Lokales

Stählernes Ungetüm überquert die Autobahn

Das Messeparkhaus hat in luftiger Höhe die Autobahn überquert. Die Auto- und Lastwagenfahrer, die unten durchrauschten, bekamen davon nichts mit. Dass sich etwas bewegt, war nicht zu erkennen. Eine Schnecke wäre schneller gewesen: Für die 57 Meter, 98 Zentimeter und 5 Millimeter lange Strecke in Richtung Flughafen benötigte das stählerne Ungetüm mehr als zwölf Stunden.

KLAUS HARTER

Anzeige

LEINF.-ECHTERDINGEN Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von sechs Metern in der Stunde wurde die 3840 Tonnen schwere und 142 Meter lange Stahlkonstruktion mit Betonboden über die A 8 gezogen frei schwebend und ohne Hilfsstützen.

Es war die dritte Verschiebeaktion. Den Weg über die A 8 legte nun nur der südliche Finger des aus zwei Teilen bestehenden Parkhauses zurück. Der nördliche Finger folgt Mitte Oktober. Er ist noch nicht startklar, zunächst muss ein weiterer Teil der Stahlkonstruktion angeschweißt werden. Es fehlt der Platz, um die Parkhausfinger in ihrer gesamten Länge fertig zu montieren und dann als Ganzes von der Plieninger Seite aus zu verschieben. Insgesamt wird der südliche Teil 412 Meter messen, der nördliche Teil 375 Meter. Deshalb werden sie abschnittsweise zusammengebaut. Die abschließende Verschiebeaktion erfolgt für die südlichen Finger voraussichtlich Ende November, für den nördlichen Finger Mitte Dezember.

Wetterbedingt hat der südliche Finger die erste Säulenreihe an der Autobahn mit Verspätung erreicht. Geplant war der Start für 8.30 Uhr, los ging es eine Stunde später. "Wir hatten mit besserem Wetter gerechnet", sagte der Geschäftsführer der Projektgesellschaft Neue Messe, Ulrich Bauer. Der Stahlkoloss glitt über eingefettete teflonartige Platten. Weil sich Fett und Wasser nicht vertragen, musste die Konstruktion zuerst trocken gelegt werden, erklärte Gerald Götz von der Firma Donges Stahlbau. Die Finger bestehen aus drei Stahlfachwerken. Am mittleren waren zwei aus 14 Stahlseilen bestehende Bündel befestigt, an den äußeren jeweils ein Bündel. Vier Litzenheber zogen daran. Dabei handelt es sich um hydraulische Zuggeräte. Götz verglich sie mit liegenden Affen.

Unter dem Teil der Stahlkonstruktion, der über der A 8 liegen wird, war bereits die Betondecke angebracht worden. Sie soll verhindern, dass während des Innenausbaus etwas auf die Fahrbahn fällt. Wäre die Decke später eingebaut worden, hätte die A 8, auf der täglich 150 000 Fahrzeuge fahren, drei bis vier Wochen gesperrt werden müssen, sagte Götz. So seien zum Auf- und Abbau des Gerüsts nur zwei zwölfstündige Sperrungen nötig.

Der Bau des Parkhauses soll mit der Dachbegrünung im Frühsommer 2007 abgeschlossen sein. Insgesamt liegt der Bau der Messe "in allen Gewerken im Zeitplan", versicherte Bauer. Die Verzögerungen wegen des kalten Winters seien "im Wesentlichen" aufgeholt worden. Am 22. April 2007 werde die erste Messe beginnen. "Es wird eine Teileröffnung sein", denn das Kongresszentrum sei bis dahin nicht fertig. Bauer ist optimistisch, den Kostenrahmen von 806 Millionen Euro einhalten zu können. 80 Prozent der Gewerke seien ausgeschrieben und weitgehend vergeben. Die Preise bewegten sich insgesamt im vorgegebenen Rahmen.