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Stadt pocht auf Einhaltung des Schulvertrags

Für zwei Jahre war Ruhe an der Wühle-Realschule in Weilheim eingekehrt. Ein im Frühjahr 2003 geschlossener Schulverband sollte unter anderem sicherstellen, dass die Größe der Schule erhalten bleibt. Nun müssen im kommenden Schuljahr voraussichtlich vier fünfte Klassen gebildet werden, weil 13 Kinder aus Zell aufgenommen werden.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Verärgerung machte sich im Weilheimer Ratsrund in jüngster Sitzung breit, als Bürgermeister Hermann Bauer bekanntgab, dass es im neuen Schuljahr 2005/2006 an der Realschule Wühle wohl vier Anfangsklassen gibt. Rat und Verwaltung fühlen sich übergangen, nachdem Rektor Rainer Single mitgeteilt hatte, dass er ohne Rücksprache mit der Stadt, aber in Abstimmung mit der Schulverwaltung rund 13 Kinder aus Zell eine Zusage gegeben hat.

Vor zwei Jahren hatten die Gemeinden Bissingen, Holzmaden, Neidlingen und die Stadt Weilheim einen Schulverband gegründet, der eine durchgängige Vierzügigkeit der Realschule Weilheim verhindern sollte. Mit der Schulverwaltung war vereinbart worden, dass Fünftklässler aus Zell und Aichelberg nur dann aufgenommen werden, wenn es bei drei Parallelklassen bleibt. Nach dem Umbau von zwei Fachräumen hat die Realschule maximal 22 Klassenzimmer. Sie werden im kommenden Herbst alle benötigt. Käme beispielsweise durch Zuzüge oder Kinder, die vom Gymnasium auf die Realschule zurückgehen eine weitere Klasse hinzu, wären Wanderklassen die Folge. Zudem sollte das Vertragswerk verhindern, dass Schüler aus Bissingen, Holzmaden oder Neidlingen nach Kirchheim fahren müssen. Zeller und Aichelberger Kindern könne viel eher zugemutet werden, in Uhingen oder Göppingen die Schulbank zu drücken, zumal dort Kapazitäten frei sind, so die Überlegung der Weilheimer Verwaltung.

"Wir sind Herr des Verfahrens", betonte Hermann Bauer, sah dies allerdings durch das Vorgehen von Seiten der Schule in Frage gestellt. Weil die Schülerzahlen ab dem Jahr 2009 zurückgehen, machte er klar: "Wir können keinen Schulraum bauen, der in ein paar Jahren wieder leersteht." Deshalb will der Rathauschef in den nächsten Jahren auf Einhaltung des Vertrags pochen.

Kopfschütteln auch bei den Gemeinderäten: Eva Haußmann ereiferte sich: "Das kann doch nicht sein. Wir machen einen Vertrag und es interessiert keinen." Ratskollege Albrecht Narr wollte unbedingt wissen, "was da schief gelaufen ist und wer das hinter unserem Rücken angezettelt hat." Der Bürgermeister möchte nun "alle Hebel in Bewegung setzen". Er fügte hinzu: "Mir geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Stadt Weilheim." Rückendeckung erhielt er auch von Stadtrat Peter Werner, der die Sache als "sehr wichtig einstufte". Der SPD-Mann konnte sich allerdings nicht verkneifen, den Verband als "Koloss auf tönernen Füßen" zu bezeichnen.

Noch wurde Hermann Bauer von Seiten der Schule kein plausibler Grund für die Aufnahme der Zeller Kinder genannt. Deshalb drängt er in einem Schreiben an Rektor Single und die Schulverwaltungen im Regierungspräsidium Stuttgart sowie im Esslinger Landratsamt auf das Einhalten der Vereinbarung in den kommenden Jahren und erwartet bis Mitte August eine Stellungnahme. Am 20. Juli werden sich der Rathauschef, der Schulleiter sowie Schulamtsdirektor Siegfried Röder vom Amt für Schule und Bildung an einen Tisch setzen, um die Problematik zu erörtern und die Weichen für die nächsten Jahre zu stellen.

Auf telefonische Nachfrage verteidigte Siegfried Röder das Vorgehen der Schulverwaltung. "Die entscheidende Frage ist nicht der Schulverband, sondern ob man mit Blick auf die nächsten Jahre mit einer vierten Eingangsklasse starten kann." Der für Personalfragen zuständige Schulamtsdirektor verweist auf eine Verwaltungsvorschrift, wonach "Eingangsklassen nur im Rahmen der auf Dauer verfügbaren Aufnahmekapazität der Schule gebildet werden." Röder hat dabei die spezielle Problematik der Realschule als "Sandwich-Schule" zwischen Gymnasium und Hauptschule im Blick. Durch Übergänge in die Realschule könne es durchaus vorkommen, dass eine fünfte Klasse mit 90 Schülern starte, zwei Jahre später aber bereits über 100 Kinder die siebte Klasse besuchen. Grundsätzlich besteht für Realschulen und Gymnasien freie Schulwahl. Gebe es jedoch Engpässe, entscheide die Schulleitung, wen sie aufnehme und wen nicht.