Lokales

Spektakuläres Szenario an historischer Stätte

An historischer Stelle im Herzen der Stadt fand am Samstag die Hauptübung der Kirchheimer Freiwilligen Feuerwehr statt. Im Kunsthöfle hinter der Volksbank war am 3. August 1690 der große Stadtbrand ausgebrochen. Nun hatte man sich ein Szenario im modernen Bankgebäude ersonnen. Ursache eines "Brandes" war schlicht eine nicht ausgesteckte Kaffeemaschine.

BARBARA GOSSON

Anzeige

KIRCHHEIM In seiner Begrüßung freute sich Dieter Helber vom Vorstand der Volksbank, dass man gerade das Bank-Gebäude ausgewählt hatte. Dies zeige auch die Verbundenheit seines Institutes mit der Feuerwehr. Folgendes Drehbuch lag der Übung zu Grunde: Ein Angestellter der Volksbank hatte vergessen, eine Kaffeemaschine auszustecken. Durch einen technischen Defekt entsteht ein "Brand", der durch Sauerstoffmangel in einen Schwelbrand übergeht. Als zwei Mitarbeiter, die zur Umrüstung der EDV am Samstag in der Volksbank sind, die Tür öffnen, kommt es durch die schlagartige Luftzuführung zum so genannten "Backdraft", einer schlegartigen Verpuffung. Dabei wird ein Mitarbeiter schwer verletzt. Der andere kann, ebenfalls verletzt, noch die Kollegen warnen. Über die Brandmeldeanlage wird die Feuerwehr alarmiert.

Der Alarm ging später los als eigentlich geplant, weil ein Marktstand nicht rechtzeitig abgebaut wurde. Statt wie vorgesehen um 15.05 Uhr erreichte der Alarm die Feuerwehr um 15.15 Uhr. Als erster kam Feuerwehrabteilungskommandant Michael Grininger als Einsatzleiter mit dem Kommandowagen zwei Minuten nach dem Alarm auf dem Marktplatz an. Die anderen Fahrzeuge kamen aus dramaturgischen Gründen in Minutenabständen zur Volksbank, das letzte traf um 15.24 ein. Insgesamt waren von der Feuerwehr 45 Männer und Frauen mit sieben Fahrzeugen, dazu drei Streifen der Polizei und ein Rettungswagen des Roten Kreuzes im Einsatz. Durch ein großes Rohr rauchte es kräftig aus einem Fenster im dritten Obergeschoss. Moderator Frank Schweizer erläuterte nicht nur das Geschehen, sondern gab auch wertvolle Tipps zum Verhalten im tatsächlichen Brandfall.

Weil der Feuerwehr von den großen Gebäuden der Stadt Pläne besitzt, konnte die Lage relativ schnell erkundet werden. Ein "Angriffstrupp" unter Atemschutz drang durch das verrauchte Treppenhaus zu den Verletzten vor. Ein Mann in Atemschutz kam von außen über den Korb der Drehleiter durch das Fenster ins Haus, um die Menschen zu beruhigen. Mit etwas Verzögerung stieg der erste Verletzte vor dem Rauch durch eine so genannte Fluchtmaske gesichert in den Korb ein. Unten wurde währenddessen ein Sprungretter aufgeblasen, dessen Funktion aber nur mit einem Sandsack demonstriert wurde. In den zweiten Stock stiegen die Feuerwehrleute mit einer Schiebeleiter ein. Personen, die über diese Leiter evakuiert wurden, waren durch Seile gesichert. Um das Treppenhaus rauchfrei zu bekommen, installierte die Wehr unterdessen einen Hochleistungslüfter. Das ermöglichte den eingeschlossenen Personen Mitglieder der Jugendfeuerwehr das Gebäude durch die Türe zu verlassen. Ein Schwerverletzter eine Schaufensterpuppe wurde von Rot-Kreuz-Helfern gerettet.

Probleme gab es mit der Drehleiter: Sie war erst kürzlich aus der Inspektion beim Hersteller gekommen, nun gab es schon wieder Schwierigkeiten mit der Hydraulik. Im Ernstfall müsste eine Leiter aus Nürtingen oder Plochingen kommen, so Schweizer. Erst 2008 sei eine Ersatzbeschaffung des Anfang der 80er Jahre gekauften Gerätes geplant. "Die Drehleiter ist sehr wichtig", betonte Pressesprecher Andreas Schwarz. Sie werde im gesamten Hinterland gebraucht und sei bei der dichten, hochgeschossigen Bebauung in der Stadt unverzichtbar.

Trotz der Schwierigkeiten gelang es noch, einen speziellen Schlauch anzuschließen und das Löschen vom Korb aus zu zeigen. Während die Feuerwehr ihre Gerätschaften wieder verstaute, wurde den Zuschauern auf eindrucksvolle Art gezeigt, warum man in Brand geratenes Öl in einer Pfanne nicht mit Wasser löschen darf. Die entstehende Verpuffung, so Grininger, wird mit jeder Einbauküche fertig. Ein Liter Wasser werde schlagartig zu 1700 Litern Wasserdampf. Besser sei es, dem Feuer den Sauerstoff zu entziehen und die Pfanne einfach abzudecken. Anschließend demonstrierte er, wie man eine in Brand geratene Person löscht. "Es ist unser Hobby, anderen zu helfen", warb der Einsatzleiter um neue Mitglieder. Ein jeder sei bei der Feuerwehr willkommen.

In einer anschließenden Manöverkritik erläuterte Stadtbrandmeister Roland Schultheiß das Szenario nochmals. Öffentlich Kritik üben mochte er nicht, das soll hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die defekte Drehleiter werde man wohl am Montag wieder in die Werkstatt bringen. Er hob die Wichtigkeit von Rauchmeldern hervor und erklärte, die Brandbekämpfung unter Atemschutz im Inneren des Gebäudes sei normal verlaufen. "Schön, dass es mal wieder eine Hauptübung in der Innenstadt gab und dass so viele Leute gekommen sind", lobte Schultheiß. "Das sollten wir öfter machen."

Für die Stadt sprach der stellvertretende Bürgermeister Walter Aeugle. Es sei wichtig, dass sich Bürger und Gemeinderäte ein Bild von der Einsatzkraft der Feuerwehr machen könnten. Seit zehn Jahren sei der Etat der Feuerwehr nicht gekürzt, aber auch nicht erhöht worden. "Die Sicherheit der Ehrenamtlichen geht vor", so Aeugle. Bilder der Hauptübung gibt es im Internet unter www.feuerwehr-kirchheim.de zu sehen.