Lokales

Sonntags nie . . .

"Schönes Wochenende!" wünschen sich Leute freundlich. Manchmal schon ab Donnerstag. Eine Gedankenlosigkeit? "Einen schönen Sonntag auch!" hört man nur gelegentlich. Doch was ist schön am Sonntag? Er ist Feiertag. Staatlich geschützter Feiertag. Von regulärer Arbeit freizuhalten.

Aber am liebsten möchten ihn viele Leute gerne "abschaffen". Weil die Maschinen und der Fuhrpark durchschaffen könnten, auch sonntags sich rentieren könnten. Ausnahmen höhlen die Regeln aus. Schaffen wir es, den Sonntag nicht auszuhöhlen? Weil es um uns Menschen geht. Gerade am Sonntag. Ich schaff es nie, am Sonntag... Was denn? Nicht ans Geschäft, und nicht ans Schaffen zu denken. Gar einmal nichts zu schaffen. Alte Diskussion: "arbeitsfrei" ist er seit biblischen Zeiten. Urbiblische Sozialkultur: "Du sollst keine Arbeit tun, auch nicht dein Sklave, ... auch nicht dein Fremdling(!), der in deiner Stadt lebt." (Die Zehn Gebote könnte man in 2. Mose 20 besonders aufmerksam buchstabieren) "Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werke tun." So heißt es. Inzwischen sind es tariflich vier Tage und ein halber Tag. Wenigstens für die meisten Mitbürger. Die Wochenarbeitszeit ist in den letzten 100 Jahren beträchtlich geschrumpft. Ja, die Arbeit droht auszugehen...

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Der Anteil freier Zeit ist größer geworden. Was tun wir mit der schönen Zeit, die uns geschenkt ist? Ruhen? Na denn! Man muss, man will etwas unternehmen. Am Wochenende etwas erleben. Die Staumeldungen künden von unserer Ruhelosigkeit. Und Rastlosigkeit. Es ist gar nicht so einfach: Ruhe zu geben. Langweilig finden junge Leute den Sonntag. Es ist nichts los. Haben sie recht? Ihre Feten fallen in die Nachtstunden. der Sonntagmorgen dient dem langen Schlaf. Sonntagsstille breitet sich am Sonntagmorgen über Land und Stadt. Sonst kaum mehr zu erlebende Stille. Fast kein Auto um 8 Uhr. Kaum ein Passant. Der Gesang der Amsel ist hörbar. Ein einsames Flugzeug nur. Und Geläut der Glocken. Hier und dort: Ruhe. Ruhe für die Seele ist uns empfohlen. Damit der Mensch seine Verfassung klären kann.

Ruhe finden und Stille: genießen sollte man beides. Sorgen und Arbeit hinter sich lassen. Stress und Aggression bei sich selbst abbauen. Wenn das Leben zum Davonlaufen ist, die Woche über, einhalten und einfach die Seele baumeln lassen. Wenn man abgeschafft ist: sein Innerstes pflegen. Nicht nur das Auto. Auch der inwendige Mensch braucht seine Pflege. Gott möchte es so. Das wir zu ihm und dadurch zu uns kommen. Dass wir Gott "feiern" und uns selbst ein wenig "feiern". Denke daran, dass es den Sonntag noch gibt. Es gibt ihn immer noch. Als Feiertag. Er könnte etwas Besonderes sein. Auch an diesem schönen Wochenende. Kommen Sie doch in Ihre Kirche. Sonntags nie?

Helmut Conz

Pfarrer an der Evangelischen

Petruskirche Jesingen