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Sprudelnde Karstquellen und verborgene Vulkanschlote

LENNINGEN Über Jurakalke und Verkarstung, Vulkanismus und Basalttuff informierte Philipp Felten von der Volunteersgruppe am Naturschutzzentrum Schopflocher Alb bei

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UTE FREIER

der geführten Wanderung "Gutenberg Feuer & Wasser", die die Entstehungsgeschichte des Oberen Lenninger Tals zum Thema hatte. Vom Wanderparkplatz Gutenberger Höhlen führte Felten, der begleitet wurde von Herbert Lipp, ebenfalls Mitglied dieser Volunteersgruppe, und von Florian Schlag, der momentan im Rahmen des Freiwilligen Ökologischen Jahres im Naturschutzzentrum mitarbeitet, die Gruppe an Schopfloch vorbei über die Albhochfläche. "Über uns fehlen rund 200 Meter, die sind buchstäblich den Bach runter', denn die einstigen Weißjura-Schichten wurden vom Wasser abgetragen", erklärte Philipp Felten das Landschaftsbild der so genannten Kuppenalb.

Wie die Alb entstand, machte er durch Skizzen und Grafiken deutlich: Vor rund 200 Millionen Jahren lagerten sich im warmen Jurameer, das damals auch das Gebiet der heutigen Alb bedeckte, Pflanzenreste und Unmengen kalkhaltiger Überreste der Meerestiere ab. Über Jahrmillionen wurden so die bis zu 600 Meter mächtigen Schichten des Schwarzen, Braunen und Weißen Juras aufgebaut. Gleichzeitig bildeten Schwämme auf dem Meeresgrund mächtige Riffe, sodass zwischen den horizontal geschichteten Kalken so genannte Massenkalke entstanden. Diese als Jurazeit bezeichnete Phase endete, als sich der Meeresboden hob und Land entstand. Damals setzte die Verwitterung ein, der sich die härteren Massenkalke widersetzten. Heute prägen die frei erodierten einstigen Schwammriffe als helle Felsen den Albtrauf, auch im Lenninger Tal rund um Gutenberg, wie von einem Aussichtspunkt oberhalb von Gutenberg schön zu sehen war.

Eine weitere wichtige Station in der "Geschichte der Alb" waren die tektonischen Verschiebungen vor rund 60 Millionen Jahren, wodurch sich die Alpen auffalteten und der Oberrheingraben einsenkte. Diese Bewegungen blieben nicht ohne Folgen für die Kalksteintafel der Alb: sie zerbrach in Schollen, und es entstanden zahllose kleine Klüfte.

"Die Alb ist wie ein Schweizer Käse", verdeutlichte Felten den heutigen Zustand, "denn sie ist verkarstet." Durch die Risse und Klüfte sickert das Regenwasser ein, das sich auf seinem Weg mit dem in der Luft und im Humusboden vorhandenen Kohlendioxid verbindet. Dadurch entsteht kohlensäurehaltiges Wasser, das die Eigenschaft hat, Kalk zu lösen. Risse und Spalten in den Kalkschichten werden dadurch ständig vergrößert, bis der einst oberirdische Wasserlauf unterirdisch verläuft. Das Wasser sammelt sich auf wasserundurchlässigen Schichten und tritt meist am Albrand in stark schüttenden Quellen aus. Zwei solcher Karstquellen gibt es in der nächsten Umgebung von Gutenberg: im Talschluss die Quelle der Gutenberger Lauter und am Nordhang die Höllsternquelle.

Doch nicht nur "sprudelnde Karstquellen" sondern auch "verborgene Vulkanschlote" sollten auf dieser Wanderung von der Albhochfläche hinunter nach Gutenberg zu sehen sein. Die Aussage von Philipp Felten, "wo wir jetzt stehen, war ein Vulkan", erschreckte die Zuhörer deshalb nicht. Außerdem, so Felten, ist es 17 Millionen Jahre her, dass in den Rissen und Spalten im Albkörper 1000 Grad Celsius heißes Magma nach oben drückte. Durch den Kontakt mit dem Grundwasser kam es zu Explosionen, bei denen Jurabrocken hinaus geschleudert wurden und ein Trichter entstand. Die Brocken fielen teilweise wieder zurück in den Basalttuff im Schlot. Wie diese Gesteinsmischung aussieht, ist an einer Stelle an der Gutenberger Steige zu sehen. Die Rundform des Schlots, einer von 350 des Schwäbischen Vulkans, ist jedoch nicht mehr zu erkennen, er wurde durch die Lauter abgetragen .

"Wir machen hier eine Führung, die sich nicht nur mit Wasser und Feuer beschäftigt", so Philipp Felten, und führte die Wanderer auch zu Stätten, die mit der Ortsgeschichte Gutenbergs in Verbindung stehen. Am nördlichen Talhang stand im Mittelalter eine Burg, die im Jahr 1285 erstmals erwähnt wurde und sich damals im Besitz der Herzöge von Teck befand. Das unterhalb der Burg liegende Dorf wurde 1360 zur Stadt erhoben und mit einer Stadtmauer umgeben, doch davon ist heute nichts mehr zu sehen. Auch von der Burg blieben nur spärliche Reste erhalten, denn sie brannte Ende des 16. Jahrhunderts ab. Noch zu erahnen ist die Lage der beiden Seen, in denen die Burgherren ihren Fischbedarf deckten: der Obere See befand sich in der Nähe der Lauterquelle, der Untere See unterhalb des Ortes.

Ebenfalls am nördlichen Talhang, nur wenige hundert Meter von der Burg entfernt, wurde im Jahr 1480 das Kloster am Heiligenberg erbaut. Hier lebten bis zur Auflösung des Klosters in Folge der Reformation nur einige wenige Franziskanermönche. Kirche, Kreuzgang und Kloster-Wohnhaus wurden anschließend bis auf wenige Mauerreste abgetragen, die heute mitten im Wald liegen.

Mehr zu sehen ist noch von den einst vier Mühlen, der Schopflocher, Zaininger, Donnstetter und Guten-berger Mühle. "Warum gab es hier so viele Mühlen? Weil es auf der Albhochfläche kein fließendes Wasser gab, das eine Mühle antreiben konnte", erklärte Philipp Felten diese Anhäufung. Jeweils in der zu ihrem Dorf gehörenden Mühle mussten die Dorfbewohner ihr Korn mahlen lassen, das die Müller mit Hilfe ihrer Esel abholten und als Mehl zurückbrachten. Die vier Mühlen liegen direkt hintereinander an dem zur Lauterquelle führenden Weg, wo dieser kurzzeitig ansteigt.

Die Themenwanderung "Gutenberg Feuer & Wasser" wird einmal im Jahr durchgeführt durch die Volunteersgruppe, die momentan aus vier Freiwilligen besteht. Zu deren Programm gehören weitere naturkundliche Führungen in den Naturschutzgebieten Randecker Maar, Schopflocher Moor und Oberes Lenninger Tal.

Termine nennt das Naturschutzzentrum, Telefon 0 70 26/9 50 12-0, www.naturschutzzentren-bw.de.