Lokales

Stadtmitte erstrahlt in neuem Glanz

Am 19. und 20. April feiert Weilheim die Einweihung von Rathaus, Bertoldsplatz und Neugestaltung des Lindachufers

Jahre lang hat das Thema Rathauserweiterung und Tiefgarage in Weilheim die Diskussionen im Gemeinderat bestimmt. Am nächsten Wochenende, vom 19. und 20. April, wird nun mit der offiziellen Einweihung ein Schlusspunkt unter das Großprojekt gesetzt.

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ANKE KIRSAMMER

Weilheim. Der markante Neubau samt kupfergrün herausstechendem Sitzungssaal im Weilheimer Städtle ist bereits seit gut einem Jahr bezogen. In den vergangenen Monaten haben sich die Handwerker daran gemacht, das historische Rathaus von 1777 ebenbürtig herauszuputzen. Die Fassade hat einen hellen, freundlichen Anstrich erhalten und wirkt mit den bis auf den Boden he­runtergezogenen Torbögen weitaus ruhiger und großzügiger als vor dem Umbau. „Wir haben den Originalzustand des Gebäudes zum Vorbild genommen“, erklärte Bürgermeister Hermann Bauer in einem Pressegespräch. Erst als Mitte der 1950er-Jahren die Remisen geschlossen wurden und die Feuerwehr aus dem Gebäude auszog, wurden die bis dato bodenlangen Torbögen zu halbkreisförmigen Fenstern gestutzt und ein Zwischenboden eingezogen. Jetzt kann man wieder ebenerdig und damit beispielsweise auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl ins Rathaus gelangen. Über wenige Stufen beziehungsweise eine flach ansteigende Rampe ist das an die Eingangshalle angrenzende Trauzimmer zu erreichen.

„Mit dem Gesamtprojekt haben wir uns für eine erhaltende Stadterneuerung entschieden“, so der Verwaltungschef. Ortsbildprägende Gebäude, wie eben das „alte“ Rathaus, das Kapuzinerhaus oder das heutige Bürgerhaus wurden in dem Zuge he­rausgeputzt. „Wichtig war uns auch, dass sich der Erweiterungsbau in die Dachlandschaft im Städtle einfügt.“ Der Gemeinderat hatte sich deshalb für ein rund 30 Meter langes Gebäude mit Satteldach entschieden. Mit seiner achteckigen Form einer Brosche nimmt einzig der etwas abgesetzte Baukörper für Bürgerbüro und Sitzungssaal eine Sonderrolle ein.

Um den Neubau überhaupt realisieren zu können, hatte die Stadt seit den 1970er-Jahren insgesamt zehn Gebäude hinter dem bestehenden Rathaus aufgekauft, die alle der Abrissbirne zum Opfer fallen mussten. Nicht nur durch das Verschwinden dieser Gebäude und den Neubau hat die Stadt in diesem Bereich ihr Gesicht verändert. Die Parkplätze und der Durchgangsverkehr, der sich früher durchs „Törle“ zwängte, sind längst dem großzügig gestalteten Bertoldsplatz gewichen, der mittlerweile unter anderem den samstäglichen Markt beheimatet. Insbesondere im Sommer finden hier auch Veranstaltungen statt und der angrenzende Gastronom nutzt die Möglichkeit, die Besucher im Freien zu bewirten. Rechtzeitig zum nächsten Wochenende werden auch die Arbeiten im hinteren Teil des Bertoldsplatzes abgeschlossen. Hier werden Granitplatten mit Wappen und Schriftzügen der zwölf Zähringerstädte in den Boden eingelassen. Stifter aus der Stadt haben jeweils die Patenschaften über die Unikate übernommen.

Längst in Betrieb genommen wurde die zweigeschossige Tiefgarage am Rathaus mit insgesamt mehr als 100 Stellplätzen. Während das untere Geschoss Dauermietern vorbehalten ist, steht die obere Etage Besuchern des Städtles offen. „Wir haben nur Frauenparkplätze“, meinte Hermann Bauer und spielte damit augenzwinkernd auf die helle, farbenfrohe Atmosphäre im Untergrund an.

Mit der Kostenentwicklung des Rathausprojekts zeigte sich der Schultes mehr als zufrieden. Der Kostenanschlag im Juni 2004 belief sich auf 8,6 Millionen Euro. Die Kostenberechnung vom April 2007 liegt bei knapp 9 Millionen Euro. Insgesamt flossen für das Vorhaben Zuschüsse in Höhe von 1,85 Millionen Euro.

Pünktlich zur Einweihung am nächsten Wochenende wurde auch das Projekt „Neugestaltung von Lindach und Unterer Grabenstraße“ fertiggestellt. Zwischen Molkesteg und Adlerbrücke sind am Ufer und auf Holzstegen mehrere Aufenthaltsbereiche entstanden, die ihre volle Wirkung entfalten werden, wenn das eingesäte Grün aus dem Boden sprießt. Direkt am Wasser laden im Sommer große Kalksteinblöcke zum Verweilen ein. Die Kinder der Limburgstadt werden sich wie die Sprösslinge in früheren Zeiten sicherlich die ein oder andere Erfrischung in der nun gut zugänglichen Lindach gönnen.

Die Feierlichkeiten zur Einweihung von Rathaus und Bertoldsplatz beginnen am Samstag, 19. April, um 15 Uhr. Am Sonntag findet von 11 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür mit Führungen und einem Begleitprogramm für Kinder statt.