Lokales

Stall und Mistgabel statt Strand und Meer

"Landleben-live", so nennt sich eine Aktion des Evangelischen Bauernwerks, bei dem Jugendliche ab 14 Jahren die Möglichkeit haben, auf einem Bauernhof zu wohnen und mitzuarbeiten. Corina Katolla aus Dettingen hat diese Chance genützt und ist für drei Wochen zur Familie Busch nach Adolzhausen gezogen.

ANKE ALBRECHT

Anzeige

Sechs Uhr morgens, Zeit zum Aufstehen für Familie Busch und natürlich auch für die 15-jährige Corina Katolla, die für eine Weile bei den Buschs lebte und die Familie unterstützte. Während ihres Aufenthaltes erlebte sie, wie viele andere Jugendliche auch, die an dem Projekt "Landleben-live" teilnahmen, viel Neues.

Da gab es zum einen die Arbeit im Stall, zu der das Ausmisten, das Füttern der Tiere oder beispielsweise die Hilfe bei einer Ferkelgeburt gehören. Da Corina sehr tierlieb ist, hat ihr die Arbeit mit den Tieren gut gefallen. "An den Stallgeruch musste ich mich aber erst gewöhnen", erzählt sie. Außerdem kümmern sich die "Bauernkinder auf Zeit" um die Kinder der Familie. Für Corina war dies eine schöne Aufgabe und die beiden Töchter der Familie Busch, Saskia und Nadine, schlossen sie ebenfalls schnell ins Herz. Die Jugendlichen helfen aber auch im Haushalt mit, kochen mittags, putzen das Haus oder gehen, wie Corina, mit dem Hund spazieren.

"Es war ein Schock", meint Corina, als sie nach ihrem ersten Eindruck gefragt wird. Dies ist jedoch ganz natürlich: das Leben auf einem Bauernhof ist zunächst einmal eine Umstellung. Fremde Leute, fremde Umgebung und auch eine völlig neue Arbeit: daran müssen sich die meisten erst einmal gewöhnen. So ging es auch Corina. Doch nach anfänglichem Heimweh, lebte sie sich recht schnell ein und wollte am Ende der drei Wochen gar nicht mehr nach Hause. Dies lag zum einen an der liebevollen Aufnahme der Familie, die versuchte, sie wie ein eigenes Kind zu integrieren. "Die waren voll nett", sagt Corina. Zum anderen aber auch an den Jugendlichen der Nachbarhöfe, die sie nach einiger Zeit kennen lernte und mit denen sie sich gut verstand und viel unternahm. Außerdem kommt Veronika Grossenbacher, die Projektleiterin von "Landleben-live", einmal während des Aufenthaltes vorbei , um nach den Ferienkinder zu schauen.

Neben der Arbeit gibt es für die Jugendlichen aber auch sonst viel zu erleben. Corina unternahm mit ihrer Familie beispielsweise Ausflüge in einen Wildtierpark, in die Stadt zum Einkaufen, auf einen Schweinemarkt oder auch an einen nahe gelegenen See zum Baden. Außerdem stand abends nach getaner Arbeit meist fernsehen auf dem Programm oder sie ging mit den anderen Jugendlichen in den "Club" der Umgebung.

Die Jugendlichen können während ihres Aufenthalts wichtige Erfahrungen sammeln: sie lernen ein völlig neues Leben kennen, sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden, neue Herausforderungen anzunehmen und sie zu bewältigen. Auch Marlies Katolla, die Mutter von Corina, bereut es nicht, ihre Tochter dort hingeschickt zu haben. "Ich würde es immer wieder tun", meint sie. Corina selbst ist nach anfänglicher Skepsis ebenfalls von dem Projekt überzeugt und würde am liebsten diesen Sommer wieder zu Familie Busch nach Adolzhausen.

Der Aufenthalt der Jugendlichen dauert bei "Landleben-live" zwischen zwei und acht Wochen und findet vorwiegend während der Schulferien von Frühjahr bis Herbst statt. Die "Bauernkinder" erhalten ein wöchentliches Taschengeld, das sich nach dem Alter richtet.

INFOInteressierte Jugendliche und Bauernfamilien können sich unter der Telefonnummer 0 79 42/1 07 12 an Veronika Grossenbacher, Landleben-live des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg, wenden. Infos gibt es auch im Internet auf der Homepage www.landleben-live.de oder unter der E-Mail-Adresse:V.Grossenbacher@hohenbuch.de.