Lokales

Spektakulärer "Tanten"-Besuch

Das Oldtimer-Fliegertreffen auf der Hahnweide begann gestern Mittag mit einer Sensation: Weltweit einmalig fanden sich fünf Junkers Ju 52 zu einer Großformation zusammen, um das Kirchheimer Segelfluggelände anzusteuern. Die Veranstalter des Treffens, die Fliegergruppe Wolf Hirth, erwartet über 800 Piloten mit rund 400 "fliegenden Kisten".

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Von Ferne war ein leichtes Grummeln zu hören, das langsam, aber stetig aus Richtung Osten anschwoll. Und dann tauchten am Horizont unterhalb des Breitensteins die fünf länglichen Silhouetten der Junkers Ju 52 auf, zunächst im Modellbau-Maßstab, dann immer größer werdend. Die Kameras der Fernsehteams und Objektive der zahlreichen Fotografen richteten sich gen Teck aus. Das monotone Brummen der 15 650-PS-Sternmotoren wurde immer lauter und dann "schwebten" sie über das Segelfluggelände der Fliegerstadt: Angeführt von der Traditions-Ju 52 der Lufthansa mit der historischen Kennung D-AQUI folgten die vier "alten Tanten" der Schweizer Ju-Air. "Ein Flugbild, wie es weltweit einmalig ist", so Moderator Jörg Lohmann (siehe Jean-Luc Jacques-Foto).

Vier Überflüge absolvierten die fünf Junkers Ju 52 zur Begeisterung des zahlreichen Publikums. Und nach dem Pflichtprogramm folgte die Kür. Der Chefpilot der Lufthansa-Junkers, Uwe Karsten Badow, und seine Crew zeigten in einem "Solo-Display", was mit dem Dessauer Klassiker des Reiseflugverkehrs der 30er-Jahre alles möglich ist. Nicht umsonst galt die Ju 52 als eines der sichersten Verkehrsflugzeuge ihrer Zeit und genoss deshalb einen legendären Ruf.

Die erste Maschine ging 1932 mit unverkleidetem Mittelmotor in die Flugerprobung und wurde beim ersten öffentlichen Erscheinen 1932 anlässlich des internationalen Alpenfluges im Wettbewerb der Verkehrsflugzeuge Sieger. Die 15- bis 17-sitzige Junkers machte in den folgenden Jahren rund 75 Prozent der Lufthansa-Flotte aus und wurde in 25 Länder exportiert, wo sie von 30 Gesellschaften geflogen wurde.

Bereits am Donnerstagnachmittag landete die Messerschmitt Me 109 mit Walter Eichhorn am Knüppel auf dem Segelfluggelände. Auch Mikael Carlsons Bleriot XI La Manche aus dem Jahre 1914 steht schon fein säuberlich aufgebaut auf dem Hahnweidrasen, neben drei russischen Yaks, einer amerikanischen Piper L 4, einer Dornier Do 27, einer Globe Swift, einer North American T 6, einer Klemm 35, einer französischen Broussard, einer Kruk, dem ehemaligen Agrarflugzeug aus der DDR und zahlreichen Doppeldeckern, deren Piloten ebenfalls das traumhafte Flugwetter der letzten Tage zur Anreise auf die Hahnweide nutzten.

Nach der Junkers-Formation landete gestern Nachmittag auch der Pilot mit dem weitesten Anflug Hans-Petter Furre aus Oslo. Zuvor nutzten Oldtimer-Segler wie das Grunau Baby oder der Zögling das thermische Wetter und ließen sich von der Vereins-Husky unter die Wolken über dem Segelfluggelände ziehen. Weitere Gleiter aus den Anfängen der Segelfliegerei sind angekündigt. So die Minimoa, die Gö 4, der Doppelraab, der Kranich, der L-Spatz, die Olympia Meise, der Rhönsperber, die SG 38 und viele andere.

Heute können die Oldies von 7.30 bis 9 Uhr am Platz besichtigt werden. Zwischen 10 und 13 Uhr starten die die Ju 52 und die Antonov zu Rundflügen und die restlichen Teilnehmer fliegen die Hahnweide an. Das Flugprogramm des heutigen Tages beginnt um 11 Uhr. Bis 18 Uhr werden Demonstrationsflüge und Vorführungen im Segelflug, Kunstflug und Formationsflug gezeigt.

Auch morgen können Flugzeugfans die raren Stücke auf dem Segelfluggelände besichtigen, und zwar von 7.30 bis 9 Uhr. Von 10 bis 11 Uhr stehen Rundflüge mit der Ju 52 und der Antonov auf dem Programm. Die Flugvorführungen beginnen um 11 Uhr und dauern bis 17.30 Uhr.

INFOFür Besucher sind ausreichend Parkplätze vorhanden. Ein Bus-Shuttle ist am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag zwischen den Parkplätzen "Markt-Kauf", "Trafo-Union", Industriegebiet Kruichling, Omnibusbahnhof, Hahnweide-/Ziegelstraße und dem Fluggelände eingerichtet.