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Sozial aktives Denkmal für Joachim Jung

Die Gründungsfeier für die Joachim-Jung-Stiftung in Nürtingen nahm neben zahlreichen Rednern auch Landeswirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) zum Anlass, diese besondere Form sozialen Engagements durch das Unternehmen zu würdigen.

RALPH GRAVENSTEIN

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NÜRTINGEN "Joachim Jung war ein toller Vater", so das Fazit von Unternehmensgründer Gerhard Metz. Der Gründer des von Nürtingen aus weltweit agierenden Anlagenbauers IST Metz richtete diese Worte seiner Begrüßungsansprache an die Kinder des am 4. Januar 2007 verstorbenen Geschäftsführers: Doch er verwies damit indirekt auch darauf, dass Joachim Jung Vater einer besonders intensiven, sozialen Unternehmenskultur war, die mit der Gründung der nach ihm benannten Stiftung fortgeführt und ausgebaut werden soll.

IST Metz-Geschäftsführer Dirk Jägers skizzierte in seiner Ansprache vor den rund 100 Gästen der Feier den Menschen Joachim Jung, dessen Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung nachhaltige Spuren im Unternehmen hinterlassen habe: "Er hatte Ausstrahlung, war engagiert und zielstrebig, warmherzig, aber auch fordernd in der Sache", so Jägers.

Neben vielen anderen Werten habe Jung auch soziale Kompetenz und Einsatz gelebt. So habe er vor Jahren schon die Grundidee der Stiftung "Zeit für Menschen" spontan aufgegriffen und veranlasst, dass alle Auszubildenden der IST Metz in ihrer Lehrzeit mindestens eine Woche in der Einrichtung verbringen, die künftig von den Zuwendungen der Joachim-Jung-Stiftung profitieren soll: Die "Werkstatt am Neckar", eine Einrichtung der Samariterstiftung in Wendlingen zur beruflichen Rehabilitation psychisch Kranker, soll aus Stiftungsgeldern in ihrer Arbeit unterstützt werden. Welche neuen Möglichkeiten durch diese Förderung entstehen sollen, das stellte der Leiter der Werkstatt, Helmut Püschenl in einer Talkrunde vor, die der Leiter der Stiftung "Zeit für Menschen", Otto Haug, moderierte: Personelle Unterstützung bei der Vermittlung von Arbeits- und Praktikumsplätzen, berufliche Qualifizierung außerhalb der Werkstatt und auch die kreative Förderung sollen mit den Geldern ermöglicht werden.

Das Grundkapital der Joachim- Jung-Stiftung wurde von den Unternehmensgründern Renate und Gerhard Metz, von der IST Metz GmbH, den Mitarbeitern und von Freunden aus geschäftlichem und privatem Umfeld von Joachim Jung aufgebracht und es soll noch weiter steigen, wie IST Metz-Betriebsratsvertreter Frank Krauss deutlich machte: So wolle man etwa bei Betriebsfesten weiterhin Spenden sammeln, wie das schon in den vergangenen Jahren erfolgreich praktiziert worden sei. Doch nicht nur die finanzielle Unterstützung wertete Helmut Püschel als großen Gewinn für die Werkstatt am Neckar, sondern auch die Normalität, die mit den dort hospitierenden IST Metz-Mitarbeitern in der Einrichtung einziehe: "Der Kontakt mit ihnen hilft, die Isolation der psychisch Erkrankten aufzubrechen."

Eben diesen persönlichen Einsatz neben der finanziellen Hilfe würdigte Landeswirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) als elementares Engagement: Er verwies in seiner Festansprache darauf, dass sich die Idee des "Corporate Citizenship", also das sich Einbringen kleiner und mittelständischer Unternehmen in bürgerschaftliche und soziale Bereiche, gerade in Baden-Württemberg immer stärker etabliere. "Das ist in Zeiten, in denen immer wieder mangelnde soziale Verantwortung von Unternehmen angeprangert wird, ein wichtiges Signal", so der Minister. Er bezeichnete die Joachim-Jung-Stiftung als solides Fundament für ein beispielgebendes Engagement in Form einer dauerhafter Partnerschaft zwischen einem Unternehmen und einer sozialen Einrichtung. Zugleich ermunterte er die Stiftung dazu, sich um den Mittelstandspreis "LEA" zu bewerben, der beispielhaftes soziales Engagement von Unternehmen in Baden-Württemberg auszeichnet.

Oberbürgermeister Otmar Heirich würdigte die generelle Bereitschaft, mit Stiftungen für das Gemeinwohl tätig zu werden, als positives Signal für die Entwicklung des sozialen Klimas. "Gesellschaftliche Anerkennung sollte sich nicht nur an materiellen Dingen festmachen, sondern auch im stifterischen Engagement", so Heirich. In Nürtingen zeige sich, dass Stiftungen keineswegs in Konkurrenz zueinander stehen müssten, sondern sich ergänzen können. Die Joachim-Jung-Stiftung unter dem Dach der Stiftung "Zeit für Menschen" ins Leben zu rufen, sei die richtige und konsequente Fortsetzung von Jungs Einsatz zum Wohle derer, denen es schlechter gehe. Dr. Hartmut Fritz, Vorsitzender des Stiftungsvorstands von "Zeit für Menschen", unterstrich diese Aussage: "Wir können Joachim Jung mit dieser Stiftung am besten ehren und sein Andenken bewahren", so Fritz in seinem Schlusswort. Er würdigte den Namensgeber dieser vierten Tochterstiftung von "Zeit für Menschen" als einen glaubwürdigen und besonnenen Menschen. Seine spontane Begeisterung für die Idee, behinderten und kranken Menschen zusätzliche Zeit und persönliche Zuwendung durch ehrenamtlichen Einsatz zu schenken, habe Jung nachhaltig auf das Unternehmen IST Metz übertragen.