Lokales

Stärkung des Standorts Kirchheim

Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen votierte gestern eine große Mehrheit des Kreistags für die Einrichtung eines Linksherzkathetermessplatzes an der Inneren Abteilung II des Klinikums Kirchheim-Nürtingen. Alle Fraktionen sahen darin eine Stärkung des Standortes Kirchheim.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN Landrat Heinz Eininger verband die Grundsatzentscheidung im Kreistag über die Einrichtung eines Linksherzkathedermessplatzes mit dem Punkt "Rechtsform und Organisation der Kreiskrankenhäuser". Obwohl Martin Fritz, CDU, mit einer GmbH-Lösung liebäugelte und Wolfgang Haug, FDP, sich dafür einsetzte, war sich die Mehrheit im Kreisparlament einig, die drei in Eigenbetrieben geführten Kreiskrankenhäuser zu einem einzigen Eigenbetrieb zusammenzufassen.

Die Kreisverwaltung wurde deshalb beauftragt, die Besetzung der Geschäftsführerstelle des neuen Eigenbetriebs vorzubereiten und ebenso die Besetzung der Stabsstelle Projektmanagement Bau in die Wege zu leiten.

Die Einrichtung des Linksherzkathetermessplatzes soll jetzt, da die Grundsatzentscheidung gefallen ist, in fünf Stufen vonstatten gehen: Ausarbeitung eines Behandlungskonzeptes durch den künftigen Chefarzt, Abklärung von Kooperationsmöglichkeiten mit niedergelassenen Kardiologen im Raum Kirchheim/Nürtingen und den Städtischen Kliniken Esslingen, Abstimmung mit den Kostenträgern, Qualifizierung von vorhandenen Mitarbeitern und Einstellung von zusätzlichen Mitarbeitern, wenn eine ausreichende Patientenbindung sicher ist. Dann müsse ein Behandlungsteam gebildet werden. Dannach erst soll der Linksherzkathetermessplatz gekauft und der Bauteil A des Kirchheimer Krankenhauses umgebaut werden.

Die Investitionskosten für das medizinische Großgerät und den Umbau belaufen sich laut Angaben der Kreisverwaltung auf rund 1,4 Millionen Euro. Die laufenden jährlichen Kosten wurden mit knapp einer Million Euro angegeben.

Was die Mehreinnahmen durch den Kathetermessplatz angeht, so rechnet die Verwaltung mit 964 018 Euro für 389 diagnostische Untersuchungen und für 259 Interventionen pro Jahr. Nach dem Krankenhausentgeltgesetz besteht ein Anspruch auf 35 Prozent der Mehrerlöse. Das sind bei obiger Rechnung 337 406 Euro. Demnach beträgt das Defizit, das vom gemeinsamen Eigenbetrieb beziehungsweise dem Krankenhausträger übernommen werden müsste, 657 744 Euro jährlich.

Landrat Heinz Eininger betonte die Wichtigkeit einer guten Kooperation mit den niedergelassenen Kardiologen und den Städtischen Kliniken Esslingen und sah, wie alle Fraktionssprecher, in der Einrichtung des Linksherzkathetermessplatzes einen wesentlichen Standortfaktor für Kirchheim und eine Chance für das Gesamtklinikum. Trotz des nicht zu übersehenden Betriebsrisikos stimmten alle Kreistagsfraktionen der Einrichtung des Linksherzkathetermessplatzes zu. "Herr Landrat, bleiben Sie dran, dann wird's was", appellierte FW-Sprecher Beck an den Kreisverwaltungschef.

Leistungen am Linksherzkathetermessplatz werden in der Regel vorgenommen, wenn Herzkranzgefäßverschlüsse durch eine Ballonaufdehnung und gegebenenfalls Einlegung von Stents behoben werden müssen. Bezogen auf den Einzugsbereich des Klinikums rechnet die Verwaltung, wenn alle Leistungen in Kirchheim möglich sind, mit jährlich rund 1 300 Katheteruntersuchungen, davon etwa 500 Interventionen, also Aufdehnungen mit oder ohne Stents.

Durch die Zunahme der Herz-Kreislauferkrankungen sowie günstigere Gerätekosten könne sich ein Linksherzkathetermessplatz rechnen, wenn die Zahl der Behandlungen ausreichend ist und die für diese Behandlungen abgerechneten höherwertigen Fallpauschalen von den Kassen bezahlt werden, ist die Kreisverwaltung überzeugt.