Lokales

Stätte für Glaube und Begegnung

Ein Zentrum für regen Austausch soll es werden: Das wünschten sich türkische Redner bei der Eröffnung des Türkisch-Deutsch-Islamischen Kulturzentrums in Plochingen. Zu den Tagen der offenen Tür kamen hunderte Deutsche, um sich zu informieren, das Gespräch zu suchen und das Gebäude zu besichtigen.

PLOCHINGEN Monatelang haben die 170 Mitglieder des Vereins sowie zahlreiche Freunde hart gearbeitet. Das ehemalige Fabrikgebäude in der Esslinger Straße 124 haben sie in tausenden von Arbeitsstunden von Grund auf saniert und ein schmuckes Vereinsheim mit Gebetsraum geschaffen. Nicht ohne Stolz verwies Hüseyin Duman, Vorsitzender des Vereins, bei seiner Begrüßung auf diese "großartige Leistung" und betonte: "Wir haben bei Null angefangen. Unser Verein ist gemeinnützig und lebt von Mitgliedsbeiträgen und Spenden bis heute haben wir 750 000 Euro ausgegeben." Das Ziel, so Duman, sei gewesen, ein Zentrum zu schaffen, in dem Kultur, Glaube und die Begegnung mit Deutschen gepflegt werden kann. "Viele von uns leben seit über 40 Jahren hier und sind Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden", betonte er.

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Scharf distanzierte sich Duman vom Terror im Namen des Islam: "Das entspricht nicht unserem Glauben!" An die deutschen Besucher appellierte er: "Was außerhalb Deutschlands passiert, darf unsere Beziehung nicht stören."

Der Dialog, das gegenseitige Kennenlernen und gegenseitige Akzeptanz solle in dem Zentrum nicht nur beim Tag der offenen Tür, sondern auch im Alltag gepflegt werden: "Sie sind jederzeit bei uns willkommen, unsere Türen stehen immer offen." Grüße der Stadt Plochingen brachte der stellvertretende Bürgermeister Siegfried Drieß. Die Stadt freue sich darüber, dass der Verein aus dem Fabrikgebäude ein "Schmuckstück gemacht hat, das uns beim Betreten an ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht erinnert." Duman wie Drieß betonten, dass die verschiedenen Religionen eines eint: der Glaube an einen Gott. Groß war die Freude unter den türkischen Mitbürgern, als Drieß sagte: "Als Christ wünsche ich Ihnen, dass der Segen Allahs über diesem Haus ruhen möge."

Im Anschluss an die offizielle Eröffnung wurde das Kulturzentrum besichtigt. Im Zentrum des Interesses stand der Gebetsraum, der wie eine Moschee mit Mosaik das aus der Türkei importiert wurde geschmückt ist. Auch der Gebetsteppich kommt aus der Türkei. Speziell im Gebetsraum mussten Hüseyin Duman und andere Vereinsmitglieder viele neugierige Fragen beantworten.

So erfuhren die deutschen Besucher, dass ein Moslem fünf Mal am Tag beten soll, die Gebete unterschiedlich lang sind, und dass natürlich ein Gebet in der Moschee mehr zählt als das Gebet zuhause.

Bei Tee und türkischen Spezialitäten gab es ausreichend Zeit, sich auszutauschen und zu diskutieren. Der erste Schritt des türkischen-deutschen Kulturzentrums zu einem Dialogzentrum verschiedener Kulturen ist gelungen: "Wir sind sehr zufrieden, dass so viele deutsche Besucher den Weg zu uns gefunden haben!" freute sich Hüseyin Duman.

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