Lokales

"Staat und Kirche"

Zum jährlichen Gedankenaustausch zwischen der Pfarrerschaft und den Schulleitungen in den beiden evangelischen Kirchenbezirken Göppingen und Kirchheim trafen sich fast 30 Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Schulleiter und Schulleiterinnen im Gemeindehaus Schlierbach.

SCHLIERBACH Dr. Barbara Lichtenthäler vom Kultusministerium aus Stuttgart, die dort als Ministerialrätin Leiterin des Kirchenreferates ist und sich mit allen aktuellen Fragen, die Staat und Kirche betreffen, sowie mit den juristischen Belangen des Religionsunterrichts beschäftigt, stand als Gesprächspartnerin zur Verfügung. Landesregierung und Kirchenleitungen seien momentan daran interessiert, endlich einen Staatskirchenvertrag zu vereinbaren, mit dem alle strukturellen und finanziellen Beziehungen verbindlich geregelt werden sollen. Bislang sei hierin vieles durch historische Verpflichtung und politische Gewohnheit bestimmt, was im Detail wenig verbindlich war.

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Das hätte sich auch an den Verhandlungen zum islamischen Religionsunterricht gezeigt, der seit September an zwölf Schulen des Landes als Modell eingeführt worden ist: Ohne verlässliche und verbindliche Beziehungen zwischen den Religionsgemeinschaften und dem Staat könne laut Barbara Lichtenthäler die Demokratie in ihrer kulturellen und gesellschaftlichen Funktion nicht gelingen. Außerdem sei der Staat verpflichtet, die religiöse Erziehung und Bildung zu gewährleisten. Für die genannten Modellversuche seien vorbildliche Lehrpläne erarbeitet worden, staatliche Lehrer islamischen Glaubens seien fachlich nachqualifiziert worden und der Unterricht würde in Deutsch erteilt werden.

Ein weiteres neues Konzept des Religionsunterrichts, der "konfessionell-kooperative Unterricht", wurde kontrovers diskutiert: So gibt es etwa im Göppinger Bereich schon seit zehn Jahren verschiedene offiziell genehmigte derartige Unterrichtsversuche, die mit viel Erfolg durchgeführt werden. Allerdings, so die Kritik der beteiligten Lehrer und Rektoren, sei damit immer ein großer bürokratischer Aufwand verbunden, weil Anträge und Berichte anzufertigen seien, die der pädagogischen Arbeit nicht gerade förderlich seien. Dieses neue Konzept eines gemeinsam verantworteten christlichen Religionsunterrichts müsse flächendeckend eingerichtet und praktikabel gestaltet werden. Nur so könnten die Kirchen ihren Bildungsauftrag in der Öffentlichkeit glaubwürdig wahrnehmen.

pm