Lokales

Stadt braucht Wohnungen für Notlagen

In der Ötlinger Halde ist ein "Wohnprojekt mit integrativem Wohnen" vorgesehen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich aber keinesfalls ein modernes, alternatives Wohnkonzept, sondern eher ein altes Problem: Wie kommen Menschen auf die Schnelle zu neuem Wohnraum, wenn sie aus welchen Gründen auch immer obdachlos geworden sind?

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Brände, Explosionen, Überschwemmungen oder Sturmschäden: Katastrophen dieser Art machen Häuser von heute auf morgen unbewohnbar. Natürlich wünscht sich das keiner, aber im Ernstfall ist wohl jeder froh, möglichst rasch eine neue vorübergehende Bleibe zu erhalten. Auch Arbeitslosigkeit oder Krankheit können dazu führen, dass die bisherige Wohnung nicht mehr zu halten ist und sich auf dem freien Markt keine Alternativen anbieten. Um in solchen Fällen schnell und flexibel reagieren zu können, braucht eine Kommune Belegungsrechte für eine gewisse Anzahl von Wohnungen.

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Die Suche nach solchen Wohnungen erweist sich erfahrungsgemäß als sehr schwierig. Deshalb hat die Stadtverwaltung dem Kirchheimer Gemeinderat vorgeschlagen, eine Fläche in der Ötlinger Halde zu verkaufen, auf der ein Investor 25 Wohneinheiten errichten soll. Für zehn dieser Wohnungen würde sich die Stadt Belegungsrechte ausbedingen. Bevor das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats stand, hatten sich bereits der Ötlinger Ortschaftsrat sowie der Finanz- und Verwaltungsausschuss damit befasst und anschließend einen Kompromissvorschlag unterbreitet: Statt für zehn Wohnungen soll die Stadt nur die Belegungsrechte für fünf Wohnungen beanspruchen.

Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik warnte im Gemeinderat vor einer "Konzentration von Belegungsrechten". Stattdessen schlug er vor, entsprechende Wohnungen über eine größere Fläche zu verteilen, "auch wenn die Suche noch so schwer fällt". Die Reduzierung auf fünf solcher Wohnungen bezeichnete er aber als Schritt in die richtige Richtung, verglichen mit dem ursprünglichen Vorschlag.

Im Namen der CDU-Fraktion sprach sich auch Gregor Küstermann für den Kompromissvorschlag aus: "Die Erfahrung zeigt, dass Bauträger vor so etwas zurückschrecken, aber wir stimmen dem Projekt grundsätzlich zu." Für die Freien Wähler schlug Ralf Gerber zusätzlich vor, einem Investor, der an verschiedenen Stellen der Stadt Wohnungen besitzt oder erstellt, die Möglichkeit einzuräumen, die fünf Wohnungen mit Belegungsrechten breiter zu streuen. Wenn sich ein solcher Investor finden lässt, wäre also die starke Konzentration auf die Ötlinger Halde nicht mehr erforderlich.

Christoph Lempp (Grüne Alternative) beklagte allgemein, dass Sozialwohnungen fehlen, und bezeichnete es als eine Verpflichtung der Stadt, für Familien, die in eine Notlage geraten, Wohnraum vorzuhalten. Auch er befürwortete den Kompromissvorschlag mit fünf Wohnungen in der Ötlinger Halde, schlug aber gleichzeitig vor, weitere fünf Wohnungen im sonstigen Bestand zu suchen. Für eine dezentrale Variante machte sich auch Gerwin Harand von der SPD-Fraktion stark: "Die Möglichkeit, integrativ zu wohnen, ist in kleineren Einheiten besser gewährleistet."

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker räumte Fehler in der Vergangenheit ein, wo es teilweise zu einer zu intensiven Belegung gekommen sei. Zugleich warnte sie aber davor zu stigmatisieren: "Man kann sehr schnell in die Lage kommen, eine Wohnung zu brauchen und nicht finanzieren zu können." Mit der Beschlussempfehlung des Finanz- und Verwaltungsausschusses konnten sich schließlich alle Fraktionen anfreunden, sodass der Gemeinderat dem Kompromissvorschlag, nur für fünf von 25 neuen Wohnungen in einem Teil der Ötlinger Halde Belegungsrechte vorzusehen, einhellig zustimmte.