Lokales

Spielende Kinder und marschierende Soldaten

KIRCHHEIM Es muss schon ein tolles Gefühl sein, auf dem Podest zu stehen und in eine bis zum letzten Platz besetzte Ulrichskirche zu schauen. Der Kinderchor der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim hatte am Sonntag die Möglichkeit dazu. Auf dem Programm stand das Singspiel "David und Goliath" von Dietrich Lohff.

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Ganz kleine und ganz große Menschen waren gekommen, um die Geschichte von David und Goliath zu hören. Doch wer glaubt, dass es nur bei dieser alten Geschichte blieb, hatte sich getäuscht. Man konnte die Erwartung und Spannung spüren, beim Kinderchor sowie bei den Zuhörern.

Bei der Begrüßung erklärte Thomas Specker, Chorleiter des Kinderchors und hauptamtlicher Kirchenmusiker, dass die Thematik des Stückes nicht nur musikalisch, sondern auch textlich erarbeitet werden musste. Aber gerade durch den krassen Gegensatz der bisweilen derben Sprache und der Sprache der Psalmen entfaltete das Werk erst seine eigentliche Wirkung. Weitere Gegensätze fand man im Bühnenbild fröhliche, spielende Kinder auf der einen, Panzer und marschierende Soldaten auf der anderen Seite, sowie im Stück selber. David, als Held gepriesen, und doch ausgelacht und verhöhnt selbst von seinem Bruder. Wie es wohl unseren Kindern in seiner Situation gegangen wäre?

Winfried Müller in der Rolle des Sprechers begann mit großer Überheblichkeit in der Stimme, das Publikum auf die Geschichte von David und Goliath einzustimmen. Eine Überheblichkeit, die Erwachsene Kindern gegenüber gerne an den Tag legen. Aber die Kinder, verteilt im Publikum sitzend, gingen sehr selbstbewusst dazwischen, war es doch eine Geschichte, in der endlich ein Kind gegen einen Erwachsenen gewann. Sie forderten den Sprecher auf, in eine zweite Rolle zu schlüpfen er musste den Goliath spielen.

Der Reiz des Stückes lag darin, dass die biblische Geschichte von David und Goliath in die heutige Zeit übertragen wird. Ein Wechsel nicht nur zwischen der alten und der neuen Zeit, sondern auch zwischen gesungenen und gesprochenen Texten. Man hörte grausame Geschichten. Realität, leider nicht nur in der Vergangenheit. Doch die Kinder verstanden es, die Texte zu hinterfragen und den Umgang zwischen Kindern und Erwachsenen in einer liebenswerten pfiffigen Art auf den Punkt zu bringen.

Die über 50 Kinder und Jugendlichen hatten sichtlich ihren Spaß an diesem Stück. Man konnte die Begeisterung auf ihren Gesichtern sehen und in ihren Liedern hören. Ganz deutlich wurde herausgearbeitet, auf was es den Kindern ankommt und was sie auf keinen Fall wollen. Die Sicherheit, mit der der Kinderchor Präsenz zeigte und mit welchem Engagement die Kinder und Jugendlichen bei der Sache waren, ließ Freude aufkommen. Allein die Tatsache, dass das einstündige Singspiel komplett auswendig präsentiert wurde, war schon eine sehr beachtliche Leistung. Nicht einmal der anwesende Komponist hatte sein Werk bisher zweistimmig gehört.

Eine glückliche Hand bewies Thomas Specker in der Besetzung der Solisten und Hauptdarsteller. Man hatte das Gefühl, die Rollen waren den Kindern und Jugendlichen wie auf den Leib geschnitten. Die Soloparts im "Klagelied vom Kleinsein", gesungen von Alexander Egle und Konstantin Specker, ließen erkennen, mit welch einer Bürde das Kleinsein verbunden ist. Doch die zwei haben an dieser Stelle ihre wahre Größe bewiesen. Bewundernswert auch, mit welcher Ruhe Katharina Egle den Psalmvers, selbst in der Höhe sehr sauber intoniert, gesungen hat. Samantha Müller hatte in der Rolle des Davids ihren großen Auftritt. Ihr Lied, sehr sicher und selbstbewusst im Wechsel mit dem Chor vorgetragen, ließ selbst Goliath schwach werden oder lag es an der Vaterrolle? Winfried Müller war für die Rolle des Goliaths geradezu prädestiniert. Sein Körperbau, seine gesanglichen und theatralischen Fähigkeiten beließen es nicht bei einer Rolle Goliath begann zu leben. Dass es im Kinderchor auch schauspielerische Talente gibt, bewiesen Viktoria Egle, Katharina Frank, Evi Kässbohrer, Eduardo Mandarano und Andreas Specker. Ihre fröhliche, lockere Art brachten die Zuhörer immer wieder zum Lachen. Irmtraud Fuchs hatte ihren Part am Klavier, den sie mit Bravour, sowohl in der einfühlsamen Begleitung des Chores, als auch bei den fetzigen Zwischenstücken, meisterte.

Doch die Fäden hatte Thomas Specker in der Hand. Sicher leitete er die ganze Mannschaft durch dieses Stück. Mit viel Liebe zum Detail hat er es verstanden, das Optimale aus den Mitwirkenden herauszuholen. Unterstützt wurde er dabei in bewährter Weise von Monika Znaimer, die mit einfachen, aber sehr wirkungsvollen Mitteln Regie führte, und von Wolfgang Znaimer, der das eindrucksvolle Bühnenbild entworfen hat. Johannes Stortz am Mischpult sorgte für den "guten Ton". Mit dem Schlusslied kommt der Komponist zur eigentlichen Botschaft: Was wäre, wenn Kinder das Sagen hätten? Bliebe es beim Traum von einer anderen Welt, oder dürften sie sich auf eine große Friedenszeit freuen? Die Zuhörer waren begeistert.

Herzlicher Applaus und laute Zurufe entlockte den Kindern und Jugendlichen eine Zugabe. Begegnen wir den Kindern unserer Welt mit mehr Respekt und treffen wichtige politische Entscheidungen so, dass die Kinder eine lebenswerte Zukunft haben, dann kann ihr Traum in Erfüllung gehen.

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