Lokales

"Staatsmedizin zum Nachteil der Patienten"

KIRCHHEIM Bei der Jahresvollversammlung der Ärzteschaft Nürtingen im Festsaal des Kirchheimer Krankenhauses konnte der Erste Vorsitzende Dr. Schmidt den Ehrenpräsidenten der Landesärztekammer, Professor Kolkmann, begrüßen. Kolkmann sprach sich in der Versammlung gegen die Einführung der Gesundheitskarte aus. Mit der Karte würden die Patientendaten ins Internet ausgelagert, und die Probleme des Datenschutzes seien nicht lösbar. Den mit der Einführung der Gesundheitskarte verbundenen Mehraufwand bezifferte Kolkmann auf sieben Milliarden Euro. Nutznießer sei ausschließlich die Computerindustrie.

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Des Weiteren ging Kolkmann auf die geplante Gesundheitsreform ein. Die bestehende wohnortnahe haus- und fachärztliche Versorgung werde zunehmend durch Zentralisierung in sogenannten medizinischen Versorgungszentren und durch ambulante Versorgung an Krankenhäusern verdrängt. Der Weg, so Kolkmann, gehe in Richtrung Rationalisierung der medizinischen Leistungen und "Staatsmedizin zum Nachteil der Patienten".

Zwei Resolutionen zum einen die Aufforderung an die politischen Entscheidungsträger, schnellstmöglich gesetzliche Regelungen zum Schutz von Nichtrauchern und besonders von Kindern zu verabschieden, zum zweiten die Ablehnung der elektronischen Gesundheitskarte wurden einstimmig angenommen. Außerdem beschlossen die Ärzte, sich an dem bundesweiten Aktionstag am kommenden Montag zu beteiligen. Die Protestaktionen finden von 13 bis 14 Uhr vor den Krankenhäusern in Kirchheim und Nürtingen statt und stehen unter dem Motto "Patient in Not die Gesundheitsreform schadet allen." Den ärztlichen Notdienst übernimmt die Notfall-Praxis im Kirchheimer Krankenhaus, Telefon 0 70 21/1 92 92.

pm