Lokales

Sportler duschen vorerst im Container

Das Saisonfinale der Basketball-Regionalliga war die erste Belastungsprobe für die wiedereröffnete Sporthalle Stadtmitte. Sie hat bestanden und steht jetzt dem Sportbetrieb wieder zur Verfügung. Einschränkungen gibt es aber noch auf längere Zeit hinaus im Sanitärtrakt: Duschen und Umkleideräume sind provisorisch in Containern auf dem Parkplatz untergebracht.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Ein besonders aufmerksamer Zuschauer beim Heimsieg der meisterlichen VfL-Basketballer gegen Schwenningen war Bürgermeister Günter Riemer. Zwei Tage vor der "Premiere" hatte er noch Bedenken, dass das Spiel möglicherweise gar nicht in der Sporthalle Stadtmitte stattfinden könne: An einigen Stellen war der Boden nach dem Wasserschaden komplett ausgewechselt worden, und der Belag hatte "auf einzelnen Feldern eine andere Rauigkeit wie ein feines Schmirgelpapier".

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Diese Flächen, die vielleicht eineinhalb bis zwei Quadratmeter groß sind, seien noch einem "künstlichen Altern" unterzogen worden durch Polieren und Glätten. Deshalb hat Günter Riemer die Vorgänge auf dem Spielfeld in der Sporthalle Stadtmitte genauso intensiv beobachtet wie das Spielfeld selbst besonders wenn die Sportler oder der Ball gerade über den entsprechenden Flächen agierten. Mit einer gewissen Erleichterung zieht er folgendes Fazit: "Beim Spiel war in den Bewegungsabläufen nichts zu sehen, was die Spieler beeinträchtigt hätte."

In den vergangenen Wochen war das Wasser wie geplant aus den Versorgungskanälen über kleinere Löcher im Boden abgesaugt worden. Anschließend kam wieder Trockenluft zum Einsatz, um die Feuchtigkeit aus der Unterkonstruktion "in Tröpfchenform" aufzunehmen und abzuleiten. Im westlichen Teil der Halle, der von der Alleenschule aus gesehen weiter hinten liegt, sei der Boden ganz aufgemacht worden, weil korrodierte Heizungsrohre auszutauschen waren.

"In den gefährlichen Bereichen haben wir jetzt Leckagemelder eingebaut", berichtet Günter Riemer weiter. Durch diese Sensoren, die bei einem erneuten Ernstfall Wasser melden würden, solle ausgeschlossen werden, dass sich künftig wieder einmal über einen längeren Zeitraum hinweg unbemerkt Wasser ansammeln kann. "Theoretisch dürfte dort sowieso kein Wasser sein", fügt Bürgermeister Riemer hinzu. Andererseits würden die Firmen, die mit der Bodentrocknung in der Kirchheimer Sporthalle beauftragt waren, "bezeugen, dass wir nicht allein sind mit unserem Problem".

Auch der Grundwasserspiegel wurde inzwischen überprüft, um ausschließen zu können, dass Wasser von außen eindringt. Das Ergebnis klingt beruhigend: "Der Grundwasserspiegel liegt deutlich unter dem Fundament."

Mit der genauen Ursache für den Wasserschaden, der zur Schließung der Sporthalle Stadtmitte zwischen Ende Januar und Ende März geführt hatte, befasst sich zurzeit ein Gutachter am Kirchheimer Amtsgericht, im Zuge des Beweissicherungsverfahrens. Wie viel Zeit die Beweissicherung noch in Anspruch nehmen wird, weiß Günter Riemer noch nicht. Nur so viel ist ihm bekannt: "Der beauftragte Gutachter arbeitet zügig. Aber er kann uns als Betroffenen keine Auskünfte geben."

Ziel des ganzen Verfahrens ist es, einen Verantwortlichen für den Schaden zu finden. "Da geht es um Schadensersatz", spricht Riemer eine besonders heikle Frage an. Auf die Stadt Kirchheim kämen diesbezüglich allerdings keine finanziellen Forderungen zu. Über eine Versicherung seien Schäden abgedeckt, die durch Schadhaftigkeit im Wasserversorgungs- sowie im Wasserentsorgungssystem entstehen: "Die Versicherung zahlt und wird sich dann gegebenenfalls schadlos halten." Sollte sich der ursprüngliche Verdacht bestätigen, dass der Wasserschaden auf einen Produktfehler der Duschsäulen zurückzuführen ist, dann sähe sich die Herstellerfirma also Regressforderungen ausgesetzt.

Bis die Schadensersatzfrage endgültig geklärt ist, wird es sicherlich noch lange dauern. Für den Wasserschaden vom Herbst 2001, der die Sporthalle Stadtmitte schon einmal über mehrere Wochen hinweg "stillgelegt" hatte, steht immer noch eine rechtskräftige gerichtliche Klärung aus. Aber solange nun im aktuellen Schadensfall die Beweissicherung eben nicht abgeschlossen ist, können auch die Arbeiten zur Sanierung des Sanitär- und Umkleidetrakts nicht in Angriff genommen werden. "Da sind uns die Hände gebunden, wir sind nicht Herr des Verfahrens", bedauert Riemer, dass der Sportbetrieb wohl noch für einige Zeit mit einer Übergangslösung zurechtkommen muss.

Hinter der Halle stehen derzeit Container, die provisorisch den Umkleidetrakt ersetzen einschließlich Duschen und Toiletten. "Den Schulsport würde es wohl weniger treffen, wenn es keine Duschen gibt", mutmaßt Günter Riemer. Was aber Schule und Vereinen gleichermaßen zugute kommt, ist die Möglichkeit, in der Halle überhaupt wieder Sport treiben zu können. Der Zeitraum bis Ende März, der seit Januar für die Wiedereröffnung angepeilt war, ist exakt eingehalten worden.

"Ich bin froh, dass es gelungen ist, das Ganze so weit zu bringen", resümiert der Bürgermeister, "die beauftragten Firmen haben zügig gearbeitet und sich dabei nicht am Acht-Stunden-Tag orientiert." Deshalb gelten seit dieser Woche alle Unterrichts- und Trainingszeiten wieder wie gewohnt. "Die normalen Pläne sind wieder in Kraft, der Notfallplan ist ausgelaufen", kann Günter Riemer vermelden. "Wir fahren wieder völlig normal."

Natürlich seien die Container auch noch Teil eines gesonderten Notfallplans, aber immerhin sei der Mangel an Hallenkapazität zwischenzeitlich überwunden. Großes Lob zollt Günter Riemer nachträglich "allen, die bereit waren, zusammenzurücken". Damit ist die schlimmste Zeit überstanden, "falls uns nicht noch eine ,Überraschung' trifft". Für ganz Kirchheim und insbesondere für das sportbegeisterte Kirchheim wäre jetzt zu wünschen, dass die Sporthalle Stadtmitte und die VfL-Basketballer ihre jeweiligen Belastungsproben bei den Aufstiegsspielen zur zweiten Liga gleichermaßen mit Bravour bestehen.