Lokales

Später Protest gegen das Hochhaus

Für das frühere Technische Rathaus im Esslinger Merkelpark tickt die Uhr. Der Zeitplan des Landkreises sieht vor, dass das Gebäude im Januar von der Bildfläche verschwindet. Bereits im Frühjahr sollen die Arbeiten für einen Anbau mit einem 41 Meter hohen Turm beginnen.

HERMANN DORN

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ESSLINGEN Dass das Projekt noch gestoppt wird, gilt als äußerst unwahrscheinlich. An dieser Einschätzung hält die Esslinger Stadtverwaltung, die für das baurechtliche Verfahren zuständig ist, auch nach einem offenen Brief des Stadtseniorenrats und des Jugendgemeinderats fest. Die Kritik wird zwar zur Kenntnis genommen. An der Zustimmung für das Vorhaben wird sie aber kaum etwas ändern, meint Stadtplaner Franz Schneider. "Wir gehen davon aus, dass der Gemeinderat bei seiner Position bleibt und grünes Licht für das Hochhaus gibt", sagt er. Wie sicher Stadt und Kreis ihrer Sache sind, zeigt ein Blick in den Merkelpark, wo die ersten Leitungsarbeiten begonnen haben. Die Vorsitzende des Stadtseniorenrats Ursula Roser und Markus Greiner, stellvertretender Vorsitzender des Jugendgemeinderats, lassen sich durch dieses Meinungsklima nicht entmutigen. In einem offenen Brief an Landrat Heinz Eininger, Oberbürgermeister Jürgen Zieger und Gemeinderat bitten sie, die Pläne zu überdenken. Die architektonische Lösung wollen sie ebenso auf den Prüfstand stellen wie die Vorgaben für das Bauvolumen. Sie schlagen vor, einen kleineren Entwurf zu wählen und einen Teil der Verwaltung weiter dezentral auf die Stadt zu verteilen.

In den Augen der Kritiker ist der Neubau überdimensioniert. Die Stadtansicht wird künftig von einem Gebäudeblock dominiert, der aus dem Merkelpark herauswachse, schreiben die Verfasser. Zur Sorge um die "einmalige Silhouette aus Burg, Kirchen, Rathaus und Stadttürmen", gesellt sich eine weitere. Esslingen, so argumentieren sie, verfügt nur über wenige Grünflächen. Nachdem die Maille in den Siebzigerjahren kräftig Federn gelassen hat, müsse die Stadt mit dem Merkelpark behutsam umgehen. Bei einem Gebäude-Riegel von 75 Meter Länge und einer Höhe, die von 31 bis 41 Meter reicht, sei solche Vorsicht aber nicht erkennbar. Die optische Wirkung stufen Ursula Roser und Markus Greiner als verheerend ein. Bedenken melden die Verfasser weiter an, weil sie befürchten, der Riegel könnte die Luftströme negativ beeinflussen.

Im Rathaus lässt man sich von diesen Einwänden nicht beirren. Schneider bleibt dabei, dass der Turm das Stadtbild bereichert. Die Folgen für den Merkelpark seien weniger gravierend als bei einem Verzicht auf das Hochhaus. "Wenn das Raumprogramm in einem flacheren Baukörper erfüllt würde, müsste man viel stärker in die Grünfläche eingreifen", so Schneider.

Im Januar/ Februar wird die Verwaltung ihren Entwurf für den Bebauungsplan auf den Tisch legen. Dann hat die Öffentlichkeit noch einmal die Möglichkeit, Bedenken und Anregungen zu äußern. Erst wenn sie ausgewertet sind, fällt im Gemeinderat die endgültige Entscheidung über den Bebauungsplan. Zu diesem Zeitpunkt werden die Bauarbeiten, die ein privater Investor für den Landkreis übernimmt, wohl schon in vollem Gange sein. Nach dem mageren Echo in der ersten Runde der öffentlichen Beteiligung in diesem Jahr rechnet kaum jemand mit einem Stimmungswechsel. Neben Stadtseniorenrat und Jugendgemeinderat hat sich bislang keine einzige Stimme kritisch mit dem Vorhaben beschäftigt. Schneider hält es deshalb für wahrscheinlich, dass der Neubau genehmigt wird.