Lokales

"Sozialer Mut tut allen gut"

Im Rahmen seines Leitthemas "Zukunft gestalten Demokratie entfalten" fordert der Landfrauenverband Württemberg-Baden seine einzelnen Ortsvereine auf, sich mit dem zusätzlich gestellten, ebenso schwierigen wie wichtigen Unterthema produktiv auseinanderzusetzen. "Sozialer Mut tut allen gut" heißt das aktuelle Thema 2005/06.

NEIDLINGEN Als Arbeitshilfe hierfür hat der Landfrauen-Arbeitskreis "Kultur", dem Rosemarie Rieker aus Neidlingen angehört, nicht nur eine mutige, sondern vor allem eine umsetzbare und ernsthaft-nachdenkliche Orientierungsbroschüre angeboten. In facettenreicher Art und Weise hat Rosemarie Rieker das Thema mit den Neidlinger Landfrauen an die "Frau" gebracht. "Der beste Beschützer, den eine Frau haben kann und ihr zu jeder Zeit und an jedem Ort zur Verfügung steht, ist Mut. Diesen bekommt sie nur durch eigene Erfahrung und diese gewinnt nur, wer etwas wagt", schrieb bereits 1851 die amerikanische Autorin Elizabeth Cady-Stanton und daran hat sich, so das Einstiegsmotto der Referentin, bis heute nichts geändert.

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Mut was ist das? An-Mut, De-Mut, Edel-Mut, Wage-Mut, Mut-Probe, Wankel-Mut. Das Wortspiel lässt ihrer Ansicht nach kein Zaudern zu. Den Fragen, was Zivilcourage bedeutet und warum diese so gefragt ist, wurde anhand von Beispielen aus der Gesellschaft nachgegangen. Das Fazit der Frauen: Zivilcourage ist eine anspruchsvolle, zudem in aller Regel eine unbequeme Tugend.

Werte, die Zivilcourage auszeichnen, wurden benannt und die Frauen ermutigt, auf vorbereiteten Buchstabenzetteln selbst "sozialen Mut" zu definieren. Es gehört Mut zum Ich-Sein. Habe ich den? Soll/darf ich zuschauen, bringe ich den Mut zu Veränderungen auf? Doch gibt es viele Menschen, die nie daran zweifeln, ob das, was sie tun, richtig oder falsch ist. Bei zehn aufgezeigten Gründen wurde klar: Menschen haben Menschenrechte und einige dieser bürgerlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte wurden angesprochen. Wut- und Mutzettel gab die Referentin als Hausaufgabe aus, denn persönliche Erfahrungen fließen ein in das, was Mut macht oder auch Wut auslöst. Zudem gelte es Schwächen und Stärken in Entscheidungsprozessen zu überwinden und Provokation könne notwendig werden, um eine produktive Auseinandersetzung auf verschiedenen Spannungsfeldern mit Mut zu entschlossenen Veränderungen anzugehen.

Es berührt die Frauen, über das Leben von mutigen Menschen zu hören und das wurde am sorgfältig ausgewählten Beispiel über das Leben der Studentin Sophie Scholl im Widerstandskreis "Weiße Rose" deutlich, die ihren bekennenden Mut mit dem Leben bezahlt hat. Mut in übernommenen sozialen Aufgaben haben etwa auch alle Ehefrauen bisheriger Bundespräsidenten aufgebracht und die verwirklichte Eigeninitiativen gingen und gehen weit über das Präsidentenamt des Ehemanns hinaus.

Ein zusätzliches Quiz zum Thema forderte von den Anwesenden umsichtiges Feingefühl. Mit dem Singen eines Mut-Mach-Liedes wurde zu einer aufrüttelnden, ertastbaren Stein-Meditation übergeleitet. Ein von den Teilnehmerinnen gewählter Mut-Spruch konnte mit nach Hause genommen werden und soll an die tiefgehende Aufarbeitung des Themas erinnern. Ehrliche, soziale und offene "Mutmacher" seien mehr denn je notwendig. Dabei, so die Referentin, ist der mutige Schritt ins Vertrauen unerlässlich, denn ohne Vertrauen lässt sich nichts wagen. Dies gelte im wirtschaftlichen und politischen Leben ebenso, wie im privaten Bereich. "Wir müssen uns aufeinander verlassen, um nicht verlassen zu sein", so Rosemarie Rieker.

rr