Lokales

Spielerisch erfahren, was Toleranz heißt

Beim Lenninger „Straßenfußball für Toleranz“ zählt neben den Toren im Sinne des Fair Play auch soziales Verhalten

Um das soziale Miteinander zu fördern, ohne belehrend zu wirken, veranstaltet der Kreisjugendring Esslingen eine Mini-EM für Zehn- bis Sechzehnjährige in den Gemeinden. Unter dem Motto „Straßenfußball für Toleranz“ wurde am Freitag auch in Lenningen gegen das runde Leder getreten.

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BERENIKE NORDMANN

Lenningen. „Toleranz? Interessiert mich nicht,“ oder „Keine Ahnung was das heißt,“ – solche Aussagen hört man nicht nur von Heranwachsenden in Großstädten, sondern auch in ländlichen Regionen. Heute ist für viele Jugendliche ein toleranter Umgang mit anderen Menschen kein Thema.

Elf Teams mit jeweils vier Spielern waren zum Qualifikationsspiel in Lenningen angemeldet. Wie bei einer richtigen Meisterschaft gab es lokale Sponsoren, durch die unter anderem T-Shirts für die Mannschaften finanziert wurden. Jede Mannschaft vertrat ein europäisches Land, das bei der richtigen Europameisterschaft antritt. Zusätzlich durften sich die Teams einen eigenen Namen geben. Die beiden zwölfjährigen Mädchen Amela und Lisi spielten mit Mustafa und Ruben beispielsweise im Team der „White Cats“. Auf die Frage, ob sie sich sportlich vorbereitet hätten, antworteten die Mädchen verlegen, dass sie es ja vorhatten. „Aber leider hat es dann doch nicht mehr geklappt.“ Auf einem eigens für diese Veranstaltung aufgebauten „Street-Soccer-Court“ auf dem Parkplatz der Lenninger Sporthalle, sollten die Jugendlichen nach ganz besonderen Regeln Punkte und Tore erzielen. Eine Vo­raussetzung war, dass mindestens ein Mädchen in jeder Mannschaft kickte und dieses auch das erste Tor erzielen musste, bevor alle Tore gezählt wurden. Dadurch sollten in den Teams Frustrationstoleranz , Geduld und Teamgeist gefördert werden. Im Zeichen des Fair Play wurden zusätzlich zu den erzielten Toren extra Punkte für das soziale Verhalten während des Spiels vergeben. „Diese Punkte sind am allerwichtigsten,“ betonte Gabriel Braun vom Organisationsteam der offenen schulbezogenen Jugendarbeit in Lenningen.

Doch für die Jugendlichen stand vor allem der Spaß beim Spiel im Vordergrund, weshalb es anfangs so manchem Team schwer fiel, die Fair-Play-Regeln zu beachten. Ob diese Regeln eingehalten wurden, kontrollierten sogenannte Teamer, die zuvor an einer Schulung teilgenommen hatten. Dort lernten sie Konflikte zu schlichten und mit den Mannschaften die Spielergebnisse zu diskutieren.

Bei den einzelnen Spielbesprechungen und im Gespräch mit den Jugendlichen zeigte sich, wie wichtig Jugendarbeit und Programme sind, die Jugendliche zu sozialem Verhalten animieren und dort ansetzen, wo die Erziehung durch Schule und Eltern allein nicht weiterkommt. „Unser Ziel ist es, den Jugendlichen Toleranz auf einem anderen Niveau beizubringen. Die Kinder müssen lernen Regeln selbst zu achten, ohne dass man mit erhobenem Zeigefinger vor ihnen steht,“ erklärte Gabriel Braun. Da die Jugendarbeit außerhalb von Vereinen und kirchlichen Jugendgruppen in den vergangenen Jahren in Lenningen zu kurz kam, ist es den Jugendarbeitern ein Anliegen, weitere Veranstaltungen dieser Art anzubieten. Geplant ist beispielsweise eine Graffiti-Aktion gemeinsam mit der Polizei auf dem Skaterplatz in Lenningen. Die Zusammenarbeit mit den Beamten ist deshalb wichtig, um einerseits unansehnlichen Schmierereien vorzubeugen und andererseits die Aktion in einem legalen Rahmen zu gestalten. Die genannten Veranstaltungen bieten Jugendlichen gleichzeitig eine Plattform und einen Ort, an dem sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten können. Aus diesem Grund war das Straßenfußballturnier so konzipiert, dass sich der Spielort im öffentlichen Raum befindet. Dort wird die Aktivität für Publikum jeden Alters zugänglich und lässt neue soziale Treffpunkte entstehen. Neben Spielern und Zuschauern waren es die Jugendlichen selbst, die an diesem Tag für das leibliche Wohl sorgten. So verkauften Monika und Christina, beide elf Jahre alt, selbst gemachte Waffeln und verwalteten die Einnahmen. Der Erlös davon wird weiteren Großprojekten der Jugendarbeit zugute kommen.

Im Finale des Qualifikationsspiels gewann in der Altersgruppe der Zehn- bis Dreizehnjährigen das Team der „Lenninger Streetkickers“. In der Kategorie der Jugendlichen bis 17 Jahre entschieden „Los Toccos“ das Spiel für sich. Die Gewinner werden im Juni nach Esslingen fahren, wo sie gegen Mannschaften anderer Gemeinden antreten werden.