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Spektakel mit Scherz, Satire und tiefer Bedeutung

Nach „Hänsel und Gretel“ präsentierte das „Theater 1098 Freiburg“ im Erwachsenenprogramm „Teufel mögens heiß“

Kirchheim. Schon lange vor Beginn der Aufführung von „Teufel mögens heiß“ wurde es für die etwa 300 Besucher auf dem Kirchheimer Marktplatz interessant. Die Mitglieder des

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PETER DIETRICH

Amateurensembles „Theater 1098 Freiburg“ schminkten sich öffentlich, auch ihre Sprech- und Mikrofonproben boten ein vergnügliches Schauspiel.

Wer seinen eigenen Stuhl mitgebracht hatte, konnte das Spektakel im Sitzen genießen – und das bei freiem Eintritt. Die Stadt wollte durch diese finanzielle Förderung dem Theater neue Zielgruppen erschließen, was auch erfolgreich gelang.

„Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ versprach der Autor Christian Dietrich Grabbe im Titel seines im Jahr 1827 veröffentlichten Lustspiels. Es sollte fast 50 Jahre dauern, bis es am Akademietheater in Wien eine erste Privataufführung erlebte. Die offizielle Uraufführung folgte erst 1907 in München. Trotzdem gilt das Stück heute als bekannte deutsche Komödie. Das Theater 1098 versah diese mit musikalischen Einlagen und versprach mit „Teufel mögens heiß“ keine „mager moderne“ Aufführung, sondern eine, die „in die Vollen“ geht.

Das Stück beginnt damit, dass der Teufel auf der Erde landet, denn in der Hölle ist Großputz angesagt – schwäbische Kehrwoche. Drei Naturhysterikerinnen finden den Erfrorenen, dem es auf der Erde deutlich zu kalt ist und der beim Theater 1098 von zwei Personen gleichzeitig verkörpert wird: Lisa Sauer in Rot und Gregor Konieczny in Schwarz – natürlich beide mit Hörnchen. Auf Liddy, Nichte der Baronin von Haldungen, haben es gleich drei Männer abgesehen. Da ist Herr von Wernthal, der mit ihr verlobt ist. Der nur materiell orientierte Herr verkauft Liddy an den Teufel, der ihm dafür einen stolzen Preis bezahlt. Dem zweiten Interessenten, Freiherr von Mordax, bietet der Teufel die Liddy an unter der Bedingung, dass er einen Sohn Metzger lernen lassen und 13 Schneidergesellen erstechen müsse. Am Ende landet Liddy in den Armen des Herrn Mollfels, der zwar als hässlich gilt, es aber aufrichtig meint. Zum glücklichen Ende des Stücks gehört auch die Rückkehr des Teufels in die Hölle. „Teufel mögens heiß“ verweigert sich der strengen Kategorisierung. Elemente der Liebeskomödie treffen sich mit beißender Gesellschaftskritik und mit viel Klamauk. Die Zusammenstellung des Stücks aus einzelnen Versatzstücken spiegelt Grabbes Auffassung wider, dass es der Weltgeschichte an Größe mangelt, dass die Welt nichts ist „als ein mittelmäßiges Lustspiel“.

Die schauspielerischen Leistungen des Amateurensembles waren teils hervorragend, besonders köstlich Antonio Denscheilmann als miserabler, aber extrem selbstgefälliger Dichter. Auch die jugendlichen Mitspieler, unter anderem Joshua Ebsen als Bauernsohn Gottliebchen, haben ein Lob verdient. Die Idee, ein Feuerwehrauto quasi als Ersatz für eine Drehbühne zu verwenden, wurde gut umgesetzt. Trotz allem hatte das Stück einige Längen und tiefere Bedeutung und aktuelle Bezüge blieben eher im Hintergrund. Sie klangen vereinzelt an, als „Rattengift“ über die „unerlässliche Quote klagte“, als der Teufel seine Schulden mit amerikanischen Hypothekenpapieren bezahlen wollte.

Ähnlich gut besucht wie die Erwachsenenvorstellung war die Kinderoper „Hänsel und Gretel“ am Nachmittag. Sie wurde von der „music-box Freiburg“ präsentiert, die derzeit gemeinsam mit dem Verein „Theater 1098“ auf Tournee ist.

Die Kinder von etwa drei bis zwölf Jahren wurden von den Akteuren aufgefordert, als Bäume, Nebelfrauen, Engel oder in verschiedenen anderen Rollen mitzumachen. An diese Aufgabe wurden sie dann auch sehr behutsam herangeführt: Zuerst wurde ein gemeinsames Tänzchen absolviert, und selbst Hänsel gab vor der Aufführung zu, dass er Lampenfieber habe. Bei der abschließenden Besichtigung des Hexenhäuschens galt das größte Interesse der Kinder dem Ofen – und natürlich auch den Gummibärchen, die es für alle gab.