Lokales

"Später Neboh" ohne Tadel

KIRCHHEIM Klar, dass die Stimmung nach dem tollen Basketballspiel super war: Viele Fans feierten am Samstagabend noch lange nach Spielschluss mit Spielern und Verantwortlichen der Knights auf der "After-Game-Christmas-Party." Rund 200 Anhänger standen noch lange an den Stehtischen im Foyer der Sporthalle Stadtmitte und diskutierten den Abend. Zum Beispiel die Tombola: 150 Preise gingen über den Tisch, dafür kaufte praktisch jeder Besucher ein Los. Abteilungsleiter Stefan Schmauder: "Wir haben wohl knapp 1000 Lose verkauft ein Super-Erfolg für den Kirchheimer Basketball." Der Erlös fließt in die Jugendarbeit, wo mit drei Teams in den höchsten Ligen und Spitzentrainern wie Pasko Tomic, Ross Jorgusen und Kai-Uwe Kranz das Geld dringend benötigt wird.

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Doch auch der Sport stand bei den Diskussionen im Mittelpunkt: Warum stand Chuks Neboh erstmals nicht in der Starting Five? Trainer Theo Leftakis lieferte die Antwort: Chuks kam zu spät, war bei der Kabinen-Besprechung nicht dabei. "Das konnte ich ihm nicht durchgehen lassen", fand der Coach. Irgendwie war ihm beim Abholen seiner Freundin in Böblingen etwas dazwischen gekommen. Als der nigerianische 2,12-Meter-Mann dann aber ins Spiel eingriff, zeigte er, dass auf ihn Verlass ist.

Mehr als das ist seit Jahr und Tag auch bei Ross Jorgusen der Fall. 26-mal geworfen wie diesmal hat er aber wohl noch nie für die Knights, doch Leftakis hatte ihm grünes Licht gegeben. Jorgusens 38-Prozent-Quote ist angesichts der Tatsache, dass von seinen ersten sieben Würfen nur einer traf, recht ordentlich. In den Vierteln zwei, drei und vier verwandelte der Amerikaner schließlich jeden zweiten Wurf. Am Sonntagmorgen um zehn Uhr stand er schon wieder auf der Matte: Die lange Anfahrt zum Oberligaspiel seiner U16 in Crailsheim stand auf dem Programm. Ein Engagement, das eigentlich unbezahlbar ist, meint auch Theo Leftakis, der dem Wirbelwind sogar die Schlussszene des Spiels verzieh: 19 Sekunden vor dem Ende hatte der griechische Coach die Devise ausgegeben, die Uhr herunterzuspielen. Doch Jorgusen wagte einen irrwitzigen Diagonalpass übers halbe Feld, der, anstatt Chuks Neboh zu erreichen, gegen das Brett klatschte. Konstanz schnappte sich den Ball, und Lars Menck setzte seinerseits den Schlussakkord des Spiels mit einem krachenden Rückwärts-Dunking. Schön anzusehen für die Konstanzer Fans, angesichts des Sieges gerade noch zu verschmerzen für den Kirchheimer Anhang.

In aufsteigender Form präsentierte sich auch Kai-Uwe Kranz. Gerade im dritten Viertel, als die Partie entschieden wurde, fand er zur alten Treffsicherheit zurück und engte auch erfolgreich die Kreise von Superstar Sean Hampton ein. "Ich habe mich nie in der Krise gefühlt, weil ich die Ursachen kannte. Mein Rhythmus kommt aber langsam auch im Spiel zurück", sagte der Dreier-Spezialist. Ebenfalls klar auf dem Weg nach oben ist James Hayden. Sieben Würfe aus dem Feld hat er in dieser Saison noch nie verwandelt, seine phänomenale Energie ist für den VfL ohnehin von unschätzbarem Wert.

Es sieht also so aus, als käme die Fahrt nach Schwenningen genau zum richtigen Zeitpunkt. Mit dabei sein wird dann auch Kirchheims Fanclub "Squires." Schließlich ist die Schwenninger Deutenberghalle der Ort, an dem am 5. März dieses Jahres die Geburtsstunde der Knappen schlug.

mad