Lokales

Stäffele forderten viel Luft

Den Frühling von seiner schönsten Seite erlebten Gäste, fördernde Mitglieder und die aktiven Sängerinnen und Sänger des Kirchheimer Liederkranzes bei einer Ausfahrt nach Herrenberg.

KIRCHHEIM Entlang des Neckars ging es ab Neckartenzlingen quer durch den Naturpark Schönbuch zum Tagesziel Glockenmuseum und Fachwerkstadt Herrenberg. Das junge Grün der Buchen wer es noch nicht wusste, der Name "Schönbuch" ist treffend. Die Aussicht zum Albtrauf und später der Blick ins Gäu, schöner konnte man sich den Tag nicht wünschen. Ein strahlend blauer Himmel tat sein übriges dazu.

Anzeige

Die Stadt Herrenberg wurde gegründet durch die Pfalzgrafen von Tübingen im 12. Jahrhundert, und ist, wie auch Kirchheim, ein Teil der "Deutschen Fachwerkstraße". Beide Städte sind bei einem großen Stadtbrand im Mittelalter fast gänzlich zerstört worden. Über die unterschiedlichsten Fachwerkstile, Bestimmungen und Vorschriften von Farbgebung oder Bauweise bekamen die Teilnehmer bei der Stadtführung viel zu hören und zu sehen. Eine Hierarchie an Macht und Einfluss ist bei der Anlage der Stadt gut zu erkennen. Oben auf der Höhe war das Schloss, unterhalb die Kirche, der Marktplatz mit reichen Stadthäusern und dem Rathaus. Weiter hangabwärts standen die Häuser von Handwerkern und in der Ebene die manchmal sehr schmalen engen Häuser der "kleinen" Leute. Ein Kuriosum, am Rande von der Stadtführerin gezeigt, Treppenstufen, die sowohl von unten wie auch von oben ausgetreten waren. Aus Sparsamkeitsgründen hatte man die Stufen einfach umgedreht und so eine Zeitlang wieder glatte Tritte erhalten.

Das nächste Ziel, die Stiftskirche mit dem Glockenmuseum, ist eine sportliche Herausforderung für einige Teilnehmer gewesen. Stäffele wo man hinschaute, so war es nicht zu verdenken, dass der eine oder andere lieber die Gemütlichkeit eines Cafes vorzog, zumal es zum Turm mit den Glocken nochmals 148 Stufen auf einer Wendeltreppe mit eigener Muskelkraft aufwärts ging. Die Luft, sonst des Sängers wichtigstes Hilfsmittel beim Singen, wurde schon mal knapp. Dafür bot sich von der Plattform des Stiftkirchenturmes eine herrliche Sicht. Das Glockenmuseum, der Grund dieser Strapaze, bot dann einen weiteren Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes. Mehr als 30 Glocken aus neun Jahrhunderten wurden bei der Führung vorgestellt und erklärt und zum Teil auch gehört. Die Harmonien der einzelnen Geläute sind aufeinander abgestimmt. So kam es auch vor, dass das Museum Glocken mit anderen Kirchen getauscht hat, weil die Tonlagen nicht zueinander passten. In früheren Jahrhunderten hatten die Glocken die unterschiedlichsten Bedeutungen und der Schlag oder auch Ruf ersetzte oftmals alle in unserer heutigen Zeit bestehende Kommunikation. Namen wie "Armsünderglocke" sie gilt als die älteste Glocke Württembergs und wurde bei Gerichtsterminen geläutet oder "Guldenglocke", "Gloriosa", "Dominika" lassen erahnen, was dieses Museum zu bieten hat ein Besuch lohnte sich.

Nach so viel Gesehenen und Gehörten ging es zum gemütlichen Ausklang des Tages retour Richtung Kirchheim vorbei an der weithin sichtbaren "Wurmlinger Kappelle", dem Schloss Hohenentringen und Tübingen. Mit einer Einkehr in einem Landgasthaus bei Akkordeonklängen, Gesang und Gedichten fand der Abend seinen Abschluss.

ml