Lokales

Spielräume statt "Käseglocke"

Dass die Fläche des künftigen EU-Vogelschutzgebiets auf Dettinger Gemarkung um 34 Hektar schrumpft, steht bereits fest. Zufrieden geben möchte sich die Gemeinde mit diesem Erfolg aber noch nicht: Sie beantragt nun, dass weitere 25 Hektar im Gewann Rosswasen und Hinterlohrnwiesen aus der Kulisse herausgenommen werden.

BIANCA LÜTZ

Anzeige

DETTINGEN "Die im Vogelschutzgebietsvorschlag ausgewiesenen Flächen im Gewann Rosswasen und Hinterlohrnwiesen sind aus naturschutzfachlichen Gründen falsch und müssen aus dem Gebietsvorschlag herausgenommen werden", lautet der Antrag der Dettinger Verwaltung, dem der Gemeinderat in jüngster Sitzung einmütig zustimmte. "Das Habitat für den Halsbandschnäpper fehlt dort", bezog sich Jochen Sokolowski, Leiter des Technischen Bereichs im Dettinger Rathaus, auf die 25 Hektar große Fläche südlich des Guckenrains. Die Brutplätze des geschützten Vogels seien weit davon entfernt. In der aktuellen zweiten Beteiligungsstufe soll nach dem Willen der Kommune die Außengrenze des Vogelschutzgebiets deshalb an die Grenze des dortigen Landschaftsschutzgebiets zurückgesetzt werden.

Erste Erfolge hatte die Schlossberggemeinde im ersten Beteiligungsverfahren erzielt: Das Land stimmte zu, einige Flächen aus der vorgesehenen Schutzzone für Halsbandschnäpper, Rotmilan und Co. herauszunehmen, weil sie den bedrohten Vogelarten gar nicht als Lebensraum dienen. Dazu gehört etwa ein Neubaugebiet südlich der Teckstraße sowie eine potenzielle Gewerbegebietsfläche nahe der Autobahn.

Auch das Schul- und Sportgebiet inklusive Tennisanlage fiel heraus, weil dort bereits ein rechtskräftiger Bebauungsplan besteht. Insgesamt schrumpfte damit das anfänglich 1029 Hektar große geplante Schutzgebiet das ursprünglich 68 Prozent der Dettinger Gemarkungsfläche umfasste um bislang 34 Hektar.

Aus Sicht der Verwaltung ist Dettingen nicht so stark von Einschränkungen durch das Vogelschutzgebiet betroffen wie andere Gemeinden. "Wir sind noch glimpflich davongekommen, versuchen aber trotzdem, uns Spielräume zu schaffen", sagte Bürgermeister Rainer Haußmann. Das schließe den Naturschutz nicht aus. Wenn jedoch das Vogelschutzgebiet stehe, sei "die Käseglocke drüber" und eine Bebauung nicht mehr möglich.

Insbesondere ärgert sich Haußmann über das Vorgehen. Das Land habe die Meldung von Vogelschutzgebieten über 20 Jahre lang verschleppt und die Kommunen und Grundstücksbesitzer jetzt unnötig unter Zeitdruck gebracht. "Wir sind auch der Meinung, dass es andere Flächen in Baden-Württemberg gibt, die gar nicht so gründlich untersucht worden sind."

INFOIn der aktuellen zweiten Beteiligungsstufe können auch Bürger und Grundstücksbesitzer noch bis einschließlich 31. Januar Stellung zum EU-Vogelschutzgebiet beziehen.