Lokales

Stadtforum Kirchheim 2020

"Wohin geht die Reise?" fragt Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker und denkt dabei keineswegs an den nächsten Urlaub. Gemeint ist der Weg, den die Stadt und die Kirchheimer Bevölkerung in den nächsten Jahren einschlagen. Beim "Stadtforum Kirchheim 2020" soll das Ziel der Reise definiert und dem Strukturwandel begegnet werden.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Herausforderungen der Stadtentwicklung" lautet der Untertitel der bevorstehenden Reihe im "Stadtforum Kirchheim unter Teck 2020". "Wir wollen die Stadtentwicklung aktiv vorantreiben, um auf demografische und wirtschaftliche Veränderungen reagieren zu können, beziehungsweise diese Entwicklung aktiv zu gestalten", erläutert Angelika Matt-Heidecker. Angesprochen sind dabei auch oder besser vor allem die Bürger. Sie können die geplanten Veranstaltungen nicht nur als Informationsgrundlage nutzen, sondern auch in den Diskussionen Anregungen geben und Impulse vermitteln.

"Es ist ungewöhnlich, dass ein Stadtentwicklungs-Prozess mit einem breit angelegten Dialog beginnt", räumt Planunsamtsleiter Dr. Hermann-Lambert Oediger ein. Doch der Beitrag der Stadtplanung kann umso zielgenauer ausfallen, je klarer die Trends erkannt und die Leitlinien formuliert werden können. "Dazu wollen wir uns Wissen von außen heranholen", wirbt Oediger für den berühmten Blick über den Tellerrand hinaus. Die fünfteilige Reihe ist daher wie folgt angelegt: Zunächst führen externe Referenten in die jeweilige Thematik ein. Daran schließen sich ein bis zwei Kurzreferate aus städtischer Sicht an. Schließlich ist Diskussionen Tür und Tor geöffnet.

"Die Bevölkerung hat die Chance, bei dieser Entwicklung mitzuwirken und Kirchheim aktiv mitzugestalten", freut sich Bürgermeister Günter Riemer. Dass diese Gelegenheit sicher gerne angenommen wird, steht für die Verwaltungsspitze außer Zweifel. Matt-Heidecker verweist auf das intensive bürgerschaftliche Engagement in der Teckstadt, auf das das Stadtforum nun aufbaue. Überdies handelt es sich um Themen, die ausnahmslos jedermann angehen. "Wie funktioniert eine soziale Stadt?" formuliert die Oberbürgermeisterin eine wesentliche Frage, deren Beantwortung man sich im Rahmen des Stadtforums nähern könnte.

Das Stadtforum widmet sich zunächst einer ganz einschneidenden Entwicklung, nämlich dem demografischen Wandel der Gesellschaft. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass die Umwälzungen längst Auswirkungen haben auf das tägliche Leben in einer Stadt. Dr. Oediger weist beispielhaft darauf hin, dass speziell der drastische Wandel der Altersstruktur konkrete Auswirkungen zeitigt, etwa im Bereich der Kindergartenplanung. Während der Anteil der unter 18-Jährigen an der Gesellschaft längst schrumpft, eröffnen sich im Bereich des betreuten Wohnens oder in der Altenpflege Zuwachsmärkte. Auch das städtische Leben bekommt ein neues Gesicht durch aktive ältere Menschen, die sich wieder innenstadtnah ansiedeln wollen. "Wir müssen den Spagat schaffen, der Tendenz zur immer älteren Gesellschaft Rechnung zu tragen, aber auch etwas für die Jugend zu tun", sagt Matt-Heidecker.

Weitere bundesweite Entwicklungen, die auch Kirchheim prägen, liegen im wirtschaftlichen Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Wichtige Aspekte für die Gestaltung der Stadtentwicklung sind aber auch Fragen nach der Mobilität der Zukunft wie auch nach Siedlungsentwicklung, womit auch das Problem der Zersiedelung umfasst wird. Auch die Einbindung sozialer Randgruppen oder ganzer Bevölkerungsgruppen, die durch Migration quasi entwurzelt wurden, stellt weitgehend heile Kleinstädte wie Kirchheim künftig vor Probleme.

Engagierten Bürgern und weitsichtigen Planern bieten sich hier zweifellos mannigfache Betätigungsfelder. "Lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft gestalten", heißt es daher einladend auf dem Flyer zum Stadtforum. Alle Veranstaltungen sind öffentlich. Sie finden ausnahmslos in der Kirchheimer Alleenschule in der Jahnstraße 12 statt und beginnen alle um 18 Uhr. An den Referate-Teil, der jeweils eine bis eineinhalb Stunden umfasst, schließen sich Diskussionen an.

TERMINE Am Mittwoch, 4. Mai, referiert Dr. Gisela Meister-Scheufelen, die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, über "Demografischen Wandel und soziale Infrastruktur". Am Donnerstag, 2. Juni, spricht Professor Dr.-Ing. Franz Pesch vom Städtebau-Institut der Universität Stuttgart über "Siedlungsentwicklung jenseits von Zersiedlung". Am Montag, 4. Juli, geht es um "Soziale und räumliche Polarisierung" im Vortrag von Dr. Eckhard Bohn vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Am Donnerstag, 22. September, widmet sich Professor Dr. Peter Kern vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation der Fragestellung: "Wirtschaftsstandort Kirchheim unter Teck: Quo Vadis?". Am Montag, 24. Oktober, steht die "Mobilität der Zukunft" im Mittelpunkt des Referats von Professor Dr.-Ing. Markus Friedrich vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart