Lokales

Spannende Pionierarbeit

Nach dem Vorbild vieler anderer Städte soll auch in Kirchheim eine Frauengeschichtswerkstatt entstehen. Ein erstes Treffen fand auf Einladung von Dr. Silvia Oberhauser bereits statt.

KIRCHHEIM 15 geschichtsinteressierte Frauen fanden sich ein, und neben Renate Schattel haben auch die Historikerinnen Rosemarie Reichelt und Dr. Patricia Laudacher zugesagt, beratend mitzuwirken. Nachdem das Feld weit und nahezu unbeackert ist, galt es zunächst, sich auf einen Zeitraum zu einigen, der zuerst frauengeschichtlich aufgearbeitet werden soll. Gestartet werden soll nun mit der Nachkriegszeit, denn hier sind reichlich gut lesbare Quellen vorhanden. Zudem besteht die Hoffnung, noch Zeuginnen aus dieser Zeit befragen zu können.

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Gab es nach dem Krieg erfolgreiche Unternehmerinnen? Wie erging es den Flüchtlingsfrauen? Wie nahmen die schwäbischen Hausfrauen die neuen Mitbewohner auf? Dies sind nur einige Fragen eines ganzen Spektrums, wie Frauen nach 1945 in Kirchheim gelebt haben, einer Zeit, die geprägt war von der Besatzung, von der Entnazifizierung, von großen Füchtlingsströmen, aber auch davon, dass in dem ausgezehrten Land alles und jedes, jeder und jede für den Aufbau benötigt wurde.

Bisher sind die Frauen in der Forschung oft einfach so mitgemeint als Gattinen oder als Mütter, als Alltagserscheinungen, die nicht besonders zu erwähnen sind. Die Frauengeschichtswerkstatt möchte nun ihre Geschichte bewusst machen, denn die, deren Geschichten aufgeschrieben werden, können zum gesamtgesellschaftlichen Bewusstseinsprozess beitragen. Die Aufarbeitung der Geschichte von Nachkriegsfrauen ist spannende Pionierarbeit und wird sicher mit neuen Entdeckungen und Überraschungen aufwarten.

Das nächste Treffen ist am Dienstag, 22. November, um 20 Uhr im Vortragssaal der Stadtbücherei. Frauen, die mitarbeiten wollen, Zeitzeuginnen kennen, sich selbst erinnern oder einfach nur aufmerksam teilnehmen wollen, sind eingeladen. Informationen gibt es bei Renate Schattel, Telefon 0 70 21/5 43 97 und Dr. Oberhauser, Telefon 0 70 21/48 03 08 oder per E-Mail unter s.oberhauser@t-online.de.

pm