Lokales

Stärken erkennen und Identitäten schaffen

Mit den Inhalten und Ergebnissen des in der Alleenschule abgehaltenen "Zweite Kirchheimer Kulturforums" befassten sich die Mitglieder des Kirchheimer Gemeinderats in ihrer jüngsten Sitzung. Die Kenntnisnahme erfolgte einstimmig.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Bevor Gabriele Huttenlocher die Ergebnisse des "Zweiten Kirchheimer Kulturforums" zusammenfassen und die unterschiedlichen Diskussionsthemen darstellen konnte, mit denen sich die rund 60 Tagungsteilnehmer befasst hatten, machte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker zunächst noch einmal deutlich, welche Prioritäten auf dem kulturellen Sektor auch künftig von der Verwaltung gesetzt werden sollen. Vorhandene Stärken zu erkennen, darauf aufzubauen und Identitäten zu schaffen und zu stärken, gab sie als das gemeinsam zu verfolgende Ziel an.

Auch SPD-Stadtrat Andreas Kenner sprach sich klar dafür aus, diese Linie auch weiter zu verfolgen. Im Vergleich zu Nürtingen, das deutlich höhere Personalausgaben im kulturellen Bereich aufzubringen habe, lebe Kirchheim ganz besonders stark vom ehrenamtlichen Engagement. Zufrieden äußerte er sich darüber, dass durch das hier greifende überdurchschnittliche ehrenamtliche Engagement sichergestellt ist, "dass eigentlich keine Woche vergeht, in der nicht mindestens fünf oder sechs unterschiedlichste kulturelle Angebote unterbreitet werden". Bei aller Freude über die in Kirchheim gewachsenen "einmaligen Strukturen" eines kleingliedrigen Kulturangebots beobachtet er dagegen mit einer gewissen Sorge, dass die Zielgruppe im Alter von etwa 30 bis 35 Jahren an aufwärts hier offensichtlich sehr gut bedient wird, ein Kirchheimer Angebot für Menschen unter 30 Jahren aber so gut wie nicht vorhanden sei. Viele Jugendliche würden daher nach Nürtingen abwandern und wären möglicherweise auch schwer wieder zurückzugewinnen. "Wer mit zwanzig Jahren geht, bleibt weg", ist Andreas Kenner überzeugt.

Dass auch beim Kulturforum selbst die Altersgruppe unter 30 Jahren praktisch nicht präsent war, merkte Stadtrat Holz für die Grüne Alternative an, der sich ebenfalls dafür aussprach, dass ganz gezielt auch jüngere Menschen angesprochen und mit eingebunden werden sollten. Insgesamt zufrieden äußerte sich auch Dr. Grüninger für die Freien Wähler über das "Kulturküchenkabinett", von dem er eine größere Kontinuität und damit noch mehr Ergebnisse erhofft.

Dass seit dem 1998 durchgeführten "Ersten Kirchheimer Kulturforum" tatsächlich ganz konkrete Umsetzungen damals noch in den Raum gestellter Ziele stattgefunden haben, konnte Gaby Huttenlocher an Beispielen belegen. Der damals geäußerte Wunsch nach mehr Transparenz habe sich in einem inzwischen regelmäßig auf den Markt gebrachten Veranstaltungskalender niedergeschlagen, der auch im Internet allen am Kirchheimer Kulturleben Interessierten zur Verfügung stehe. Der Forderung, das Schloss stärker als Veranstaltungsort einzubeziehen, sei vom Kulturring intensiv aufgegriffen und auch die einst gewünschte Verbesserung des Angebots im Bereich Jugendtheater längst in Angriff genommen worden.

Lag 1998 noch ein Schwerpunkt darauf, das in der Stadt bereits vorhandene kulturelle Angebot zu erheben, befasste sich Professor Dr. Thomas Knubben von der Fachhochschule Ludwigsburg in diesem Jahr in seinem Impulsreferat mit dem Thema "Aktuelle Herausforderungen kommunaler Kulturpolitik". Dass öffentliche Kulturarbeit nicht vermeintlich ökonomische Marktnischen suchen, sondern echte sozial-kulturelle Bedürfnislagen kennen und darauf eingehen muss, lautete dabei seine Erkenntnis.

Einig waren sich die Teilnehmer darüber, dass das Kulturforum eine wichtige Plattform für den Erfahrungs- und Informationsaustausch unter den Kulturanbietern darstellt und daher kürzere, dafür aber regelmäßige Foren im Jahrerhythmus anzustreben seien. Übereinstimmung herrschte auch darüber, dass die überregionalen Stärken der Stadt deutlicher herausgearbeitet werden sollten, um Kirchheim noch besser nach außen zu positionieren. "Je weiter der Anfahrtsweg ist", so hatte Professor Dr. Knubben allen Kulturtreibenden ins Bewusstsein gerufen, "umso attraktiver und unverwechselbarer muss das Angebot sein".