Lokales

Stärkung für das "Wir-Gefühl"

Jugend- und Altenarbeit steht ganz besonders im Fokus der Aktivitäten der Kirchheimer Bürgerstiftung, die seit ihrer Gründung im Jahr 2001 alljährlich soziale und mildtätige Zwecke unterstützt. Jetzt ist es wieder so weit: Vier Projekte erhalten finanzielle Starthilfe. Nutznießer sind letztlich alle Kirchheimer, ist doch die Einrichtung der Bürgerstiftung Ausdruck des "Wir-Gefühls" unter der Teck.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Angefangen hat alles mit dem Verkauf der Neckarwerke-Aktien. Der Erlös, verstärkt durch diverse Erbschaften und Vermächtnisse und jährlich mit einer Finanzspritze aus den USA von der Schöllkopf-Stiftung versehen, ergab ein nennenswertes Sümmchen, das gut angelegt wurde und jedes Jahr beispielhafte bürgerschaftliche Projekte in der Stadt ermöglicht oder erleichtert.

Gut 25 000 Euro werden jährlich ausgeschüttet. An wen, das entscheidet der achtköpfige Stiftungsrat, bestehend aus Gemeinderatsmitgliedern und fachkundigen Bürgern. "Sinn der Stiftung ist, eine breite thematische Streuung zu erreichen", erläuterte Kämmerer Hans-Albrecht Remshardt. Dabei könne es sich nicht um eine lang angelegte Unterstützung einzelner Institutionen handeln, sondern um gezielte Anschubfinanzierungen spezieller auserwählter Projekte.

Über die größte Einzelsumme, die überhaupt je in der noch jungen Geschichte der Bürgerstiftung vergeben wurde, freut sich der Verein "Buefet", der gemeinsam mit der Stadt und weiteren Partnern das Projekt "Betreutes Wohnen zu Hause" dieser Tage aus der Taufe hebt. Mit 17 000 Euro unterstützt die Bürgerstiftung das hohe bürgerschaftliche Engagement für ältere Bürger in der Stadt. Gertraud Sieler und Gabriele Steiner von Buefet erläuterten das Konzept des neuen Angebots, das mit Hilfe zahlreicher Kooperationspartner maßgeschneiderte Hilfe für ältere Menschen anbietet, die möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden leben wollen. Bei einer Kontaktstelle im Haus der sozialen Dienste werden ab Sommer die Fäden zusammenlaufen. Details für Interessenten gibt es auf einer Informationsveranstaltung zum Betreuten Wohnen zu Hause, die am morgigen Donnerstag, 9. Februar, um 16 Uhr im Großen Sitzungssaal des Kirchheimer Rathauses stattfindet.

"Der Schatz im Himbeerwald" lautet der Titel eines Kooperationsprojektes von Musikschule und Konrad-Widerholt-Grundschule, das mit 3000 Euro bedacht wird. "Hier geht das Engagement aller Beteiligten weit über den Pflichtbereich hinaus", freute sich die Oberbürgermeisterin. Schulleiter Bernd Neugebauer und Bertram Schattel von der Jugendmusikschule wollen in das gemeinsame Projekt die Musikschule, die Jugendkapelle der Stadtkapelle und die Widerholt-Grundschüler einbeziehen. Rund 180 Personen werden bei den drei Aufführungen im Mai 2007 in der Stadthalle in Erscheinung treten, ganz zu schweigen von den zahllosen Helfern hinter den Kulissen. "Wer Kinder fördern will, muss sie fordern", nannte Neugebauer einen Grundgedanken der Kooperation und betonte, dass die Zusammenarbeit mit der Musikschule und musiktreibenden Vereinen eine deutliche Stärkung und klare Bereicherung des Schullebens bedeute.

Ein Instrument aus dem Hause Blüthner bereichert seit kurzem das Konzertflügel-Angebot der Stadt Kirchheim. Der Neuzugang ist die Gabe einer Kirchheimerin, die sich umzugsbedingt von dem sperrigen "Schmuckstück" trennen musste, das nun den Rundsaal des Schlosses ziert. Für den Kulturring nahm Gerhard Fink freudestrahlend exakt 2352 Euro entgegen, ein Zuschuss zur bereits erfolgten Instandsetzung des wertvollen Musikinstruments. "Die Stadt hofft darauf, den Rundsaal nun mit dem schönen Flügel noch mehr in die Gestaltung des kulturellen Angebots zu integrieren", betonte Angelika Matt-Heidecker.

Einen Zuschuss in Höhe von 1500 Euro erhält der Arbeitskreis Leben (AKL), der seit Jahren nicht mehr aus der Stadt wegzudenken ist. Dort soll ein Projekt der Suizidprävention für Hinterbliebene angestoßen werden. Dr. Gert Döring vom AKL erläuterte, dass es sich dabei um einen von mehreren Bausteinen aus dem Angebot für Menschen handelt, die einen nahen Angehörigen durch Suizid verloren haben. "Solche Menschen ziehen sich zurück, entwickeln Schuldgefühle, werden oft selbst suizidgefährdet", machte Döring klar. Schon jetzt bietet der AKL Einzelbegleitung für suizidgefährdete Angehörige an. Es scheint aber auch sinnvoll, ergänzend eine Gruppe einzurichten, in denen sich Menschen austauschen können, denen es ähnlich geht.

Abschließend bezeichnete Bernd Neugebauer die Bürgerstiftung als "ermutigende Einrichtung". Angelika Matt-Heidecker verlieh ihrer Freude darüber Ausdruck, dass die Einrichtung wieder einmal ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werde.