit den beiden Protagonisten Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist hat Larsson eines der interessantesten Ermittlerpärchen der gesamten Krimiliteratur geschaffen. Ein Muss für alle Fans von spannender Literatur.

Von vielen Buchhändlern empfohlen und auf den Bestsellerlisten weiter vorne platziert ist David Safiers „Mieses Karma“: Nichts hat sich Kim Lange mehr gewünscht als den deutschen Fernsehpreis. Nun hält sie ihn in den Händen. Dumm nur, dass sie am selben Abend von den Trümmern einer Raumstation erschlagen wird. Im Jenseits erfährt Kim, dass sie in ihrem Leben viel mieses Karma gesammelt hat und deshalb als Ameise wiedergeboren wird. Gutes Karma muss her, damit es auf der Reinkarnationsleiter aufwärts geht!

Wer die passenden Urlaubslektüre gefunden hat, kann sich getrost in seinen Strandkorb, auf die Terrasse oder ins Freibad zurückziehen. Dann steht einer fesselnden Schmökerstunde mit Sicherheit nichts mehr im Wege.