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Sorge um das traditionsreiche Seminar

Davon können Berufsanfänger sonst nur träumen: "Alle diesjährigen Absolventen des Pädagogischen Fachseminars (PFS) haben ein Einstellungsangebot bekommen", berichtet Hausherrin Brigitte Heß mit Stolz. Dennoch gibt die traditionsreiche Einrichtung im Herzen Kirchheims Anlass zur Sorge. Der Grund sind Gerüchte über geplante Standortzusammenlegungen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Das Land will bekanntlich an allen Ecken und Enden sparen. Kein Wunder also, dass jede Andeutung einer Überprüfung des Status quo auf blanke Nerven trifft. Von einer solchen Maßnahme seitens des Finanzministeriums berichtete Andreas Schwarz (Grüne Alternative) in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses in Kirchheim: "Die Landesregierung hat eine Überprüfung in Auftrag gegeben." Begutachtet werden solle die Unterbringung aller Pädagogischen Fachseminare im Land. Dabei gehe es auch darum, ob Standorte zusammengelegt werden könnten. "Sieht die Stadtverwaltung Handlungsbedarf oder handelt es sich um einen regulären Prüfauftrag?", fragte der Kirchheimer Stadtrat.

"Wir müssen etwas unternehmen", zeigte sich Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker alarmiert. Schließlich sei das landeseigene PFS ein wichtiger Standortfaktor für Kirchheim. Die Bemühungen der Stadtverwaltung, weitere Details zu erfahren, seien daher schon angelaufen. In Vorbereitung ist nach Angaben der Stadtchefin beispielsweise ein Schreiben an die zuständigen Ministerien, in dem die Besorgnis in Kirchheim in Worte gefasst und die unangefochtenen Verdienste sowie die große Bedeutung der 80 Jahre zählenden Einrichtung herausgestellt werden.

Unterdessen bestätigte ein Sprecher des Kultusministeriums auf Nachfrage des Teckboten, dass via Kabinettsbeschluss im August ein Prüfungsauftrag sowohl an das Finanz- wie auch an das Kultusministerium ergangen sei, der noch dieses Jahr abgeschlossen werden soll. Im Mittelpunkt stünden "Ausbildungs-, Bedarfs- und Effizienzgesichtspunkte". Eine mögliche Zusammenlegung der auf Karlsruhe, Schwäbisch Gmünd und Kirchheim verteilten Standorte sei Teil der Prüfung, jedoch keineswegs vorgegebenes Ziel.

Beim Stichwort Zusammenlegung kommt den Kirchheimern vor allem das deutlich kleinere PFS in Schwäbisch Gmünd in den Sinn. Der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann wusste zu berichten, dass die dortige Pädagogische Hochschule (PH) ein Auge auf die Räume des PFS geworfen habe. Allerdings kursieren auch Gerüchte, wonach die Zukunft der PH unklar sei. "Wir wären bereit, das PFS aus Schwäbisch Gmünd zu übernehmen", versicherte der Kirchheimer CDU-Mann. Schwäbisch Gmünd könne ohnehin schon viele Besonderheiten aufweisen, argumentierte er im Blick auf die gebotene Gleichbehandlung im Land, und nannte exemplarisch das neue Elite-Gymnasium. Im Rahmen der aktuellen Prüfung fordere er nun die Verlagerung des PFS von Schwäbisch Gmünd nach Kirchheim und, damit verbunden, die Erhaltung und Sanierung des hiesigen Standorts.

Doch gerade im baulichen Zustand der Einrichtung liegt der Hase im Pfeffer: Bereits im Juni war Zimmermann mit Vertretern des Finanzministeriums in Kirchheim vor Ort. Der Bummel durch das charmante Ensemble aus den 50er-Jahren offenbarte einmal mehr den dringenden Sanierungsbedarf, der damals mit mindestens acht Millionen Euro beziffert wurde.

Vor diesem Hintergrund sieht die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer keinen Anlass zum Optimismus. "Das große Risiko für Kirchheim liegt im Zustand der Gebäude", machte sie klar und verwies darauf, dass das Land allerorten Anstrengungen unternehme, sich von Immobilienbesitz zu befreien. "Wir müssen was tun", sieht sie Kirchheim und seine Vertreter in der Landespolitik in Zugzwang. Für die Stadt wäre es ein geradezu "verheerendes Signal", noch eine Einrichtung zu verlieren. Das Fachseminar sei eine gute Einrichtung und biete jungen Menschen ohne Abitur, die eine pädagogische Begabung verspürten, die Möglichkeit, die Lehrerlaufbahn einzuschlagen. Politisch kritisch bewertet wurde die Ausbildung vor allem in den Reihen der SPD eine Zeitlang wegen der relativ geringen Bezahlung der Absolventen.

Dass sich die Ausbildung großer Beliebtheit erfreut, steht außer Zweifel. Momentan läuft wieder die Bewerbungsfrist fürs neue Ausbildungsjahr, das nach den Sommerferien beginnt. Die knapp über 90 Plätze sind heiß begehrt. Räumliche Kapazitäten für weitere Studenten sind in Kirchheim durchaus vorhanden. Im Technischen Ausschuss wurde auf die freiwerdenden Räumlichkeiten der Gewässerdirektion am Schlossplatz verwiesen.