Lokales

Sprachförderung, Integration und Nächstenliebe stehen obenan

Richtschnur soll das Leitbild der städtischen Weilheimer Kindergarten sein, das Erzieherinnen im Laufe eines Jahres in zahlreichen Diskussionsrunden entwickelt haben. Das Ergebnis, nachzulesen in einer handlichen Broschüre, wurde im Kindergarten Bahnhofstraße präsentiert.

ANKE KIRSAMMER

Anzeige

WEILHEIM "Gegenseitiger Respekt, Wertschätzung, Verantwortungsgefühl, Engagement, Hilfsbereitschaft, christliche Werte und Inhalte sind uns in unserer Arbeit wichtig", sagte die Leiterin des Kindergartens Bahnhofstraße, Gabi Jans. All diese Aussagen fanden Eingang im vorliegenden Leitbild, das in einer übersichtlichen und ansprechend gestalteten Broschüre zusammengefasst ist. Vorgestellt wurde das Heft im Kindergarten Bahnhofstraße im Beisein von Vertretern der Kindergärten, der Verwaltung, des Gemeinderats, der Kirchen, Schulen und nichtstädtischen Kindergärten.

Den Anstoß zur Entwicklung eines Leitbildes hatten Erzieherinnen gegeben. "Kindergarten heißt schon lange nicht mehr nur spielen und basteln", betonte Gabi Jans. Die Vielschichtigkeit der Arbeit, die Anforderungen an die Erzieherinnen, die Resultate und Schlussfolgerungen aus den PISA-Studien und die Diskussion um Bildung hätten zu einer neuen Bewertung der Vorschularbeit geführt. In den Vordergrund rückten der Erwerb und die Stärkung von Kompetenzen.

Das Leitbild bezeichnete die Erzieherin als ein Instrument in dem Qualitätssicherungsprozess. Mit Hilfe von Bildern aus dem Kindergartenalltag veranschaulichte Gabi Jans die zusammengefassten Grundgedanken: Die Kinder sollen sich in den Einrichtungen wohlfühlen, erhalten eine ganzheitliche Förderung, erleben täglich Gemeinschaft und soziale Erfahrungen, werden auf die Schule vorbereitet. Den Eltern wird darin zugesagt, dass sie einen hohen Stellenwert einnehmen, bei der Erziehung des Kindes unterstützt werden und Einblick in die Arbeit bekommen.

Die Institution Kindergarten wird unter anderem als familienbegleitende Einrichtung für spielerisches Lernen sozialer Fähigkeiten beschrieben, und das Papier verweist auf die intensive Zusammenarbeit mit Schulen, Kirchen und verschiedenen Fachdiensten. Außerdem heißt es darin: "Wir sind offen für zukunftsfähige gesellschaftliche Veränderungen." Als Ziel gesteckt haben sich die Erzieherinnen: Entwicklung von Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, Stärkung sozialer Kompetenzen, Förderung der Sprache und Sprechfähigkeit, musisch-kreatives Erleben, Förderung im intellektuellen Bereich, Integration von Kindern aus verschiedenen Kulturen und Erziehung auf der Grundlage christlicher Werte und der Nächstenliebe.

Auch über die Erzieherinnen finden sich in dem Leitbild Aussagen. Sie beschreiben sich unter anderem als kompetent und qualifiziert, fühlen sich mitverantwortlich für die Entwicklung des Kinder und achten die Kinder als eigenständige Persönlichkeiten.

Bedarfsorientierte Öffnungszeiten, um Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können, werden in dem Leitbild ebenfalls genannt. Dazu gibt es neben Regelgruppen, die morgens und nachmittags geöffnet haben, Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten am Vormittag sowie eine Ganztagesgruppe.

Zum Auftakt der Präsentation hatte Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer die Bedeutung qualitativ guter Kindergärten herausgestrichen und das Leitbild als Grundlage der Arbeit begrüßt. Die Situation in der Limburgstadt untermauerte er mit Zahlenmaterial. Insgesamt gebe es in den fünf städtischen Kindergärten 15 Gruppen. Daneben besteht der Freie Kindergarten, der Waldkindergarten und der Verein Kinderspielgruppen Weilheim für Sprösslinge von zwei bis drei Jahren.

Diametral entwickelten sich Kinderzahlen und Zuschussbedarf. Lebten in Weilheim 1971 bei 6 700 Einwohnern noch 350 Jungen und Mädchen im Kindergartenalter, so sind es in Hepsisau und Weilheim zusammen derzeit 294 Kinder bei einer Einwohnerzahl von 9 500. Der Zuschussbedarf für die Kindergärten sei von rund 85 000 Euro im Jahr 1975 auf aktuell knapp 715 000 Euro gestiegen.

Mit dem Leitbild in Händen gehen die Weilheimer Erzieherinnen seit September vergangenen Jahres bereits einen zweiten Schritt: In Konzeptionen für jeden einzelnen Kindergarten sollen für Kinder, Eltern, Mitarbeiter, Träger und die Öffentlichkeit inhaltliche Schwerpunkte beschrieben werden.