Lokales

Spediteure: "Nagelprobe kommt erst noch"

Gerade mal drei Tage alt ist die deutsche Lkw-Maut, da wollten die Transporteure noch nicht so recht in den Jubelchor des Bundesverkehrsministeriums und Toll-Collect einstimmen. "Die Nagelprobe kommt erst noch", prophezeit Andrea Marongiu vom baden-württembergischen Speditions- und Lohgistikverband. Eins ist jetzt schon klar: die Kontrolleure vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG) werden alle Hände voll zu tun haben.

RICHARD UMSTADT

Anzeige

KIRCHHEIM Franz Schwaiger, 50, ist so nett: Für den Teckboten stellte er sich gestern ans Toll-Collect-Terminal in der Raststätte Gruibingen und spielte fürs Foto "einbuchen". In Wirklichkeit hat der Salzburger Fernfahrer das nicht nötig. Sein Brummi mit dem österreichischen Kennzeichen besitzt ein On-Board-Unit (Obu), ein automatisches Erfassungsgerät.

Gestern war für den erfahrenen Trucker Premiere. "Es funktioniert. Alles ist in Ordnung." Das bestätigten ihm bereits am frühen Morgen die BAG-Kontrolleure. Sie fuhren mit ihrem blaugestreiften weißen Vito langsam an dem 40-Tonner vorbei und überprüften mit Hilfe ihres Bordgeräts dessen Daten.

Für Schwaiger, der in seiner 27-jährigen Trucker-Karriere vom Autoreifen bis zum Schlittschuh alles transportiert hat, ist das Obu jedoch nicht das einzige "Kastl" im Cockpit. Fährt er von der Alpenrepublik über Deutschland in die Schweiz, so muss er drei verschiedene Systeme bedienen. Der Österreicher hat dennoch gut lachen: Die Spedition Fuchsluger aus Amstetten bei Linz, für die Franz Schwaiger fährt, ließ die erforderlichen "Kastln" einbauen. Lange Wartezeiten an Toll-Collect-Terminals muss er nicht in Kauf nehmen und auch die BAG-Kontrolleure braucht er nicht zu fürchten.

Das Bundesamt für Güterverkehr in Köln aber will Maut-Prellern nach den Worten seines Pressesprechers Joachim Drab keine Chance geben. 500 Beamte sind im Einsatz und kontrollieren in ihren 280 Fahrzeugen die bundesdeutschen Autobahnen. "Die Lkw-Fahrer müssen zu allen Zeiten mit Kontrollen rechnen," so Drab.

Die Brummis werden automatisch erfasst, wenn sie unter den Mautbrücken hindurchfahren. Sie können aber auch hinter den Brücken auf Park- und Rastplätzen stationär kontrolliert werden. Die dritte Möglichkeit ist die "Mobile Kontrolle". Ein besonderes Augenmerk wollen die Kontrolleure dabei vor allem auf ausländische Fahrzeuge lenken, sagte Joachim Drab. Der Grund ist Folgender: Im Gegensatz zu deutschen Transportunternehmen kann das Bundesamt für Güterverkehr ausländische Speditionen nicht vor Ort überprüfen.

Das BAG führt bereits seit 1953 Lkw-Kontrollen durch. Die Beamten dürfen Brummifahrer anhalten und auffordern, ihnen zur nächsten Raststätte oder zum nächsten Parkplatz zu folgen. Ein ausländischer Mautpreller wird dann sofort zur Kasse gebeten. Er muss die Maut sofort nachentrichten und eine bestimmte Summe als "Sicherheitsleistung" für das zu erwartende Bußgeld bezahlen, das sich in einem Rahmen zwischen 75 Euro und 20 000 Euro bewegen kann. Die Höhe des Bußgeldes richtet sich auch danach, ob der Fahrer für die Mautprellerei verantwortlich ist oder der Speditionsunternehmer. Außerdem wird zwischen fahrlässig und vorsätzlich unterschieden.

Wie aus dem Bundesverkehrsministerium in Berlin zu hören war, wurden gestern acht Prozent der Fahrten auf Grund von fehlerhaften Eingaben und nicht erfolgten Einbuchungen beanstandet. Dennoch war man sich in Berlin sicher: "Das erste Ziel, nämlich ein reibungsloser Mautstart, wurde erreicht."

Dieser Einschätzung schloss sich auch Andrea Marongiu, Pressesprecher des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg, an. Die Nagelprobe aber habe das Toll-Collect-Mautsystem noch nicht bestanden. Dies werde sich erst ab 10. Januar unter "Volllast" zeigen, "oder Mitte Februar, wenn die Abrechnungen den Speditionen auf den Tisch flattern".