Lokales

Sporadisch wird zweckentfremdet

In Nabern gab es gestern den ersten Baggerbiss für den Neubau der Gießnauhalle

Ganz Nabern hatte lange auf diesen Tag gewartet: Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker hat gestern den roten Punkt für den Neubau der Gießnauhalle gebracht und dann auch gleich tatkräftig ein Zeichen für den Beginn der Bauarbeiten gesetzt.

Spatenstich / Baggerbiss Gie§nauhalle mit OberbŸrgermeisterin Angelika Matt-Heidecker am Steuer
Spatenstich / Baggerbiss Gie§nauhalle mit OberbŸrgermeisterin Angelika Matt-Heidecker am Steuer

Andreas Volz

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Kirchheim. Der erste Baggerbiss für die neue Naberner Gießnauhalle war eher ein Baggerriss, denn Kirchheims Oberbürgermeisterin konn­te dabei auch einmal destruktiv tätig werden: Sie begann damit, das leerstehende Gebäude neben der alten Gießnauhalle einzureißen. Die alte Halle selbst dagegen muss ihrem Nachfolgebau vorerst nicht weichen. Denn erst im Spätsommer oder Herbst 2013, wenn die neue Gießnauhalle rechtwinklig zur alten eingeweiht sein wird, hat die bisherige Gießnauhalle endgültig ihre Schuldigkeit getan. Bis dahin steht die 50 Jahre alte Halle den Nabernern weiterhin für die unterschiedlichsten Zwecke zur Verfügung.

Allerdings erhalten sie mit dem Neubau keine Mehrzweckhalle mehr, wie Angelika Matt-Heidecker in ihrer Rede zum anstehenden Baggerbiss verschmitzt ausführte. Die neue Gießnauhalle werde vielmehr eine „Sporthalle mit sporadisch zweckfremder Nutzung“. Wie immer aber der korrekte Terminus technicus lauten mag – den neuen Nutzern dürfte es in 15 Monaten ziemlich egal sein, unter welcher Oberbezeichnung sie Sport treiben oder Feste feiern. Wichtig ist allein, dass die neue Halle die alte ersetzt, die nicht mehr den Ansprüchen an eine moderne Mehrzweckhalle genügt.

1962 erbaut und 1975 erweitert, könnte die alte Gießnauhalle dieses Jahr eigentlich den 50. „Geburtstag“ feiern. Stattdessen bleibt ihr jetzt noch eine gewisse Gnadenfrist, bevor sie nach Fertigstellung ihres Nachfolgebaus überflüssig wird. Grundsätzlich und mustergültig hat der Barockdichter Andreas Gryphius bereits vor 375 Jahren solche Zusammenhänge beschrieben: „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein.“

Daraus folgt, dass auch die neue Gießnauhalle nicht für die Ewigkeit gebaut werden dürfte. Aber immerhin heißt es im Zuwendungsbescheid für den Landeszuschuss in Höhe von 436 000 Euro: „Die Zweckbindung wird auf 25 Jahre festgeschrieben.“ Und die Oberbürgermeisterin fügte in ihrer Ansprache hinzu: „Wir blicken gemeinsam über diesen Horizont von 25 Jahren hinaus.“

Nicht ganz 25 Jahre, aber dafür mehr als 22 Jahre lang war der Naberner Helmut Kapp Mitglied des Kirchheimer Gemeinderats. Sein Ausscheiden aus dem Ratsrund hatte er bewusst auf den Zeitpunkt gelegt, an dem der Neubau der Gießnauhalle ansteht. Deshalb war er es auch, der stellvertretend für den Ortschaftsrat von Angelika Matt-Heidecker den roten Punkt überreicht bekam – also die Baufreigabe, ohne die der Baggerbiss nicht hätte erfolgen dürfen.

An Kosten nannte die Oberbürgermeisterin 3,2 Millionen Euro, die nach der ersten Kostenschätzung 2008/2009 zur Debatte standen und die sich bis zur Kostenberechnung deutlich steigerten: auf 4,2 Millionen Euro. Am Raumbedarf sei aber nicht zu rütteln gewesen, sodass die einzige Möglichkeit darin bestand, an der Technik noch gewisse Kosten einzusparen, insgesamt rund 260 000 Euro. Aktuell liegen die Kostenberechnungen bei 3,99 Millionen Euro und damit knapp „unterhalb der magischen Vier-Millionen-Euro-Grenze“, wie Angelika Matt-Heidecker sagte.

Nach Nabern sei sie sehr gerne gekommen, zum Baubeginn der neuen Gießnauhalle. Aber auch am Vortag habe sie sich bereits sehr gerne in Nabern aufgehalten – hatte sie doch vor Ort erfahren, dass der Standort Nabern als Brennstoffzellenzentrum langfristig gesichert ist. Es gehe sogar darum, über Erweiterungen des Industrieparks nachzudenken.

Vorerst allerdings werden in Nabern die Sport- und Freizeitmöglichkeiten erweitert. Ortsvorsteherin Susanne Jakob sprach von einem langgehegten Wunsch aller Naberner, der jetzt in Erfüllung gehe: „Noch vor einem Jahr hätte sich niemand träumen lassen, dass wir heute den Startschuss für den Hallenneubau feiern dürfen.“ Eine wesentliche Grundbedingung für den Neubau war nämlich der bereits erwähnte Zuwendungsbescheid, der längere Zeit auf sich warten ließ und der auch mehrere Antragstellungen benötigte.

Susanne Jakob dankte nun nicht nur dem Land Baden-Württemberg für den Zuschuss, sondern auch der Stadt Kirchheim, die finanziell die Hauptlast an diesem Großprojekt zu tragen hat. Eine wichtige Funktion der neuen Gießnauhalle für Nabern sah die Ortsvorsteherin bereits beim Baggerbiss voraus: „Die neue Halle würdigt das große ehrenamtliche Engagement, das hier stattfindet.“